Peter Alexander und die Johnny-Cash-Situation

14. Februar 2011, 18:21
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    foto: screenshot/youtube

    "Straßenfeger" in Aktion: Country-Hero Johnny Cash (li) im Duett nit Show-Gigant Peter Alexander bei dessen Eurovisions-Show im Mai 1992.

Oder: Jung san ma, fesch san ma - Von Klaus Karlbauer

Den Nachrufern nachgerufene Reflexionen zu einem legendären TV-Duett und dem Umgang der Unterhaltungsindustrie mit allem, was nicht "Gute Laune"-kompatibel ist.

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Jung san ma, fesch san ma - Nein, das ist nicht die Überschrift eines Nachrufes auf Peter Alexander in einer chinesischen Tageszeitung, sondern, wie wir alle wissen, der Titel eines Liedes, das der Verstorbene zu Lebzeiten gerne und oft intonierte. Ein Lied, das in Fachkreisen seit jeher ex aequo mit den ähnlich signifikanten "Glücklich ist wer vergisst" und "Schifoan" ("Chi-Foan" auf chinesisch) als die heimliche, jedoch eigentliche, österreichische Bundeshymne gilt.

Für meine, nun folgenden, Überlegungen ist jedoch entscheidend, dass dieses krypto-chinesische Lied im Jahre 1992 von Peter Alexander im Duett mit Johnny Cash im Rahmen der Peter Alexander-Show dargebracht wurde. Ein "Straßenfeger", wie die Zeitungen nicht müde werden zu schreiben. Quoten: 70 % .

Ich habe mir dieses epochale Duett heute Morgen auf Youtube angesehen und dabei kamen mir folgende, vielleicht etwas wirre und demnach folgerichtig auch ungeordnete Gedanken zur Unterhaltungs-Industrie im besonderen, zu Leben und Sterben im Allgemeinen, in den Sinn.

Verletzlichkeit

Johnny Cash, ein Gigant, von meiner Wenigkeit sowohl für sein Früh- wie auch für sein Spätwerk gleichermaßen hoch verehrt und geschätzt, steht neben Peter Alexander auf der Bühne und noch dazu im gleichen Smoking. Wir wissen, Johnny Cash hatte bessere und schlechtere Phasen in seinem Leben und in seiner Karriere. Dieser TV-Auftritt gehört wohl eher zu letzteren.

Was ihn jedoch zeitlebens auszeichnete war eine Art von Verletzlichkeit, die ihn als Mensch authentisch machte, und die in seiner Kunst einen überzeugenden, manchmal geradezu überwältigenden Ausdruck fand.

Peter Alexander (zu Johnny Cash): "Oh Johnny, du bist ja a Weana!" Das Publikum freut sich. Im Hintergründ tänzelt ein Fiaker-Ross tatsächlich im Takt dazu. Oder hatte es nur aus lauter Lampenfieber nervöse Zuckungen?

Wir wissen, auch Peter Alexander hatte bessere und schlechtere Phasen in seinem Leben, Letzteres vor allem zuletzt. Wir wissen aber auch, dass dies niemals Ausdruck in dem Medium fand, in dem sich Peter Alexander als Entertainer zeitlebens "wie ein Fisch im Wasser" bewegte, mühe- ja schwerelos. Anscheinend.

Für seine Verletzlichkeit, die ihn als Mensch authentisch machte, war und ist in dem Genre der "Unterhaltungs-Industrie" kein authentischer künstlerischer Ausdruck vorgesehen. Nach der Show im privaten Kreis schon, aber nicht auf der Bühne.

Thomas Gottschalk begründete seinen Rücktritt von "Wetten dass" unlängst damit, dass seit dem Unfall eines Kandidaten, der zu bleibenden Schäden führte, "ein schwarzer Schatten über seiner Show laste". Michelle Hunziker macht weiter. Nix da mit Verletzlichkeit. Hun-Zi-Ker, schon wieder, Chinesen-Herz kennt keinen Schmerz.

Johnny Cash, dessen Biografie einer Achterbahn gleicht mit ihren atemberaubenden Abfolgen von Höhen und Tiefen, fand gerade am Ende seines Lebens einen besonders berührenden musikalischen Ausdruck dafür. Gemeinsam mit dem, um zwei Generationen jüngeren Produzenten Rick Rubin zog er sich in eine Thoreau'sche Holzhütte im Wald seines Anwesens zurück und produzierte die Album-Serie "American Recordings", interpretiert mit nackter, brüchiger Stimme, die an die entsprechende Zerbrechlichkeit unserer menschlichen Existenz gemahnt. Nix da mit Entertainment und dennoch Entertainment!?

Als die "schwarzen Schatten" über Peter Alexanders Leben aufzogen, verstummte er als Entertainer und als Mensch. Ich wusste gar nicht, dass er noch lebt, insofern hat mich sein Tod doch etwas überrascht.

