UNO fordert Waffenstillstand zwischen Kambodscha und Thailand

15. Februar 2011, 06:08
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Phnom Penh wirft Bangkok Einsatz von Streumunition bei Grenzgefechten vor - ASEAN soll in Streit um Tempel vermitteln

Nach den Grenzgefechten zwischen Thailand und Kambodscha in der Nähe des Tempels Preah Vihear hat der UNO-Sicherheitsrat einen "dauerhaften Waffenstillstand" gefordert. Die Mitglieder im Sicherheitsrat zeigten sich "sehr besorgt" über die Auseinandersetzungen und riefen beide Seiten zu "äußerster Zurückhaltung" auf, sagte die amtierende Ratsvorsitzende, die brasilianische UNO-Botschafterin Maria Luiza Ribeiro Viotti, am Montag nach einer Sitzung mit den Außenministern von Kambodscha und Thailand sowie von Indonesien, dessen Außenminister in dem Konflikt vermitteln soll. Der Sicherheitsrat war zuvor vom für politische Fragen zuständigen Untergeneralsekretär Lynn Pascoe über die Lage informiert worden.

In einer Stellungnahme nach der Sitzung zeigte sich der kambodschanische Außenminister Hor Namhong enttäuscht darüber, dass die bilateralen Gespräche mit dem Nachbarn Thailand seit 2008 nur wenig gefruchtet hätten. Bei seinen jüngsten Angriffen habe Thailand außerdem verbotene Streubomben eingesetzt. Der thailändische Außenminister Kasit Piromya stritt dies jedoch ab und wies den Vorwurf zurück, Thailand habe die jüngste Eskalation provoziert. "Wir haben nicht zuerst geschossen, sondern es war eine Antwort", sagte er Journalisten in New York.

Bilaterale Ebene

Während der kambodschanische Außenminister Hor Namhong mit dem Ziel in die Sitzung ging, einen dauerhaften Waffenstillstand zu erreichen, bestand sein thailändischer darauf, dass die Nachbarländer die Angelegenheit unter sich klären. In einer separaten Pressekonferenz verwies Priomya auf Thailands "hundertprozentig aufrichtigen Wunsch den Konflikt zu beenden". Die Verhandlungen sollten jedoch auf bilateraler Ebene und ohne Einmischung der UNO weitergeführt werden.

Viotti erklärte, der Sicherheitsrat unterstütze die Vermittlungsbemühungen des indonesischen Außenministers Marty Natalegwa als Repräsentant der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN). Der Sicherheitsrat hatte eine direkte Einmischung in den Konflikt abgelehnt und hat beide Parteien zur Einhaltung der Waffenruhe gemahnt. UNO-Beobachter sollen nicht in die Region entsandt werden.

Bei den Schusswechseln zwischen der thailändischen und der kambodschanischen Armee in der Nähe des Preah-Vihear-Tempels, einem UNESCO-Weltkulturerbe 450 Kilometer nordöstlich von Bangkok, waren vergangene Woche mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen, darunter sieben Kambodschaner. Nach Artilleriebeschuss waren auf thailändischer Seite 15.000 Menschen auf der Flucht. Beide Länder beanspruchen das Khmer-Monument aus dem elften Jahrhundert für sich, sie streiten seit Jahrzehnten darüber. Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag entschied 1962, dass die Ruinen von Preah Vihear zu Kambodscha gehören. Der Haupteingang des Tempels liegt aber auf thailändischem Gebiet. (APA)

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