Krankenkassen 2010 im Finanzplus

15. Februar 2011, 18:46
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IHS-Experte warnt vor voreiliger Jubelstimmung

Wien - Von Pleitekandidaten zu Musterschülern: Die Bilanzen der Krankenkassen weisen eine bemerkenswerte Wende aus. Fuhren die Träger der Krankenversicherung in den Jahren vor 2009 teils satte Defizite ein, schreiben sie nun bereits zum zweiten Mal in Folge schwarze Zahlen. Mit 279,7 Millionen Euro lag das Plus 2010 sogar über jenem des Jahres davor (169,2 Millionen). Überdies verbuchen erstmals seit vielen Jahren alle neun Gebietskrankenkassen einen Überschuss: den höchsten die einst marode Wiener Kasse mit 59,8 Millionen Euro.

Medikamentenkosten reduziert

Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) führt das erfreuliche Resultat naturgemäß auf das segensreiche Wirken der Regierung zurück, konkret auf das Kassensanierungspaket. Zu einem Teil bestand dieses freilich aus einer simplen Finanzspritze von jeweils 150 Millionen Euro für die Jahre 2010, 2011 und 2012.

Allerdings gesteht Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien zu, den Turnaround nicht nur dank Geldzufuhr geschafft zu haben. "Es ist gelungen, die Medikamentenkosten zu reduzieren und den Verwaltungsaufwand in den Griff zu bekommen", spricht der Experte von einem "ermutigenden Zeichen".

"Strafe" für gutes Wirtschaften

Als Anreiz für Kostendämpfungen hatte die Regierung 100 Millionen aus einem "Strukturfonds" in Aussicht gestellt - mit positivem Effekt: Das vereinbarte Sparziel von 214 Millionen haben die Kassen sogar übertroffen. Umso mehr bedauert Czypionka, dass der Fonds heuer auf 40 Millionen zusammengestrichen wird: "Die Kassen sollten nicht bestraft werden, wenn sie einmal erfolgreich gewirtschaftet haben."

Schon deshalb warnt Czypionka davor, "nun in Jubelstimmung auszubrechen". Zum Teil verdankten die Kassen die gute Bilanz auch den stabilen Löhnen (und damit Beiträgen), die in der Krise weniger eingebrochen seien als das BIP. Nun würden steigende Preise und die fortschreitende Alterung die Probleme aber wieder verschärfen. Fürs laufende Jahr erwarten die Krankenversicherer ein Defizit, und der Schuldenberg ist lange nicht abgebaut. Nach dem Höchststand von 1,1 Milliarden anno 2009 betragen die Verbindlichkeiten aktuell immer noch 570 Millionen. (jo, APA/DER STANDARD-Printausgabe, 16.2.2011)

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