Väter-Rechtler wollte "den Weg bis zum Ende gehen"

14. Februar 2011, 17:50
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Prozess gegen Aktivist, der laut Anklage Richter und Sozialarbeiter massiv bedroht hatte

"Ich bin hier für die Zukunft unserer Kinder", sagt der "Väterrechte"-Aktivist am Montag im Wiener Straflandesgericht. "Das war nur ein Appell des dringenden Handelns, Recht walten zu lassen. Es geht um den Appell des Handelns, meinem Kind zu helfen." Einige Richter und Sozialarbeiterinnen sehen das allerdings ein bisschen anders - sie fühlten sich von dem Aktivisten massiv bedroht und verleumdet. Die Anklageschrift umfasst insgesamt 18 Punkte.

Es hatte mit dem Scheidungsverfahren des Mannes begonnen, dessen Sorgerechtsstreit eskalierte: 14 Monate lang teilten sich die Eltern die Obsorge, ehe sich die Frau im Pflegschaftsverfahren um eine einstweilige Verfügung bemühte, die den Vater daran hindern sollte, seine Kinder weiter regelmäßig zu sehen.

"Wollte mich ruhigstellen"

Die Sicht des Mannes, wie er sie am Montag zu Protokoll gab: Seine fünfjährige Tochter erkenne ihn heute nicht mehr, während die ältere mit zwölfeinhalb einen Selbstmordversuch hinter sich habe, weil sie bei ihm und nicht bei der Mutter leben wolle. Ihn selbst habe die Pflegschaftsrichterin zu entmündigen versucht, behauptet der Mann: "Sie wollte mich ruhigstellen, indem eine psychiatrische Sachverständige bestellt wurde, die mich begutachten sollte. Ich habe die nie zuvor gesehen."

Daher habe er der Richterin Mails geschickt, in denen sie laut Anklage unverblümt mit dem Tod bedroht wurde ("Seit Hollabrunn laufen die Uhren anders", "Ich gehe meinen Weg bis zum Ende, aber nicht am Papier"), sie wegen behaupteter Gesetzesverletzungen regelmäßig angezeigt und öffentlich beleidigt. Ähnliches widerfuhr auch Sozialarbeiterinnen, die mit ihm zu tun hatten; sie mussten sich "Kinderschänder", "kriminell sadistisch" oder "bestialische Betrügerinnen" nennen lassen.

Richterzimmer wurde "besetzt"

Gleichgesinnte begleitete der 48-Jährige mitunter zu Gericht, wo dann Richterzimmer "besetzt" wurden und die Organe der Rechtsprechung zumindest zweimal aufgefordert worden sein sollen, umgehend einen Rekurs zu protokollieren. Den Großteil dieser Aktionen filmte der 48-Jährige mit; die Clips stellte er ins Internet. "Mein Ziel ist die Dokumentation und der Wahrheitsbeweis", führte er dazu ins Treffen.

Der Prozess ist auf vier Tage anberaumt. (APA, frei, DER STANDARD-Printausgabe, 15.2.2011)

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