Ich muss mich nicht noch zusätzlich jenen Nachrufen anschließen, die Peter Alexander als Apoll der Zerstreuungsindustrie ansehen, als Inkarnation der Nachkriegs- und Wiederaufbaugeneration. Das mag schon stimmen, aber warum musste ständig gar so viel gute Laune sein? Geradezu penetrant viel und penetrant gut. Und vor allem, warum so lange über die Epoche des Wieder-Aufbaus hinaus bis lange nach 68? Vielleicht war aber dieses "Jung San Ma, fesch San Ma" auch ein subversiver Kommentar zu den Jugendrevolten der 60er-Jahre? Vielleicht haben wir den raffiniertesten Protest-Song aller Zeiten schlicht verkannt? You never know!

Entertainment?

Johnny Cash sang zu der Zeit live im Gefängnis Folsom Prison:

"When I was just a baby my mama told me. Son,

Always be a good boy, don't ever play with guns.

But I shot a man in Reno just to watch him die

When I hear that whistle blowing, I hang my head and cry ...

Entertainment!?

Thomas Gottschalks "Schwarze Schatten" betreffen seine eigene Betroffenheit über den Unfall eines Anderen. Peter Alexanders Schweigen betraf ihn selbst (und es wird auch im Gegensatz zu Marcel Duchamps Schweigen unterbewertet), aber es betrifft auch eine gesamte Branche, die keinen adäquaten Ausdruck findet für etwas, was nicht "Gute Laune - kompatibel" ist.

Dieses Schweigen spricht Bände. Und es entspricht dem Kodex des "Entertainers" (selbstverständlich geschlechtsneutral), der auch auf die Bühne geht, wenn ein naher Angehöriger kurz davor verstorben ist. The Show must go on. Was nur keinem Entertainer bisher gelungen ist: leibhaftig auf der Bühne zu erscheinen, nachdem er verstorben ist. Michael Jackson war knapp dran.

Peter Alexander, mögen Sie in Frieden ruhen. Vielleicht begegnen Sie im Jenseits wieder Ihrem Sangesfreund Johnny Cash, grüßen Sie ihn von mir und singen Sie doch wieder im Duett, aber tauschen sie doch einmal die Rollen, nicht den Smoking, denn der ist identisch. Lassen Sie doch einmal - pardon - die "Sau raus" und lassen sie uns Österreicher davon wissen. Es hätte eine kathartische Wirkung, davon bin ich zutiefst überzeugt. (Klaus Karlbauer, DER STANDARD - Printausgabe, 15. Februar 2011)

Klaus Karlbauer ist Komponist, Multimediakünstler und Lehrbeauftragter für Medientheater am TFM (Institut für Theater, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien).

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    Posting 1 bis 25 von 208
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    Graf Robert von Donnerstag-Dachsenstein
    00

    Johnny Cash wäre der ideale Wienerlied-Interpret.

    Cash spielt "Herrgott aus Staa" -> Gänsehautalarm

    Niemand
    00
    26.2.2011, 18:25
    Silvio Lackner
    00
    19.2.2011, 17:43
    Er hat schon auch ständig den Peter Alexander gespielt im Fernsehn.

    Und war dabei ein Perfektionist. Immer lieb, immer understatement, immer charmant, immer happy. Das mus extrem anstrengend gewesen sein. Ich versteh´s, dass er total damit abgeschlossen hatte. Eh ein Wunder, wie lang er das schaffte.l

    FranzKpunkt
    00
    17.2.2011, 16:08

    Adorno hatte recht.

    maple4
    01
    17.2.2011, 13:11
    es ist ja offensichtlich,...

    ... dass es in dem kommentar gar nicht um peter alexander geht, das muss man doch begreifen. es geht um unser hamsterradl, in dem wir _alle_ durchs leben sausen, mit mehr oder weniger großen scheuklappen ...

    Madeleine88
    12
    17.2.2011, 07:17
    dumm

    ein eher dummer Artikel. Scheint Neid bei den Männern zu sein (so wie die Kommentare von P. Weibel) auf dieses fesche Mannsbild, dem die Herzen der Frauen zuflogen.

    intensivstation für komaposter
    00
    17.2.2011, 15:12
    Wer ist fesch?

    der Peter Weibel oder die Dagmar Koller?

    Tornos
    00
    16.2.2011, 19:09

    kitsch pur

    till claudius
    20
    16.2.2011, 08:56
    vor allem "cash"

    Ja, unbestritten, er war ein großer Entertainer. Und er war Österreicher.
    Aber: in dem Augenblick, als er groß zu verdienen anfing, hat er seinen Wohnsitz in die Schweiz verlegt, damit er Österreich, wo er offensichtlich gern gelebt, um die Einkommensteuer prellen konnte.

    Gut, damit war er nicht allein.

