Hannes Jagerhofer über seinen "ganz normalen Aktionär" Karl-Heinz Grasser

15. Februar 2011, 15:26
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Der Pionier des Event-Marketings verrät, warum er sich manchmal Handschellen wünscht und die Optik Karl Heinz Grassers schlecht fürs Image ist

Der Kärntner Eventmanager Hannes Jagerhofer im Gespräch über seine Arbeit und seine Beziehung zu Karl-Heinz Grasser.

derStandard.at: Wie zufrieden sind Sie selbst mit Ihrer Karriere?

Jagerhofer: Mehr als zufrieden. Nur wenige Menschen bekommen in ihrem Leben die Chance, auf so vielen unterschiedlichen Bühnen agieren zu dürfen bzw. auf so vielen Tastaturen zu spielen – ich bewege mich zwischen Sportevents, einem Reiseportal und YPD, unserem jüngsten Kind: 5.000 haben sich heuer übers Internet für die Ferialjobs und Praktika beworben, die 300 besten kommen ins Finale. Nächstes Jahr soll das Projekt aufs Ausland ausgedehnt werden.

derStandard.at: Das klingt nach Hans-Dampf-in-allen-Gassen...

Jagerhofer: ...ich bin ein bisschen rastlos, immer auf der Suche nach neuen Dingen, getrieben von der Umsetzung. Neues motiviert mich, ein typischer Kärntner halt wahrscheinlich.

derStandard.at: Ist der Kärntner der bessere Österreicher?

Jagerhofer: Glaub‘ ich nicht. Kärntner sind vielleicht gemütlicher, oder nein – kann man doch nicht sagen. Kärntner sind ländlich – was aber auch nicht immer gut sein muss.

derStandard.at: Wie oft sind Sie in Kärnten?

Jagerhofer: Wenn möglich jedes Wochenende. Herrlich, sag ich Ihnen, ich ziehe mich dann auf meine Almhütte zurück.

derStandard.at: Sind Sie ein Spitzbub?

Jagerhofer: Wahrscheinlich. Von der traurigen Sorte bin ich jedenfalls nicht.

derStandard.at: Wollen Sie als Pionier der Clubbing-Veranstalter bezeichnet werden?

Jagerhofer: Naja, der Alexander Hirschenhauser hat ungefähr zur selben Zeit wie ich begonnen. Richtig ist, dass wir beide den Anfang in diesem Bereich gemacht haben.

derStandard.at: Ihr Lebensmotto?

Jagerhofer: Solange ich noch aufstehen und ins Büro fahren kann und es mir Spaß macht, in den Tag hineinzugehen. Freude, meine Mitarbeiter zu treffen, Freude über Projekte zu diskutieren. Du triffst im Leben jeden Menschen vier Mal, man sagt zwar, man trifft jeden zwei Mal – stimmt nicht. Daher ist es ganz wichtig, keine verbrannte Erde zu hinterlassen.

derStandard.at: Vor wem haben Sie Respekt?

Jagerhofer: Extremen Respekt habe ich vor jenem Teil des ägyptischen Volks, der sich ohne Gewalt auf die Straße getraut haben, um sich gegen das Regime aufzulehnen. Hut ab.

derStandard.at: Mit wem würden Sie gerne Abendessen?

Jagerhofer: Da fallen mir viele ein. Nelson Mandela, Leute, die Ideen hatten wie Didi Mateschitz oder Steve Jobs, einer meiner ganz großen Gurus.

derStandard.at: Wem würden Sie absagen?

Jagerhofer: Allen, die nur den leisesten Geruch einer Ausländerfeindlichkeit verströmen und in irgendwelchen rechten Ecken anzusiedeln sind. Leuten, die nicht verstehen, dass wir nur in unserer multikulturellen Gesellschaft erfolgreich sein können.

derStandard.at: Welches ist ihr größtes Laster?

Jagerhofer: Ich bin ein Technik-Freak. Horror, ganz schlimm. Vor gewissen Geschäften müsste man mir Handschellen anlegen.

derStandard.at: Sie würden den Laden leerkaufen?

Jagerhofer: Leider gibt es ja auch noch das böse Internet, wo ich mir die Sachen auch bestellen kann.

derStandard.at: Wann haben Sie das letzte Mal geweint?

Jagerhofer: Vor vier Tagen beim Film "Hachi: A Dog's Story" mit Richard Gere – ein Hund begleitet sein Herrl zum Bahnhof, der fährt zur Arbeit und holt ihn abends wieder ab. Eines Tages kommt er nicht zurück und der Hund wartet neun Jahre am Bahnhof. Ein sehr tragischer Film.

derStandard.at: Gelacht?

Jagerhofer: Vorgestern, bei der Steuerberger Faschingssitzung.

derStandard.at: Wo, bitte?

