Anstiftung

14. Februar 2011, 18:17
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Alles und jedes, der sich außerhalb des Krone-Lagers bewegt, ist unösterreichisch und unpatriotisch

Dass die Krone sich seit Dichandgedenken als übergeordnete Instanz Österreichs betrachtet, ist nicht neu. Zu Lebzeiten des Alten gab es einmal eine Werbekampagne, die unter dem abgewandelten Grillparzer-Zitat "In unserem Lager ist Österreich" lief. Damit war schön gesagt, dass alles und jedes, der sich außerhalb der engen geistigen Grenzen des Krone-Lagers bewegte, als irgendwie unösterreichisch, unpatriotisch und überhaupt verdächtig anzusehen sei.

Seit ein Bundeskanzler und SPÖ-Parteivorsitzender, ein Wiener Bürgermeister, ein Verteidigungsminister etc. ihre Marschorder direkt bei der Krone abholen, ist diese Art von Selbstüberhebung aber anscheinend ins Wahnhafte übersteigert. Jetzt ruft die Krone junge Männer dazu auf, die Wehrpflicht zu verweigern. Nicht ohne auf die nicht unbeträchtlichen strafrechtlichen Folgen zu verweisen, aber: Das können die Burschen schon riskieren, weil die Politik traut sich eh nicht, ernst zu machen.

Hintergrund: Die Krone-Kampagne zur Wehrpflicht-Abschaffung gerät ins Stocken. Verteidigungsminister Darabos zerbröselt ihr unter der Hand, das Meinungsklima ist nicht eindeutig. Dass der Milizoffiziersverband jetzt empört von einer "Anstiftung zum Rechtsbruch" spricht, wird die Krone eher weniger stören. Aber die Kampagne ist in Gefahr, und da hetzt man halt schon einmal junge Leute in die Wehrpflichtverweigerung.(RAU, DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2011)

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