Karrierefaktor Stimme

15. Februar 2011, 13:01
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Der Oscar prämierte Film "The King's speech" rückt die Tätigkeit des Logopäden, des Stimm- und Sprechtrainers, in den Vordergrund

Als Karrierefaktor wird die Stimme in der heutigen Zeit viel zu oft unterschätzt. Die Stimme entscheidet zu 94 Prozent über Erfolg oder Misserfolg im Berufsleben. "Der Film "The King's speech" rückt all das recht amüsant in den Vordergrund. Doch für Betroffene selbst, kann es - auch das zeigt der Film deutlich - peinlich sein, bis hin zu wirklichen beruflichen Nachteilen gereichen", erklärt die Diplomierte Logopädin Elisabeth Kratz in einer Aussendung.

Die Musik hinter den bloßen Worten

"Das Verständlichste an der Sprache ist nicht das Wort selber, sondern der Ton, Stärke, Modulation, Tempo, mit denen eine Reihe von Wörtern gesprochen wird - kurz die Musik hinter den Worten, die Leidenschaft hinter dieser Musik, die Person hinter dieser Leidenschaft; alles das also, was nicht geschrieben werden kann", erläutert Kratz. Eine Studie von des US-Psychologen Albert Mehrabian an der Universität of California belegt die bedeutende Rolle von Körpersprache und Stimme in der kommunikativen Wirkung, demnach basiert diese zu 55 Prozent auf dem Aussehen und der Mimik, zu 38 Prozent am Klang der Stimme, und zu sieben Prozent am gesprochenen Inhalt.

Diese Ausdrucksformen können in diesem Verhältnis innerhalb weniger Sekunden darüber entschieden, ob und wie Personen bei anderen "ankommen". Ob sie An-Klang und Zu-Stimmung erhalten. Die Stimme ist das Werkzeug für den richtigen Ton. Ihre Äußerungen sollten aber immer im Spannungsfeld von Authentizität, Ökonomie und Wirkung entstehen.

Ein noch so gutes Aussehen trete in den Hintergrund, wenn die Stimme schrill, piepsig oder nasal klingt, oder gar gestottert wird, so die Logopäding. Eine Rede wird belanglos, wenn die Sprechmelodie monoton klingt, oder zu hastig gesprochen, und dabei Silben und Wörter "verschluckt" werden. Die Stimme sei ein herausragendes Persönlichkeitsmerkmal und daher ein mächtiges Kommunikationsinstrument, mit dem man viel zerstören aber auch erreichen kann.

Als Karrierefaktor unterschätzt

Kratz rät deshalb dazu Stimm- und Sprachprobleme möglichst frühzeitig zu therapieren, am besten im Vorschul- und Schulalter. Das betrifft vor allem Sprachfehler wie lispeln oder stottern. Nicht jeder Manager ist von vornherein mit einer charismatischen, wohlklingenden Stimme gesegnet.

Und auch nicht andere Vielredner wie Verkäufer, Kundenbetreuer, Mitarbeiter in Call-Centern, Lehrer, Anwälte, Universitätsprofessoren oder Politiker.  Natürlich könne niemand seine Stimme völlig verändern, also etwa aus einer hohen eine tiefe Stimme machen oder umgekehrt. Aber Deutlichkeit, Sprech-Geschwindigkeit, Betonung, Resonanz, Lautstärke und auch den Stimmklang könne man positiv beeinflussen, so die Logopädin. Sie empfiehlt daher Stimm- und Sprechtraining in die Pläne der Aus- und Fortbildung von Unternehmen einzuplanen. (red)

Die häufigsten Sprechfehler

  • eine gepresste oder zu behauchte Stimme, die auf den Zuhörer irritierend oder ermüdend wirkt
  • hörbare Schnappatmung - wird falsch geatmet, geht dem Sprecher beim Sprechen die Luft aus
  • undeutliche Artikulation
  • Monotonie - fehlende Sprachmelodie
  • Schriller, piepsiger, rauer, heiserer oder zittriger Stimmklang
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