Fechterfrühling auf der Planche

14. Februar 2011, 20:35
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Der österreichische Fechtsport erwacht langsam aus jahrelangem Dornröschenschlaf. Schlos­ser kann es aber nicht mehr erwarten

Wien / La Coruña - Auch beim Weltcup am Wochenende im spanischen La Coruña schaut mancher österreichische Fechter neidvoll auf seine ausländischen Kollegen. In Italien etwa gelten Spitzenfechter wie Olympiasieger Aldo Montano als Helden, die regelmäßig im Fernsehen auftreten. Von solchem Ruhm kann die rot-weiß-rote Fechterei nur träumen. Die mediale Aufmerksamkeit für den Sport tendiert gegen null. Das, obwohl in Roland Schlosser in La Coruña ein österreichischer Mitfavorit auf die Planche geht. "Fechten ist eben ein komplexer Sport", sagt Markus Mareich, Präsident des Österreichischen Fechtverbandes (ÖFV) schicksalsergeben. "Das ist dem Zuschauer nicht leicht zu vermitteln."

Der ÖFV versucht es trotzdem. Vor allem, wenn es darum geht, die Jugend zu begeistern. Mit finanzieller Unterstützung des Bundes wird in Schulen im ganzen Land Fechttraining angeboten. Erste Erfolge der Aktion stellen sich laut Mareich bereits ein. "Die Begeisterung ist riesengroß." Und immerhin: Von den rund 1500 Verbandsmitgliedern sind gut die Hälfte Nachwuchsfechter. Um aus diesen aber Höchstleistungen herauszukitzeln, fehlt es an qualifizierten Trainern. Das noch junge Betreuerteam besser auszubilden braucht Zeit und Geld. Ausländische Unterstützung ist mit dem vorhandenen Budget kaum zu bekommen. "Früher war das einfach", erinnert sich der ÖFV-Präsident. "Nach dem Mauerfall wollten alle Spitzenleute aus dem Osten herüberkommen." Und sie waren billig. "Die haben für ein Putzfrauengehalt gearbeitet. Diese Zeiten sind vorbei."

Familienbetrieb

Die wenigen Fachleute, die noch da sind, mühen sich redlich, aber das Umfeld ist nicht leistungsfördernd. Das junge Säbelteam trainiert deshalb regelmäßig in Budapest. Auf eigene Kosten, versteht sich. Da nützt es wenig, dass in Pál Gerevic und László Csongrádi ein Weltmeister und ein Olympiasieger bei ihren Klubs als Cheftrainer wirken. Sie gehören noch zu jener Generation der Geringverdiener, die in Österreich geblieben sind. Und das, obwohl sie international umworben werden. "Sicher könnte ich woanders mehr verdienen", sagt Csongrádi, der 1988 in Seoul mit dem Säbel Gold erfochten hatte. "Aber meine Buben und Mädels hier sind wie eine Familie für mich."

Während in den vergangenen Jahren nur eine Handvoll solcher Enthusiasten den Fechtsport am Leben erhielten, soll sich nun alles ändern. Verbandspräsident Mareich wurde gewählt, um für Ordnung zu sorgen. "Zuerst einmal habe ich unsere Finanzen konsolidiert. Das war mir wichtig. Heute schreiben wir schwarze Zahlen." Manche Maßnahmen stießen auf Widerstand, aber "wer mich wählt, der wählt auch meine Politik. Ein paar Querschüsse gibt es immer. Im Großen und Ganzen ziehen alle an einem Strang", sagt Mareich.

Ziel ist der Anschluss an die Weltspitze, in der Österreich schon vertreten war. Da muss man nicht einmal bis zu den drei Weltmeistertiteln oder dem Olympiasieg von Ellen Müller-Preis 1932 in Los Angeles zurückdenken. Michael Ludwig und Joachim "Benny" Wendt wurden 1992 bzw. 1993 Europameister im Florett.

Alte Erfolge, neue Hoffnungen

Im selben Jahr triumphierte Degenfechterin Elisabeth Knechtl im Gesamtweltcup. Das Florett-Team der Herren zählte zu den besten der Welt, wurde 1997 und 1998 Gesamtweltcupsieger. Ein Erfolg, den die österreichische Degenmannschaft um Christoph Marik vier Jahre später wiederholte. Der Heeressportler holte auch im Einzel 2002 und 2003 den Sieg im Gesamtweltcup. Im folgenden Jahr wurde er Europameister. Seitdem herrscht Funkstille. Vor allem die Herren-Florettmannschaft soll sich verbessern und die Olympia-Qualifikation schaffen. Zu diesem Zweck stellt das Sportministerium dem ÖFV 45.000 Euro für Reisespesen und Startgelder zur Verfügung. Präsident Mareich setzt seine Hoffnungen auf die Spiele 2016 in Rio de Janeiro.

Roland Schlosser, Österreichs größte Hoffnung, mag nicht so lange warten. Er strebt schon nächstes Jahr bei den Spielen in London nach höheren Weihen: "Ich will eine Medaille. Nur dabei sein muss ich nicht mehr." Dass er das Potenzial dazu hat, beweist der 28-Jährige im Weltcup. Beim stark besetzten Saisonauftakt in Paris war der Informatiker, der in Kopenhagen wohnt, Siebenter. Dort hat er gezeigt, dass er auch "Leute von ganz oben schlagen kann".

Florett-Fechter Roland Schlosser gilt für London 2012 das olympische Motto wenig: "Nur dabei sein muss ich nicht mehr." (Thomas Walach-Brinek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 15.2. 2011)

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