Die Dreierwette im Handymarkt

15. Februar 2011, 14:31
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Mit Nokias Entscheidung für Windows Phone ist aus dem Match Apple gegen Android ein Wettrennen "zwischen drei Pferden" geworden

Die Karten im Handymarkt sind neu gemischt. Was sich zunehmend zur Konkurrenz zwischen Googles Android und Apple entwickelte, mit ungewisser Zukunft für RIM (Blackberry) und Hewlett Packards webOS (Palm), ist jetzt zur Dreierwette geworden, sagt Nokia-Chef Stephen Elop. Freitag erklärte Elop mit seinem früheren Boss, Microsoft-CEO Steven Ballmer, die eingetragene Partnerschaft zwischen den beiden Konzernen, Sonntagabend versuchte Elop die Gründe beim alljährlichen Mobile World Congress (MWC) in Barcelona darzustellen.

Während Google dank seines Erfolgs bei Herstellern wie Motorola, Samsung, HTC oder LG nicht auf Nokia angewiesen wäre, ist dies Microsoft schon: "Unser Gewicht macht Windows Phone zu einem Herausforderer. Es ist jetzt ein Rennen zwischen drei Pferden geworden, Apple, Android und Windows Phones."

Billiger werden

Microsoft gibt es darum billiger zu werden - bei Lizenzgebühren, so wie bei einem "gemeinsamen Ökosystem" von Windows und Nokia, in das Nokia seine Hardware-Erfahrung, Kunden und Services wie Ovi Maps einbringen will, allerdings unter der Windows-Marke. Das bringe Nokia "einen Geldwert in Milliardenhöhe" an künftigen Erträgen aus dem gemeinsamen Ökosystem, auch von Windows-Phone-Kunden anderer Hersteller. Und "nein, ich bin kein trojanisches Pferd", sagt er zu seiner eigenen Rolle als Ex-Microsoft-Präsident bei Nokia, "dies war eine Entscheidung des Vorstands".

Existenzielle Bedrohung

Für Nokia und Microsoft geht es jetzt ums Tempo. Wann das erste Windows-Handy auf dem Markt kommen wird, wollte Elop nicht sagen. Aber "2011 sei der Wunsch des Chefs", den sie auch erfüllen wolle, erklärte die für Windows Phones zuständige Jo Harlow. Im Klartext: Wenn Nokia der Neustart nicht bis zum Weihnachtsgeschäft gelingt, dann wird es eng für die Finnen. Weitere Marktanteilsverluste werden dann existenziell bedrohlich. In Barcelona zeigte sich in den Hallen die Invasionsmacht des einen Gegners, Android: neue Android-Handys, wohin das Auge reicht.

Samsung präsentierte das Galaxy S II, die zweite Auflage seines bisher erfolgreichsten Android-Geräts: höhere Auflösung, schnellerer Doppelkernprozessor, ein sehr großer Bildschirm (4,3 Zoll). Samsung baut ja zudem auch für Google das Nexus S, quasi das Parade-Android. Die Koreaner, die sich als Top-Hersteller in der Android-Schar etabliert haben, bringen auch ein weiteres Galaxy Tab auf den Markt, diesmal mit einem Zehn-Zoll-Display, was dem iPad entspricht, und mit dem noch nicht erschienenen Android "Honeycomb" für Tablets.

Verspielt

Sony Ericsson will sein etwas flügellahmes Geschäft hingegen mit dem Image von Sonys Playstation Portable beleben. Wie berichtet, bringt Sony sowohl ein eigenes Playstation-Handy auf den Markt als auch seine Playstation-Spiele auf Android-Handys. Die gemeinsame Tochter mit Ericsson baut dazu ein Handy mit einer Schiebetastatur, die das Xperia Play (650 Euro) zu einer Spielekonsole macht. Für Nichtspieler gibt es die Schiebetastatur zum Schreiben als Xperia pro (500 Euro).

Koreas LG will durch ein 3-D-Modell im gehobenen Android-Markt Fuß fassen. Das LG Optimus 3D hat eine Kamera mit zwei Objektiven sowie ein Display, das auch ohne Spezialbrille die Bilder zeigen kann. Auch auf der Spieleseite sollen 3-D-Angebote gemacht werden. Wie bei Samsung kommt die neue Generation von Doppelkernprozessoren zum Einsatz, die diese Grafikleistung ermöglicht, sowie ein 4,3-Zoll-Display. (Helmut Spudich aus Barcelona, DER STANDARD/Printausgabe, 15.2.2011)

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  • Android-Newcomer bei der Mobilfunkmesse in Barcelona: Sony Ericsson Xperia Play, Samsung Galaxy S II, LG Optimus 3D sowie Nokias Vorstellung von Windows-7-Geräten (von li. nach re.).
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    Android-Newcomer bei der Mobilfunkmesse in Barcelona: Sony Ericsson Xperia Play, Samsung Galaxy S II, LG Optimus 3D sowie Nokias Vorstellung von Windows-7-Geräten (von li. nach re.).

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