Wirtschaftswachstum Ende 2010 eingebremst

15. Februar 2011, 12:32
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BIP-Plus im vierten Quartal auf 0,6 Prozent zum Vorquartal abgeschwächt - Staaten driften international auseinander

Wien - Österreichs Wirtschaft wächst immer noch, allerdings deutlich langsamer als zuletzt, wie die Schnellschätzung des Wifo zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ergibt. Im vierten Quartal lag das Bruttoinlandsprodukt real 0,6 Prozent über dem Vorquartal, nach noch 0,9 Prozent Anstieg im Sommer. Im Jahresabstand verringerte sich der Zuwachs leicht auf 2,4 (2,5) Prozent. Insgesamt wuchs das BIP nach diesen vorläufigen Berechnungen 2010 gegenüber 2009 real um 1,9 Prozent, teilen die Wirtschaftsforscher heute mit.

Das unbereinigte BIP lag im vierten Quartal um 2,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Getragen wird das Wachstum einmal mehr von der exportgetriebenen Industrie. In der Sachgütererzeugung hält der Aufschwung seit Mitte 2009 an, die Wertschöpfung erhöhte sich im IV. Quartal gegenüber der Vorperiode um 1,5 Prozent.

Exporte legen weniger zu

Parallel dazu nehmen auch die Exporte etwas weniger kräftig zu als zuletzt (im vierten Quartal +1,4 Prozent, im zweiten und dritten Quartal waren die Raten mehr als doppelt so hoch). Der Anstieg der heimischen Exporte verdankt sich vor allem der Steigerung der Warenausfuhren und weiterhin der Ausweitung des Welthandels. Aber auch die Importe expandierten Ende 2010 erneut, und zwar um 0,8 Prozent gegenüber Juli bis September.

Im Jahresabstand wuchsen sowohl Ex- als Importe auch im Schlussquartal wieder zweistellig, wie dies bereits seit dem zweiten Vierteljahr der Fall war. Die Ausfuhren legten laut Wifo demnach um 11,1 Prozent zu und die Einfuhren um 10,1 Prozent.

Privater Konsum wächst nicht

Die private Konsumnachfrage war im gesamten Jahr 2010 stabil. Auch im 4. Quartal expandierte sie - wie bereits in den Vorquartalen - gegenüber der Vorperiode um 0,3 Prozent und lag damit um 1 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Deutlich dynamischer entwickelten sich laut Wifo im 4. Quartal die Investitionen. Die Bruttoanlageinvestitionen (Bau- und Ausrüstungsinvestitionen) stiegen gegenüber dem Vorquartal um 1,4 Prozent, davor waren es +1,2 Prozent und im 2. Quartal erst +0,3 Prozent gewesen.

Die Krise in der Bauwirtschaft hielt dagegen an. Sowohl die Nachfrage nach Bauinvestitionen als auch die Wertschöpfung waren im 4. Quartal neuerlich rückläufig. Das Bauwesen insgesamt schrumpfte laut Wifo auch im 4. Quartal um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Die Vermögens- und Unternehmensdienstleistungen expandierten im 4. Quartal unvermindert (+0,8 Prozent). Gedämpft verlief laut Wifo dagegen die Konjunktur in den Bereichen Handel, Gastgewerbe und Verkehr (+0,3 Prozent, ebenfalls im Quartalsabstand). 

Heftiger Winter bremst Deutschland

Ein ähnliches Bild ergibt sich in Deutschland. Der heftige Wintereinbruch hat auch die deutsche Wirtschaft am Jahresende gebremst. Das BIP wuchs im vierten Quartal um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Im Sommer hatte es noch ein Plus von 0,7 Prozent gegeben. Analysten hatten mit einem Wachstum von 0,5 Prozent gerechnet. Impulse kamen auch in Deutschland vor allem von den Exporten. "Im Inland wurde zudem sehr in Ausrüstungen investiert und auch mehr konsumiert", erklärten die Statistiker. Deshalb seien Rückgänge bei den Bauinvestitionen ausgeglichen worden. 2010 hatte die Wirtschaft mit 3,6 Prozent das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung geschafft, bestätigten die Statistiker ihre erste Schätzung von Jänner. Im Krisenjahr 2009 hatte es mit 4,7 Prozent noch den stärksten Einbruch seit Bestehen der Bundesrepublik gegeben.

Dennoch verhinderten Schnee, Eis und Frost ein stärkeres Wachstum: Der harte Winter legte wochenlang viele Baustellen lahm. Die Bauproduktion brach im Dezember so stark ein wie noch nie seit Beginn der gesamtdeutschen Statistik 1991.

Trotz des Dämpfers zum Jahresende rechnen die meisten Experten zu Jahresbeginn mit einem spürbaren Wachstum. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte zu Jahresbeginn auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sagt für dieses Jahr ein Plus von drei Prozent voraus.

Staaten driften auseinander

In Griechenland, dem "Sorgenkind Nummer 1" in Europa, schrumpfte die Wirtschaft im 4. Quartal mit 6,6 Prozent im Jahresabstand am stärksten. Der BIP-Rückgang verstärkte sich am Hellas noch, denn im 3. und 2. Vierteljahr hatte das Minus erst 5,7 bzw. 5,1 Prozent betragen. Gegenüber dem Vorquartal schwächte sich die Wirtschaftsleistung Griechenlands Ende 2010 um 1,4 Prozent ab, nach 1,7 und 1,8 Prozent in den beiden Vierteljahren davor. Für Irland lagen noch keine Zahlen für das vierte Quartal vor.

Nahe der Stagnation entwickelte sich Italiens Ökonomie. Im 4. Quartal lag das BIP nur 0,1 Prozent über dem Vorquartal, im Jahresabstand wurde aber noch ein Plus von 1,3 Prozent verbucht. Spanien, zwischen Juli und September noch mit einem Nullwachstum gegenüber dem Vorquartal, wuchs diesmal um 0,2 Prozent, gegenüber dem Vorjahr waren es 0,6 Prozent. Frankreich stand hier mit 0,3 bzw. 1,5 Prozent spürbar besser da. Großbritannien schrumpfte im Vergleich zum Vorquartal um 0,5 Prozent, legte aber zum Vorjahr um 1,7 Prozent zu.

Auch international driften die Staaten auseinander. In den USA, dem Hauptwirtschaftspartner Europas, erhöhte sich das BIP-Plus im Quartalsabstand von 0,6 auf 0,8 Prozent, bremste sich aber im Jahresabstand von 3,2 auf 2,8 Prozent ab. In der Eurozone, die quartalsweise auch Ende 2010 um 0,3 Prozent wuchs, erhöhte sich der Zuwachs im Jahresabstand leicht von 1,9 auf 2,0 Prozent. In Japan dagegen ging er von 4,7 auf 2,6 Prozent zurück, im Quartalsvergleich standen zuletzt 0,3 Prozent Minus nach 0,8 Prozent Plus davor. (red)

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