Chocolatier Zotter eröffnet "Essbaren Tiergarten"

15. Februar 2011, 11:28
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Neues Projekt: In einer Art kreativem Bio-Bauernhof können alte Nutztierrassen gestreichelt, aber auch verkostet werden

Graz - Es ist sein "Lebenswerk", das er dem fairen Handel und dem nachhaltigen Wirtschaften gewidmet hat, wenngleich er sich der Provokation bewusst ist: Der oststeirische Chocolatier Josef Zotter eröffnet mit 1. Mai einen "Essbaren Tiergarten". Rund vier Millionen Euro investiert Zotter in das 27 Hektar große Areal, auf dem artgerecht gehaltene alte Nutztierrassen gestreichelt, aber auch verkostet werden sollen. Zotter will seinen Erfolg dazu nutzen, "ein bisserl was zu bewegen", seine Botschaft gegen Wachstums- und Konsumwahn, für Transparenz und Nachhaltigkeit vermitteln. Im "Essbaren Tiergarten" geht es um den Komplex Tier - Fleisch - Menschen.

"Am Tier essen", nennt Erfinder Zotter seine jüngste Kreation neben seiner Schokoladen-Manufaktur. Auf dem Gelände leben die Tiere, die die Zotter-Mitarbeitern später in der Bio-Kantine zu essen bekommen. Und auch für BesucherInnen gibt es künftig eine Auswahl an Gerichten vom eben gesehenen Tier.

Von seinem Büro aus überblickt Zotter die Bewegungen, die derzeit auf dem Firmensitz in Bergl bei Riegersburg im Gang sind. Möglichst schonend werden Erdställe und begrünte Gebäude, Teiche, Wege und eine Hängebrücke angelegt. Zwölf seiner inzwischen 120 Mitarbeiter werden künftig hier tätig sein.

Wollschwein, Hirsch und Hochlandrind

2007 wurde aus der Zotter "Manufaktur" das "SchokoladeWerk mit Schoko-Laden-Theater", wo BesucherInnen an Informations- und Naschstationen alles rund um Kakao und Schokolade erfahren. Ausgelöst wurde das aktuelle Projekt von einem benachbarten Bauern, der seinen Hof nach einem Erdrutsch verkaufte. "Es ist die 16. Verkostungsstation des Schokoladentheaters daraus geworden", erklärte der Unternehmer, der dieser Tage seinen 50. Geburtstag feiert. Diese umfasst die "Würstlquetschn", Müllnerei und Bäckerei ("Mit der ultimativen Wurstsemmel"), einen mobilen Hühnerstall sowie Küchenbox und Picknick-Angebote. Serviert werden eigene Produkte vom Wollschwein bis zum Hochlandrind und vom Hirsch bis zur Teichnuss und anderen Vegetabilien.

Auch wenn Zotter den erhobenen Zeigefinger ablehnt ("Die Leute sollen Spass haben und sich wohlfühlen"), soll den Konsumenten doch ein Spiegel vor die Nase gehalten werden: "Wir wollen damit das absurde Spiel umkehren, dass man einerseits nicht wissen will, wie das Tier aus dem Supermarktfleischpackerl gelebt hat und dass man andererseits Tiere, die man streichelt und denen es gut geht, nicht verspeisen möchte", so der Gedanke dahinter. Auch geschlachtet werde an Ort und Stelle, jedoch nicht öffentlich: "Davon bin ich abgekommen. Es könnte als Gag oder Voyeurismus ausgelegt werden." Vom "Essbaren Tiergarten" erwartet sich Zotter eine Belebung der Marke, nicht mehr Besucher. (APA/red)

Nähere Informationen zum "Essbaren Tiergarten"

Der Chocolatier als Landwirt

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    Josef Zotter in seinem 'Essbaren Tiergarten' in Riegersburg.

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