Regierung plant Übernahme von Frauenhäusern

15. Februar 2011, 15:09
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MenschenrechtlerInnen sehen Selbstbestimmungsrecht und Schutz von Frauen durch Maßnahme in Gefahr

Kabul - Die afghanische Regierung will die Kontrolle über die Frauenhäuser im Land übernehmen. Nach einer Prüfung des Status der Frauenhäuser habe die Regierung in Kabul sich dafür ausgesprochen, die Kontrolle über alle derartigen Einrichtungen ihrem Ministerium zu übertragen, erklärte Frauenministerin Husun Bano Ghasanfar am Dienstag.

Dies sei Teil einer "Afghanisierung", in deren Verlauf afghanische Regierungsstellen und Sicherheitskräfte mehr Verantwortung im Land übernähmen. Die Frauenhäuser, in die sich unter häuslicher Gewalt leidende Afghaninnen flüchten können, werden derzeit von ausländischen und von afghanischen unabhängigen Hilfsorganisationen betrieben.

Human Rights Watch befürchtet Rückschritte

Die Ankündigung der Regierung in Kabul stieß bei Menschenrechtsorganisationen auf Kritik. Das Vorhaben könne den Ausschluss von Frauen aus Frauenhäusern oder verpflichtende gerichtsmedizinische Untersuchungen der Bewohnerinnen zur Folge haben, warnte die in den USA ansässige Organisation Human Rights Watch (HRW). Schließlich werde die afghanische Regierung "zunehmend von konservativen Hardlinern dominiert", die das Selbstbestimmungsrecht von Frauen nicht anerkennen wollten.

Frauenrechte nur am Papier

Einige Konservative und islamische Geistliche vertreten die Auffassung, dass Frauenhäuser für Prostitution genutzt werden und Frauen ihren Familien entfremden. In der afghanischen Verfassung sind zwar Frauenrechte verankert, de facto werden sie jedoch kontinuierlich missachtet. (APA/Ag.)

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