"Kaum Defizite"

Fekters Beamte ohne Kritik an Vorratsdatenspeicherung

15. Februar 2011, 13:53

Fachleute des Innenministeriums sehen kaum Defizite und lassen Journalisten ratlos zurück

Der Koalitionsstreit um die Vorratsdatenspeicherung treibt erstaunliche Blüten - und sorgt auch für Rätselraten bei journalistischen Beobachtern. Als am Dienstag sieben Spitzenbeamte des ÖVP-regierten Innenministeriums aufmarschierten, lag Kritik am Entwurf von SP-Infrastrukturministerin Doris Bures in der Luft. Doch nichts dergleichen geschah, nur ein bisschen mehr Rechtsschutz wurde gefordert.

Ob es aus Sicht der Beamten denn gar keine Defizite gebe, fragten die verdutzten Medienleute beim "Pressefachgespräch" in der Herrengasse. "Aus unserer fachlichen Sicht eigentlich keine mehr", so die Antwort von Sektionsleiter-Stellvertreter Walter Grosinger. Aufklärung gab es danach von Pressesprecher Rudolf Gollia. Die Beamten hätten lediglich auf einen Bericht des "Kurier" reagieren wollen, in dem ihnen unterstellt worden sei, die Exekutive gehe unsauber mit jetzt schon gespeicherten Telekommunikationsdaten um.

Enttäuschend

Wer nach der von der ÖVP gekippten Einigung auf das Gesetz weitere Attacken auf Bures erwartete, wurde enttäuscht. Die Frage, ob der Auftritt möglicherweise Teil einer parteipolitischen Inszenierung sei, ließen die Beamten unbeantwortet. Für den Streit um Mindeststrafhöhen und "schwere Delikte" oder die Frage, ob auch bei zivil- oder urheberrechtlichen Auseinandersetzungen auf die Vorratsdaten zugegriffen werden soll, erklärten sich Fekters Beamte unter Verweis auf das Justizministerium für unzuständig.

Stattdessen beteuerten sie, dass sie lediglich sicherstellen wollten, auch in Zukunft Opfer via Handyortung finden und aus Gefahrensituationen befreien zu können. Auch grenzüberschreitend wolle man helfen, wenn etwa jemand in einem Internetforum seinen Selbstmord ankündige. Dafür brauche es "nicht allzu viel" an Adaptierungen, vor allem was ältere, auf Vorrat gespeicherte Daten betreffe. Zudem verlangten die Beamten mehr Rechte für den schon jetzt verankerten Rechtsschutzbeauftragten, etwa eine Verpflichtung zum Prüfen. (APA)

 

Kommentar posten
12 Postings
Mathias
 
00
18.2.2011, 13:32
Fachleute des Innenministeriums sehen kaum Defizite und lassen Journalisten ratlos zurück

Logisch! Wird auch was anderes behauptet, dann darf derjenige sofort seinen Schreibtisch räumen. Beamte sind doch WEISUNGSGEBUNDEN durch den Minister / die Ministerin!!

Taran Seven
04
15.2.2011, 20:35
Jetzt haben sie sich auch den USA gebeugt, die alle Daten von Leuten die feindlichen Seiten oder Leuten in Kontakt kommen (speziell Wikileaks) aus den EU Ländern haben wollen.

Und die Contentindustrie hat auch dazu beigetragen, denn sie will endlich mit Massenabmahnungen in Österreich beginnen können. Die Anwälte haben sich schon vorbereitet, wie ich gelesen habe.

Donald Kerabatsos
00
22.2.2011, 15:44
Stimme zu, bis auf "Mr. Limited Hangout" Assange,

den alten CIA-Spezi; lassen Sie sich nicht von dem Freiheits-Unsinn beirren, die ganze Wikileaks-Aktion ist älteste Geheimdienstschule ("seit heute 5 Uhr 45 wird zurückge....").

Duck_Of_Death
04
15.2.2011, 19:56

"Auch grenzüberschreitend wolle man helfen, wenn etwa jemand in einem Internetforum seinen Selbstmord ankündige."
So ein Schwachsinn.... Das will ich sehen wie man durch das speichern von IP Adressen auch nur einen Selbstmord verhindert....

