Drei Frauen richten über Berlusconi

15. Februar 2011, 20:57
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Italienischer Premier muss wegen Förderung der Prostitution Minderjähriger und wegen Amtsmissbrauchs ab 6. April vor Gericht

Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi muss sich im Zuge der Sexaffäre rund um die Marokkanerin Karima al-Marough (alias "Ruby") wegen Förderung der Prostitution Minderjähriger und wegen Amtsmissbrauchs in einem Schnellverfahren vor Gericht verantworten. Dahinter verbirgt sich nicht etwa ein für Berlusconi wirklich gefährliches Schnellverfahren, sondern die Möglichkeit, angesichts schwerwiegender Beweise die Vorverhandlung vor dem Untersuchungsrichter fallen zu lassen.

Für beide Anklagepunkte gebe es ausreichend Beweise, begründete die Ermittlungsrichterin das Schnellverfahren.

Berlusconi drohen bis zu 15 Jahre Haft

Die Staatsanwälte werfen dem Premierminister vor, erstens für Sex mit der damals 17-Jährigen bezahlt zu haben und anschließend seinen Einfluss dazu genutzt zu haben, die Affäre zu vertuschen. Der Prozess soll am Mittwoch, den 6. April um 9.30, beginnen. Das entschied die Ermittlungsrichterin Cristina Di Censo am Dienstag in Mailand. Den Prozess werden drei Richterinnen führen, schreibt die römische Tageszeitung La Repubblica: Carmen D'Elia, Orsola De Cristofaro und Giulia Turri.

Staatsanwalt Bruti Liberati hatte in beiden Anklagepunkten ein abgekürztes Verfahren beantragt. Auf Förderung der Prostitution mit Minderjährigen stehen in Italien bis zu drei Jahre Gefängnis. Die Anklage in Sachen Umgang mit minderjährigen Prosituierten stützt sich vor allem auf abgehörte Telefongespräche. Fast ein Jahr lang hatten die Ermittler das Party-Umfeld von Berlusconi abgehört und Handys geortet. Schwerer wiegt der Vorwurf des Amtsmissbrauchs, schreibt die Repubblica. Im Falle einer Verurteilung drohen Berlusconi insgesamt bis zu 15 Jahre Haft.

Reaktion der Verteidigung

"Wir haben uns nichts anderes erwartet", ließ einer Anwälte Berlusconis, Piero Longo, ausrichten. "Auch im Mills-Prozess haben wir drei Frauen", so die Verteidigung weiter. "Sehr gut, Frauen sind immer willkommen, manchmal auch angenehm."

Sein weiterer Anwalt Niccolo Ghedini hatte bereits vor dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf einen Prozess angekündigt, Einspruch einzulegen, wenn dem Ansinnen entsprochen werde.

Es ist nicht der einzige Prozess, der Berlusconi droht: Am 11. März soll ein altes Bestechungsverfahren gegen den Medienunternehmer wieder aufgenommen werden. Dem Premier wird vorgeworfen, dem britischen Anwalt David Mills für Falschaussagen in den Neunzigern 442.000 Euro gezahlt zu haben. Mills wurde dafür bereits zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, muss die Strafe allerdings wegen Verjährung nicht verbüßen.

Quelle: Youtube

Berlusconi streitet alles ab

Berlusconi hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Seitdem die Mailänder Staatsanwälte Mitte Jänner bekanntgegeben haben, gegen den Premierminister zu ermitteln, hat Berlusconi bereits vier Videobotschaften veröffentlicht, in denen er seine Unschuld beteuert. Seit Monaten schon steht der Premierminister im Mittelpunkt diverser Sexskandale. Seinen Gegnern wirft Berlusconi einen Putschversuch vor. Die Ermittlungen der Justiz gegen ihn erinnerten an das Ausspähen des Privatlebens von Bürgern in der DDR, sagte er gegenüber der Mailänder Tageszeitung Il Foglio.

Berlusconi: "Moraljustiz"

Es handle sich um koordinierten Versuche der "Anti-Berlusconi-Lobby", um "Moraljustiz" und um "absurde Ermittlungen, die an die Jagd der Spione in 'Das Leben der Anderen' im kommunistischen Deutschland erinnern". Berlusconi erwägt außerdem öffentlich, wegen Verletzung seiner Privatsphäre aufgrund der Ermittlungen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu klagen.

Er werde außerdem den Staat auf Wiedergutmachung klagen, kündigte er an. Die ermittelnden Staatsanwälte bezeichnete er als "subversive Rechtsbrecher".  "Ich bin nicht um mich besorgt", erklärte Berlusconi. "Ich bin ein reicher Mann, der seine Zeit auch mit dem Bau von Kinderkrankenhäusern verbringen kann."

"Ruby Rubacuori"

Der für den Prozess relevante Fall dreht sich um eine 17-jährige Marokkanerin, die Tänzerin "Ruby Rubacuori" ("Herzensbrecherin"), die der Premier vor dem Gefängnis bewahrt haben soll. "Ruby" soll mehrmals an sogenannten Sex-Partys mit Sexorgien und Striptease-Shows in der Mailänder Privatvilla des Premiers teilgenommen haben. Die Nachtclubtänzerin war in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai vergangenen Jahres in Mailand wegen Diebstahls festgenommen worden. Berlusconi soll sie mit einem Anruf bei der Polizei freibekommen haben. Den Anruf hat Berlusconi zugegeben. Ruby bestreitet Sex mit Italiens Regierungschef, gab aber zu, Geld (7.000 Euro) erhalten zu haben. 

Das Geld habe sie "als Hilfe" erhalten, nachdem der Premier von ihrer "schwierigen Ausgangslage" - Ruby sei damals erst vor kurzem in Mailand angekommen - erfahren habe.

Sie sagt sagt außerdem, sie habe sich damals dem Premier - wie vielen anderen auch - gegenüber als 24-Jährige ausgegeben.

Aus den Unterlagen der Staatsanwaltschaft geht außerdem hervor, dass neben Ruby eine weitere Minderjährige an Festen in Berlusconis Häusern teilgenommen habe. Die Brasilianerin Iris B., inzwischen volljährig, gilt bei den Ermittlern als professionelle Prostituierte. (fin, derStandard.at, 15.2.2011)

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    Silvio Berlusconi muss ab 6. April wegen der Vorwürfe des Amtsmissbrauchs und der Anstiftung Minderjähriger zur Prostitution bei Gericht erscheinen. Über Schuld oder Unschuld des 74-jährigen Premiers sollen drei Richterinnen befinden. 

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    Kurzer Prozess gegen Berlusconi.

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    "Ruby Rubacuori".

  • Quelle: La Repubblica

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    Berlusconi, 74 Jahre alt, soll für Sex mit der damals 17-Jährigen bezahlt und anschließend seinen Einfluss geltend gemacht haben, um die Affäre zu vertuschen.

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