Jagerhofer: Steuerberg ist eine Metropole in Kärnten, Nähe Feldkirchen. Das war echt lustig.

derStandard.at: Das führt zur Frage: Wie stehen Sie zu Karl-Heinz Grasser? Er selbst erwähnte noch vor einem Jahr, Sie als Person und Unternehmer sehr zu schätzen. Nun interessiert sich die Finanz für Grassers Bankverbindungen, unter anderem von JaBo Software, dem Betreiber von CheckFelix.

Jagerhofer: Nur so viel, Grasser ist zu 13 Prozent an CheckFelix beteiligt. 30 Personen vom VentureCapital Fonds habe ich es angeboten, Grasser war der einzige, der Geld einzahlte. Er ist für mich ein ganz normaler Aktionär. Es gilt die Unschuldsvermutung, aber die Optik in den ganzen Causen, die sich jetzt auftun, ist für mich extrem schlimm.

derStandard.at: Wäre es Ihnen lieber, er wäre nicht bei CheckFelix eingestiegen?

Jagerhofer: Im Gegenteil. Er ist Aktionär bei uns, hat aber keine Rechte. Er hat einfach an das Produkt geglaubt und das freut mich. Ich schätze Leute, die etwas riskieren. Und mit Felix sieht's gut aus. Was ich von Grasser als Person halte, wird davon abhängen, wie die ganze Sache ausgeht.

derStandard.at: Keine enge Freundschaft in der Wörtersee-Gemeinde?

Jagerhofer: Natürlich nicht. Wir sind ausschließlich geschäftlich miteinander verbunden. Ich schätze ihn als Partner.

(Sigrid Schamall, derStandard.at, 15.2.2011)

Zur Person:

Mit dem Konzept, "Buche eine Location, mach ein bisschen Musik, kredenze reichlich Essen und Getränke und lade betuchte Kunden ein", hat Hannes Jagerhofer, der sich gern als Vater des modernen Eventmarketings bezeichnet, aufgeräumt. Auftraggeber, Prominente und zahlungskräftige Sponsoren sind für ihn, wie der 49-Jährige sagt, nicht Pflichtübung, sondern Erlebnis. Einem Eisberg gleich lässt er heute Kreuzfahrtschiffe in Form von Adabeis an sich vorbeigleiten. Schirennläufer wollte er eigentlich werden, der Vater hält nicht viel von der Idee und überweist dem Buam, dem Medizin- und Informatikstudium-Studenten wider Willen, monatlich 5.000 Schilling. Bis diese eines Tages wieder vom Konto verschwinden. Es hilft nur der Gang zur Bank, um dem Direktor zu erklären, da gebe es ein Problem mit der Technik. Dieser kontert. "Sie haben ein Problem mit Ihrem Vater."

Nach kurzem Gastpiel als DJ im Kärntner Velden riecht der junge Jagerhofer seine wahre Berufung und erfindet kurzerhand die mittlerweile legendären Sophiensäle-Clubbings in Wien, gründet 1990 die ACTS Group, die Marken wie Apple Computer, Sony oder Starbucks vertritt. Nebenbei macht er seit 1996 das Beach Volleyball Turnier in Klagenfurt zum Kultsport mit angeschlossenem Mega-Event.

Jagerhofer hat 1997 die Vision “Kärnten 2007 – Wir denken weiter“ entwickelt. Darin sollte mit Hilfe der Olympia-Bewerbung für Winterspiele 2006 Kärnten „belebt“ werden. Karl-Heinz Grasser war zuständiger Kärntner Landespolitiker.

Auch checkfelix.com, eine Online-Reisesuchmaschine, geht auf ihn zurück, immer noch Zeit genug, um sein jüngstes Kind auf dem Markt zu werfen. Mit YPD (Young, powerful and dynamic, was sonst?, Anm.) vergibt er die 100 besten Praktikumsplätze in Österreich. Vorausgewählt wird übers Internet, das auch ein Fluch sein kann, wie er im Interview erklärt. Sein eigener Auftritt bei Facebook ist rekordverdächtig: Nach zehn Minuten habe er bereits hundert Freundschaftsanfragen erhalten. Logische Konsequenz im Jagerhofer'schen Sinn: "Da bin ich gleich wieder ausgestiegen."

Rückblick ins Jahr 2009

KHG im Interview über seinen Freund Hannes Jagerhofer

  • Hannes Jagerhofers Liebe gilt Kärnten, doch nicht jeder am Wörtersee gehört zu den Freunden des Event-Gurus,...
    foto: jabo software vertrieb- und entwicklung gmbh

    Hannes Jagerhofers Liebe gilt Kärnten, doch nicht jeder am Wörtersee gehört zu den Freunden des Event-Gurus,...

  • Bild nicht mehr verfügbar

    ...selbst, wenn er noch so "supernackt" ist, so wie Jagerhofer selbst nach einer verlorenen Wette vor dem Wiener Stephansdom im Sommer 2010.

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