    Spitzenkraft
    11
    16.2.2011, 07:59

    mit welch düftiger Ausdrucksfähigkeit man heute Unilehrer wird, erstaunlich. Das Personal ist wahrscheinlich mit ein Grund für die Desaster-Rankings der österreichischen Staatsunis....

    Klaus Karlbauer
    73
    15.2.2011, 19:07
    Nun ist es an der Zeit - Ich gestehe meine Schuld!

    Ich habe noch niemals etwas Bedeutendes geschaffen und werde es auch in Zukunft nicht tun. Ich habe kein Millionenpublikum. Ich bin ein mieser kleiner Haupterwerbs-Künstler und gelegentlich auch ein verabscheuenswürdiger Nebenerwerbs-Unilehrer an einer mit Ihren Steuergeldern finanzierten Universität. Ich bin auch nicht hübsch. Und daher habe ich kein Recht, mich zu äußern.
    Aber ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden :-)

    Herr Karlbauer
    03
    16.2.2011, 16:08
    Natürlich haben auch Sie das Recht

    sich zu äußern! Sogar schriftlich. Das ist ja der Segen der Blog-Kultur, dass nun jeder, der will, etwas verkünden kann, das ihm oder irh am Herzen liegt. Aber Journalismus ist ein Beruf, den man erlernen und können sollte. Sich hier richtig einzuschätzen, ist eigentlich keine so schwere Reflexionsübung.

    Also einfach beim Blog bleiben. Dann lesen es zwar weniger, aber es beschweren sich auch weniger.

    Tussitherapeut
    01
    16.2.2011, 09:28

    nau, jetzt hast es deinen kritikern aber ordentlich gegeben...

    KomaPoster
    13
    16.2.2011, 08:01
    Ihr Posting ist schon fast ein PR Supergau.

    Sich ins Schmollwinkerl stellen ruiniert Reputation und Karriere.

    intensivstation für komaposter
    01
    16.2.2011, 13:58
    Der Autor schmollt nicht

    er lehnt sich zufrieden zurück und lässt die Karawane an sich vorüberziehen :-)

    planck
    12
    15.2.2011, 23:20
    ich glaub Ihr Problem ist,

    dass sie ein Feindbild brauchen, auf das sie sich beziehen können.
    Ohne dieses - nix.

    TORVISWALD KRONSTECKER
     
    22
    15.2.2011, 21:18
    darum geht´s ja nicht...

    in der sache haben sie natürlich recht, herr karlbauer. sie können aber leider nicht schreiben. wenn man sich schon sowas traut, dann sollt man´s auch können!

    m58
    00
    15.2.2011, 19:01
    überrascht

    da werden sie ja desöfteren überrascht sein, wenn jemand stirbt von dem sie gar nicht wußten, dass der noch gelebt hat

    so wird jeder auf seine art glücklich

    Kapitalismus Luege
    00
    15.2.2011, 18:58
    da hat einer nach Woertern bezahlt bekommen

    - der Artikel plaetschert dahin wie eine P.A. Auftritt in der Annelies Rothenberger Show. Die haben sich ja immer gegenseitig eingeladen

    - der Thoedor, der Theodor der steht bei uns im Fussballtor

    oder aber es war genau die Intension des Karlbauers dieses Gefuehl in mir auszuloesen. - dann ist's fuerwahr Kunst und gut gelungen.

    Postingname unbekannt
    05
    15.2.2011, 18:52
    der beitrag ist echt ziemlich in die hose gegangen,

    und was die sache noch schlimmer macht, er versucht auch noch geistreich und humoristisch zu sein. die wichtigkeit des beitrags erschließt sich mir ohnehin in keinster weise. keine ahnung, was da die pointe ist, welche es notwendig erscheinen lässt, dass der beitrag unbedingt abgedruckt werden muss. aber abgesehen davon ist er wirklich ein wenig konfus und vor allem mittelmäßig formuliert. das von manchen kritisch bewertete institut für sprachkunst würde hier vielleicht unterstützung und kritische begleitung bieten können. danke an dieser stelle auch für das sympathische interview mit robert schindel in der samstag-ausgabe!

    boomnaboom
    02
    15.2.2011, 18:38
    klaus karlbauer du bist auf der guten seite. ich wusste auch nicht wer du bist aber jetzt umso mehr.

    ichbinderderichbin
    01
    15.2.2011, 18:22

    die frage wer da gefährlicher ist
    die die opium fürs volk kochen
    oder die die sich daran delirant ergehen

    und übrigens : den grössten erfolg hatte die spanische grippe ... soviel zu einem erfolgsbegriff der schon mehr als grasser-hanebüchen ist aber umso beliebter

    Plaats van Samenkomst
    54
    15.2.2011, 18:10
    Eine wirre Glosse, bei der man sich nicht nur fragt: "Wos will er?",

    sondern auch wünscht, jemand hätte Herrn Karlbauer rechtzeitig den Computer versteckt (samt Lesebrille)!

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