Rätsel gelöst, wie sich Gelb auf van Goghs Bildern verdunkelte

14. Februar 2011, 20:07
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Heller Farbton in zwei Bildern wird durch chemische Reduktion allmählich schokobraun

Perugia - So viel naturwissenschaftlicher Aufwand ist wohl selten betrieben worden, um ein vergleichsweises kleines Problem zweier Ölgemälde zu klären: An Vincent van Goghs Bildern Ansicht von Arles mit Schwertlilien (1888) und Seineufer (1887), die beide im Van Gogh Museum in Amsterdam hängen, haben sich seit ihrer Entstehung die grellen gelben Farbtöne verdunkelt.

Um nun die vergleichsweise einfache Frage zu klären, warum es zu dieser Farbveränderung kam, fuhr ein internationales Chemikerteam ein ganzes Arsenal an modernsten Tests auf, die den Einsatz eines Teilchenbeschleunigers in Grenoble ebenso umfasste wie elektronenmikroskopische und spektroskopische Analysen oder UV-Bestrahlungen.

Um das chemische Rätsel zu lösen, griff man zunächst auf die Reste fast 200 Jahre alter Chromgelb-Farbtuben zurück. Bei Bestrahlung der Farbe mit UV-Licht zeigte sich, dass sie sich an der Oberfläche relativ schnell in ein Schokobraun verwandelte. Das wiederum war einer chemischen Reduktion von Cr(VI) in CR(III) geschuldet, wie die Forscher im Fachblatt Analytical Chemistry berichten. Van Gogh hat solche giftigen Chromfarben noch verwendet und sie außerdem noch mit Weiß gemischt, was zusammen mit Lichteinwirkung zur Verdunkelung führte. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 15.02.2011)

  • Farbprobe vom Vincent van Goghs Bild Bank der Seine. UV-Licht verwandelt sattes Gelb relativ schnell in ein Schokobraun.
    foto: university of antwerp, department of chemistry

    Farbprobe vom Vincent van Goghs Bild Bank der Seine. UV-Licht verwandelt sattes Gelb relativ schnell in ein Schokobraun.

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