Ein herzliches Mäh zum Empfang

15. Februar 2011, 18:14
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Japans größte Leiharbeitsagentur will mit Ziegen für Arbeit auf dem Land begeistern

Im Foyer von Japans größter Leiharbeitsagentur Pasona zickt es gewaltig. Zwei weiße Ziegen begrüßen seit Montag an der Rezeption die Gäste. Bis heute händigen sie täglich 30 Besuchern zur Feier des Valentinstags sogar ein Stückchen Schokolade aus. Und wie es sich für Neueingestellte gehört, las ihnen Pasona-Chef Yasuyuki Nambu den Einstellungsbrief vor. Die Jobbeschreibung der Tiere sieht vor, neben Bocksprüngen durch ihr Revier Dünger für die firmeneigenen Reisfelder und Gemüsebeete im Foyer auszuscheiden.

Die Aktion ist keine Marotte. Pasona hat sein Hauptquartier in einen urbanen Bauernhof verwandelt. Mit der Zeit durften die Mitarbeiter Gemüse anpflanzen und ernten. Mit dem Import der Bauernkultur ins Zentrum der größten Mega-City der Welt verfolgt Nambu zwei Ziele. Nicht nur will die Firma der Gesellschaft zeigen, für seine 4500 Angestellten die gleiche soziale Funktion zu erfüllen wie ehedem die Dorfgemeinschaft in Japan. Gleichzeitig sollen Städter für die Arbeit als Bauern begeistert werden.

Mit dem letzten Ziel adressiert Pasona ein ernstes Problem: Japans Bauernstand stirbt aus. Das Durchschnittsalter der Bauern liegt bei mehr als 65 Jahren. Bei Hofgrößen von eineinhalb Fußballfeldern sind nur wenige Junge bereit, Bauern zu werden.

Gleichzeitig finden immer weniger städtische Hochschulabsolventen Arbeit und überlegen daher, sich von Pasona als Tagelöhner aufs Land vermitteln zu lassen. Pasona unterstützt die Freiwilligen mit Ausbildungsprogrammen. Uneigennützig ist das Engagement freilich nicht. Viele Japaner werfen Leiharbeitsfirmen vor, soziale Klüfte aufzureißen. 40 Prozent der Arbeitnehmer sind Teilzeit- und Vertragsangestellte. Da liegt es nahe, die Firma als Bewahrer der traditionellen japanischen Kultur darzustellen. (Martin Koelling aus Tokio, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2011)

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    Traum der Chefs: lieber Ziegen anstatt lästiger Mitarbeiter.

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