Ein Stardiplomat als Favorit für das Präsidentenamt

14. Februar 2011, 18:48
10 Postings

Kopf des Tages

Irgendwie ist es bezeichnend: Die Arabische Liga hat ihr Hauptquartier am Kairoer Tahrir-Platz - dem Epizentrum jener Schockwellen der Demokratisierung, die Hosni Mubarak aus dem Amt befördert haben und die sich nun zwischen Tanger und Manama ausbreiten. Seit zehn Jahren führt Amr Mussa (74) die Geschäfte der Liga. Und heute gilt der in der arabischen Welt als Star-Diplomat gefeierte ägyptische Ex-Außenminister unter vielen Prätendenten als aussichtsreichster Kandidat auf das Amt des Präsidenten in Kairo.

Schon 2001, als er das Amt an der Spitze der Organisation der 22 arabischen Staaten übernahm, gab es Stimmen, die in dem Wechsel ein Wegloben Mussas von der politischen Bühne Ägyptens sahen. Mubarak, hieß es damals, fürchte dessen große Beliebtheit bei den Ägyptern. Und er schätze es auch nicht besonders, dass ihm sein damaliger Chefdiplomat (Mussa stand zehn Jahre lang dem Außenministerium vor) durchaus auch widersprach.

1936 in Kairo geboren, studierte Mussa Rechtswissenschaften in seiner Heimatstadt. Unmittelbar nach dem Studium zog es ihn in die Diplomatie. Er war auf Posten in der Schweiz, bei den Vereinten Nationen in New York und in Indien. In seiner Zeit als Außenminister überlebte er drei Ministerpräsidenten und war federführend an allen Nahostverhandlungen der 1990er-Jahre beteiligt. Dann folgte der Topjob am Tahrir-Platz.

In zwei Monaten läuft das Mandat des Generalsekretärs der Arabischen Liga aus, und der alte Fuchs profitiert von der Aufbruchstimmung in seinem Land, wo er beinahe Popstar-Status genießt. Dazu hat vor allem seine kritische Haltung gegenüber Israel und den USA beigetragen. Mussa prangerte immer wieder das israelische Atomprogramm an. Auch seine strikte Ablehnung einer wirtschaftlichen Integration Israels im "größeren Nahen Osten" brachte ihm die Sympathien vieler Araber ein. Seine häufigen Wortgefechte mit den Israelis haben ihn zu einem "Mann, der Nein zu Israel sagen kann" werden lassen.

Im Westen kam er deswegen entsprechend weniger gut an. Manche kritisierten, er sei ein Büttel autoritärer arabischer Machthaber und habe sich bis zu den Unruhen herzlich wenig um Demokratisierung gekümmert.

Bei den ägyptischen Präsidentschaftswahlen 2005 wurde Mussa in informellen Umfragen und Internet-Blogs zum Favoriten für das höchste Amt im Staat erklärt, obwohl er gar nicht kandidierte. (Christoph Prantner, STANDARD-Printausgabe, 15.02.2011)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Ägypter Amr Mussa ist noch Chef der Arabischen Liga.

Share if you care.