"Görgl hat das Potenzial zur Seriensiegerin"

14. Februar 2011, 19:41
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Die Damen besorgten Österreich bei der Ski-WM bisher drei Goldene. Dafür zeichnet auch ihr Chef Herbert Mandl verantwortlich

Standard: Drei Rennen, drei Goldmedaillen. Haben Sie auch nur im Entferntesten mit so einer Ausbeute gerechnet?

Mandl: Es wäre verwegen, wenn man sagt, man rechnet mit drei Goldmedaillen. Das Ziel war aber schon, in jeder Disziplin eine Medaille zu machen. Dass wir aber gerade in den Speed-Disziplinen Gold gewinnen, war nicht realistisch. Das ist sensationell. Dazu haben auch einige andere Umstände beigetragen.

Standard: Welche?

Mandl: Die Gegnerschaft hat sich teilweise selbst aus dem Konzept gebracht. Und Maria Riesch war krank. Trotzdem, die Lizz hat eine sensationelle Leistung gebracht. Dass sie ihre erste Abfahrt gerade bei einer WM gewinnt, ist umso schöner. Sie hat sich das redlich verdient. Es gibt kaum eine, die so viel in die Sache investiert und Engagement hineinsteckt.

Standard: Sie haben das Wort Glück vermieden. Gehört das nicht auch dazu?

Mandl: Wenn man dreimal hintereinander Gold gewinnt, spielt Glück jedenfalls eine Rolle. Es war diesmal auf unserer Seite, es war aber schon oft gegen uns.

Standard: Ihr Vertrag wird wohl wieder verlängert werden. Verdanken Sie das nun Elisabeth Görgl und Anna Fenninger?

Mandl: Das ist ein Verdienst unserer Trainercrew, der Serviceleute, der Zusammenarbeit mit den Firmen. Die Athleten können ihre Leistungen nur dann bringen, wenn sie in einem Umfeld agieren, das sie optimal unterstützt.

Standard: Anna Fenninger brachte eine Kritik an, sagte, dass sie von den Trainern in den vergangenen Jahren in jedes Rennen geschickt worden sei, dass die Erwartungen zu hoch gewesen seien, dass ihr alles zu viel geworden sei.

Mandl: Das kann ich insofern nachvollziehen, als ich glaube, dass vor allem ihre eigenen Erwartungen sehr groß waren, gar nicht so sehr unsere. Wir wissen ja, wie Ergebnisse im Europacup zustande kommen und dass der Sprung in den Weltcup ein großer ist. Und sie war sehr enttäuscht, dass ihr das anfänglich in den technischen Disziplinen nicht gelungen ist. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass sie jetzt, da sie in den schnellen Disziplinen Erfolg hat, auch in den technischen kommen wird. Die Basis hat sie gelegt. Da haben wir sie nicht geschont, keine Frage, und es ist kurzfristig nicht gelungen. Sie wird es schaffen.

Standard: Fenninger hatte sozusagen einen kurzen Hänger. Warum dauerte es bei Görgl so lange?

Mandl: Es liegt ein langer Entwicklungsweg hinter ihr. Im Europacup war sie vor Kathrin Zettel unsere erfolgreichste Technikerin. Dann hat sie drei Kreuzbandrisse gehabt, also auch einen langen Leidensweg hinter sich. So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass bis zur Höchstleistung eine gewisse Zeit vergeht.

Standard: Weshalb ging der Knopf gerade jetzt auf?

Mandl: Ihrem Fleiß und ihrem Ehrgeiz verdankt sie, dass sie das gemeistert hat. Sie ist vorbildlich im Training, eigentlich ein Wahnsinn in der Hinsicht, sie ist top beinand wie kaum eine andere im ganzen Skizirkus. Umso schöner ist es, wenn diese Rechnung dann aufgeht. Durch ihre hohe Erwartung war sie oft blockiert, konnte ihr Potenzial nicht abrufen.

Standard: Ist es angenehm, mit ihr zusammenzuarbeiten?

Mandl: Das würde ich nicht sagen. Es ist eine Challenge. Sie tut alles dafür und ist schnell einmal enttäuscht, wenn das Umfeld nicht genauso reagiert. Sie ist etwas kompliziert konzipiert. Aber sie ist ein Animo für jeden Trainer, professionell und perfekt zu arbeiten.

Standard: Das heißt, dass es mitunter auch kracht.

Mandl: Das ist nicht zu vermeiden und auch gut so. Eine Athletin darf ja kritisch sein. Das ist ein positives Merkmal. Nur so kann man sich weiterentwickeln.

Standard: Was ist von ihr noch zu erwarten?

Mandl: Ihr physischer Zustand ist jetzt perfekt. Görgl hat das Potenzial zu einer Seriensiegerin in mehreren Disziplinen. Wenn sie diese Lockerheit mitnimmt und trotzdem konsequent in ihrer Arbeit bleibt, wird sie es noch zu vielen Siegen bringen.

Standard: Auch im Slalom?

Mandl: Absolut. Den Slalom wegzulegen erlaubt ihr Ehrgeiz gar nicht.

Standard: Lindsey Vonn hat sich zu WM-Beginn sehr über die schwierige Kandahar-Piste beschwert. Was hat das Ihrer Meinung nach bei Görgl bewirkt?

Mandl: Sie hat es mit Wohlwollen erfahren und gesagt: Schau, die schwächelt jetzt, das ist meine Chance. Über die Verhältnisse jammert Görgl nie.

Standard: Ist Görgl nach ihren beiden Titeln nun Favoritin im Riesenslalom?

Mandl: Auch wenn ich mir die zwei Goldenen wegdenke, gehört sie zu den Topfavoritinnen. (DER STANDARD PRINTAUSGABE 15.2. 2011)

HERBERT MANDL (49), Niederösterreicher aus Göstling, lebt in Fulpmes in Tirol. Verheiratet, zwei Kinder. Seit 2002 Damencheftrainer beim ÖSV.

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    Sie ist etwas kompliziert konzipiert. Aber sie ist ein Animo für jeden Trainer, perfekt zu arbeiten.

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