Liebesleid am Lagerfeuer

15. Februar 2011, 17:55
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Magdalena Kozená überbringt "Lettere Amorose"

Wien - Zu Beginn eine Reverenz an die Dramaturgie des Konzerthauses für die programmplanerische Punktlandung, exakt am Valentinstag ein Konzert mit Lettere Amorose zu kredenzen: überaus weitblickend und freundlich, dies.

Als Postbotin der Liebe fungierte am Montagabend im Mozart-Saal, blondgelockt und in rotem Kleidchen, die sympathische Magdalena Kozená. Die Frau, die sich und Simon Rattle zwei Söhne gebar, schenkte der Welt vor kurzem den 30. Tonträger mit ihrer Mitwirkung. Er verewigt 17 italienische Liebeslieder aus dem 17. Jahrhundert - und bringt damit eine Literatur zum Klingen, die die gebürtige Brünnerin laut Programmheft schon als Sechs- beziehungsweise 16-Jährige leidenschaftlich pflegte.

Den musikalischen Garten der amourösen "Korrespondenzen" pflegten wiederum die acht Künstlerinnen und Künstler der von Pierre Pitzl geleiteten Private Musicke mit Umsicht und Fantasie mit; das gitarrenlastige Ensemble frisierte die ursprünglich wohl meist für eine Laute gedachte Begleitung der Singstimme geschmackvoll auf und schuf eine groovige, wärmende, lässige Lagerfeuer-Easyness-Atmo als Hintergrund für Kozenás Gesang.

In Liedern von Sigismondo D'India, Giulio Caccini, Biagio Marini und anderen erzählte die 37-Jährige von Liebesglück und Liebesleiden, von Liebesverrücktheiten und von Schäferglück. Claudio Monteverdis Si dolce è'l tormento und Barbara Strozzis L'Eraclito amoroso erwiesen sich dabei als die reichsten, variabelsten, beglückendsten Werke.

Lautstark beglückt zeigten sich auch die zahlreichen Kozená-Fans nach Ende des pausenlosen 90-minütigen Abends, hatte Magdalena Kozená doch ihre etwas spröde, unfreie Stimmgestalt gekonnt mit dem Mäntelchen des intensiv empfundenen Gefühls kaschiert.

So blieb zum Schluss die Frage: Ist das bei der Bartoli - wie Magdalena Kozená ebenfalls eine fleißige Fabrikantin erfolgreicher Themen-CDs - alles zwei Ticks virtuoser, luxuriöser, beeindruckender? Schon. Trotzdem: ein schöner, angenehmer, bereichernder Abend. (Stefan Ender, DER STANDARD - Printausgabe, 16. Februar 2011)

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