Einwohner Lampedusas revoltieren gegen Flüchtlinge

15. Februar 2011, 16:21
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Italiens Außenminister will EU-Patrouillen vor Tunesien

Rom -Nach der dramatischen Flüchtlingswelle der vergangenen Tage bleibt die Lage auf der italienischen Flüchtlingsinsel Lampedusa angespannt. Zwar legten zunächst keine weiteren Boote mit Verzweifelten aus Tunesien auf der winzigen Felseninsel südlich von Sizilien an. Doch ist ihr Auffanglager mit 2.000 Menschen völlig überfüllt. Konzipiert wurde es für 800. Auf Sizilien landeten erste Immigranten aus Ägypten. Die EU reagierte am Dienstag auf die italienischen Hilfsforderungen und erklärte, die Mitgliedstaaten um Personal und Ausrüstung für einen Frontex-Einsatz gebeten zu haben.

Die Bewohner der Mittelmeerinsel Lampedusa südlich von Sizilien revoltieren gegen die massive Flüchtlingswelle aus Tunesien. Die rund 5.300 Bewohner der Insel befürchten, dass die verzweifelten Migranten in die Wohnungen eindringen könnten. Für Aufregung sorgte am Dienstag der Fall eines Kindes, dem ein Flüchtling sein Handy gestohlen hatte. "Wir sind an Flüchtlinge gewohnt. Jetzt sind sie auf der ganzen Insel frei unterwegs, wir befürchten, dass bald etwas passieren könnte", sagte eine Lehrerin.

Der Bürgermeister von Lampedusa, Bernardino De Rubeis, verordnete, dass den Migranten kein Alkohol verkauft werden soll. "Wir wollen die öffentliche Sicherheit garantieren", sagte der Bürgermeister. 200 Polizisten trafen auf Lampedusa auf, um Unruhen auf der Insel vorzubeugen. Seit Jahren ist die 20 Quadratkilometer große Insel zwischen Sizilien und Tunesien für Immigranten ein Hauptzugang für den EU-Raum. Der Seeweg nach Lampedusa ist von Tunesien aus nur halb so weit wie von Sizilien.

Italiens Außenminister will EU-Patrouillen vor Tunesien

Angesichts des Ansturms tunesischer Flüchtlinge auf die Mittelmeerinsel Lampedusa hat der italienische Außenminister Franco Frattini mit der tunesischen Regierung die Möglichkeit einer europäischen Mission zur Überwachung internationaler Gewässer besprochen, um die Überfahrt von Flüchtlingen in Richtung Europa zu stoppen. "Die tunesischen Sicherheitskräfte haben versprochen, dass sie die Häfen kontrollieren werden", erklärte Frattini, der am Montagabend bei einem Kurzbesuch in Tunis den tunesischen Interim-Regierungschef Mohammed Ghannouchi getroffen hat. Eine gemeinsame Patrouillierung mit italienischen Sicherheitskräften in tunesischen Gewässern, wie sie die Regierung Berlusconi vorgeschlagen hatte, lehnte Ghannouchi ab.

"Italien ist bereit, Ausstattung für die tunesische Polizei zu liefern. In Tunesien gibt es kein Sicherheitssystem mehr und wir sind bereit, Mittel und Schiffe zu entsenden", erklärte Frattini. Infolge der durch den Sturz von Präsident Zine el-Abidine Ben Ali ausgelösten Wirtschaftskrise in Tunesien flohen in den vergangenen Tagen mehr als 5.000 Tunesier auf Lampedusa.

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi und Innenminister Roberto Maroni wollten am Dienstag nach Sizilien kommen, um mit den Lokalbehörden Maßnahmen zur Bewältigung des Flüchtlingsnotstands zu besprechen. Maroni bat die EU um Sonderfinanzierungen in Höhe von 100 Millionen Euro zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms. Er warnte vor der Gefahr, dass 80.000 nordafrikanische Migranten Lampedusa erreichen könnten.

"Es ist im Interesse ganz Europas, das Phänomen der Masseneinreisen zu bekämpfen, das verheerende Folgen für die EU-Länder haben könnte. Es ist notwendig, dass die EU, angefangen von ihren Staats- und Regierungschefs, eine einheitliche Strategie entwickelt und eine starke diplomatische Aktion startet. Wenn die USA sich über die Situation besorgt erklärt haben, wie kann dann die EU nicht besorgt sein", fragte Maroni am Montag bei einer Pressekonferenz in Rom.

Seit dem 15. Jänner sind laut Maroni 5.278 tunesische Migranten auf Lampedusa gelandet, darunter 66 Minderjährige. 26 mutmaßliche Menschenhändler wurden festgenommen, 41 Boote wurden beschlagnahmt, berichtete der Minister. Er kündigte die Entsendung von 200 Soldaten nach Lampedusa an. Sie sollen für die öffentliche Sicherheit sorgen. Der Innenminister warnte vor der Gefahr, dass sich Terroristen unter die Flüchtlinge mischen könnten. In der Nacht auf Dienstag trafen keine Boote ein. Auf Sizilien, nahe der Stadt Ragusa, wurde ein Fischerboot mit 50 ägyptischen Flüchtlingen an Bord in Sicherheit gebracht. (APA)

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    Flüchtlinge aus Tunesien nach ihrer Ankunft auf Lampedusa.

  • Italiens Außenminister Franco Frattini (rechts) und der tunesische Premier Mohamed Ghannouchi (links).
    foto: epa/stringer

    Italiens Außenminister Franco Frattini (rechts) und der tunesische Premier Mohamed Ghannouchi (links).

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