Donald Kerabatsos
00
22.2.2011, 15:47
Naja, vielleicht 5,6 Monate danach..-()

Sir Karl Popper
06
15.2.2011, 16:08
Was hat die Vorratsdatenspeicherung mit Opfer-Handyortung zu tun?

Die Handyortung wird ja für den aktuellen Standort gebraucht, darauf kann die Polizei in gewissen Situationen sowieso zugreifen.

Bei der Vorratsdatenspeicherung sind dann aber die Bewegungsprofile sämtlicher Handybesitzer über die letzten sechs Monate abrufbar. Das bringt also nur Opfern etwas, die schon seit Monaten vermisst werden.

Eine Kreatur
01
15.2.2011, 19:24
was das damit zu tun hat? das beamtInnen sogar zu blöde sind selber ..

gut klingende argumente für diesen schwachsinn zu finden ..

hotdoc hat bereits geschrieben - die anschaffung von imsi-catchern wurde damit argumentiert, um lawinenopfer schnell per handy zu finden .. natürlich wurde auch einer für wien angeschafft und ob lawinenopfer alle auch ihre handys eingeschaltet dabei haben ist sowieso ein anderes thema ..

in diktaturen gibt der staat wenigstens autoritär vor was zu geschehen hat .. in demokratien blamieren sich die behörden nur mit ihrer eigenen unfähigkeit künstlich argumente zu erfinden .. im wesen und der absicht sind aber beide systeme zunehmend gleich .. und je weiter rechtskonservativer westliche demokratien werden, desto ekelhafter wird diese gleichheit ..

HotDoc
01
15.2.2011, 14:49

Braucht ma jetzt keien IMSI-Catcher mehr in Wien um Lawinenopfer zu finden????

Eine Kreatur
01
15.2.2011, 19:20
jetzt nicht mehr .. zumindest brauchen sie das argument "lawinenopfer finden" nicht mehr, um ihren überwachungswahn zu fröhnen ..

wohin es führt sieht jeder mensch der/die sehen will - eine abschiebung filmende studentInnen werden laut lvt zu "terroristInnen" .. tierschützerInnen sind schon in der mangel des justizapparates, nachdem sie jahrelang erfolglos mit großem lauschangriff und sogar "vertrauenspersonen" infiltriert wurden

überall gibt es 0 beweise oder hinweise auf strafrechtlich relevantes, aber alle sind in den augen der verfolgenden behörden terroristInnen oder schwerkriminelle - nur weil sie unbequem sind

das ist das schlimme an pseudodemokratien, zu denen die rechtskonservativen eu-staaten verkommen .. in diktaturen sind die fronten wenigstens klar - wer seine meinung gegen die herrschenden äußert bekommt schwierigkeiten .. aber in pseudodemokratien ..

Donald Kerabatsos
00
22.2.2011, 15:50
Sie haben nicht unrecht,

nur vergessen Sie den "rechtskonservativ"-Unsinn, das hat mit der politischen Richtung nichts zu tun, der Zug geht in dieselbe Richtung.
Die DDR, UDSSR, China, Kuba, N-Korea ect. kann man beim besten Willen nicht so einstufen.

HotDoc
01
15.2.2011, 20:15

soweit ich bei der überwachung, .... zustimme

wenn man abschiebungen filmt sollte man sich vor brennenden mistkübeln fernhalten, den rest müssen gerichte entscheiden

aber hallo..
00
22.2.2011, 14:04

die mistkübel haben nun mal nicht am a**** der welt gebrannt sondern mitten in einer millionenstadt. dass da gerade politisch missliebige personen in der nähe waren ist kein zufall, zufall ist nur wer es war.

und: brennende mustkübel machen vielleicht eine sachbeschädigung oder von mir aus eine brandstiftung ABER sicher keine terror-organisation aus.
und: wer verdächtigt wird zwei mistkübel und die fassade eines leeren ams nazukokeln wandert in u-haft und bekommt den terror-paragrafen nachgeschmissen, wer an einen wohnhaus zündelt damit menschen in lebensgefahr bringt, naziparolen und mordrohungen ausstößt wird auf freien fuß angezeigt.
(http://derstandard.at/128297975... hronologie )

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.