Von BBC bis ORF: Der neue "Universum"-Chef

15. Februar 2011, 12:49
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Solomon begann bei der BBC, produzierte für Channel 4 Dokus wie Zensur von A bis Z und ein Salman-Rushdie-Porträt - ORF-intern: Nicht teurer als Köhler

Der ORF bestätigte am Dienstag, was der STANDARD bereits berichtete: Der Nachfolger für Universum-Chef Walter Köhler, der mit Red Bull Media und dem Universum-Team eine Produktionsfirma gründete, heißt Andrew Solomon, Produzent, Regisseur, Autor schon für BBC, Docstar/Canal+, Studio Hamburg, ZDF und die Pariser Produktionsfirma Mandolin.

Solomon begann bei der BBC, produzierte für Channel 4 Dokus wie Zensur von A bis Z und ein Salman-Rushdie-Porträt. Filmdatenbanken listen nennen Dokus etwa über Krieg gegen Drogen (The Need for Speed), über Stanley Kubrick, Richard Nixon und den Mann im Mond und The Internet Story auf.

Die betroffene Redakteursversammlung hat Solomon bereits zugestimmt (DER STANDARD berichtete), kolportiert wird: einstimmig. Gegen den zunächst gewählten Begriff "abgenickt" verwahrt sich ORF-Zeitgeschichte-Dokumentarist Andreas Novak. Er berichtet aus der Redakteursversammlung: "Wir von der FI2 nicken prinzipiell niemanden ab, weder einen Hauptabteilungsleiter noch Andrew Solomon, der sich selbstverständlich einer Reihe kritischer Fragen und Anmerkungen zu stellen hatte. Seine Erwiderungen und Perspektiven haben überzeugt. Das gilt auch für seinen breiten, Internationalität spiegelnden journalistischen Blick. Ein ,Homo Universalis' kann dem „Universum" sicher nicht schaden."

ORF-intern wurden die Kosten des internationalen Engagements in Zeiten des Sparkurses hinterfragt. Laut Management soll Solomons Salär nicht höher sein als jenes von Walter Köhler - als langjährige ORF-Führungskraft war der wohl auch kein Billiglohnproduzent. 

Wrabetz erfreut

Der neue "Universum"-Chef tritt seine Funktion am 1. März an. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz: "Es freut mich, dass mit Andrew Solomon ein international erfahrener Dokuproduzent für die Leitung der 'Universum'-Redaktion gewonnen werden konnte." Dessen Know-how auf dem internationalen Markt werde sicherstellen, dass der ORF seinem Publikum weiterhin herausragende internationale und heimische TV-Dokumentationen in bewährter 'Universum'-Qualität bieten könne.

Solomon werde die Aufgabe haben, die Erfolgsgeschichte von "Universum" fortzuführen, aber auch neue Wege zu gehen, sagte der Leiter der Wissenschaftsredaktion des ORF, Gerhard Klein. "Wir wollen 'Universum' behutsam weiterentwickeln, die Themenpalette ausweiten und neue Talente suchen und fördern."

Der Brite hat laut "tv-media" bereits konkrete Vorstellungen im Gepäck. Er will die Naturdoku-Schiene um neue Themen wie Archäologie, Technik, Geschichte oder Ökologie erweitern. "Ohne Zweifel" werde der ORF auch in 3D produzieren, so Solomon. Auch die Präsentation könnte sich ändern, deutete er an: "Wir werden vielleicht auch ,hosts' ausprobieren." Erstmals könnte "Universum" damit einen Präsentator erhalten.

Filmreihe "Terra Mater"

Solomons Vorgänger Walter Köhler, der im November zu Servus TV gewechselt war, präsentierte unterdessen am Dienstag seine neue Filmreihe "Terra Mater". Diese soll die "drei großen Genres der Fernsehdokumentation - Nature, Science, History" beinhalten. Die Laufzeit der Dokumentationen beträgt in der Regel 50 Minuten, große Specials werden die Spielfilmlänge zwischen 70 und 90 Minuten nützen, um ein Thema cineastisch aufzubereiten.

Den Auftakt macht die große achtteilige BBC-Serie "Human Planet - Planet der Menschen", die Servus TV erstmals im deutschsprachigen Raum zeigt. Das neue Produktionshaus "Terra Mater Factual Studios" ist eine Tochter des Red Bull Mediahouse und hat seinen Sitz in Wien. Das Team um Köhler soll seinen angestammten Genres "Wildlife", "Science" und "History" treubleiben, werde aber auch große Kinoproduktionen und innovative, dokumentarische Formate für alle Plattformen entwickeln, so der Sender. (fid, DER STANDARD; Printausgabe, 15.2.2011/online ergänzt mit APA)

  • Andrew Solomon.
    foto: orf/badzic

    Andrew Solomon.

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