"Widerstand gibt es immer"

14. Februar 2011, 17:43
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Andritz sichert sich beim Bau des umstrittenen Kraftwerks Belo Monte einen Großauftrag - Kritiker sehen wachsende Auflehnung

Andritz sichert sich in Brasilien beim Bau des umstrittenen Kraftwerks Belo Monte einen Großauftrag. Kritiker sehen wachsende Auflehnung im Amazonas-Gebiet. Der Anlagenbauer erwartet Folgegeschäfte.

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Wien - Widerstand gegen Projekte solcher Dimension gebe es immer, das sei nicht neu und Andritz daran gewöhnt. Der Bau des weltweit drittgrößten Wasserkraftwerks im brasilianischen Amazonas-Gebiet ist aus Sicht Michael Buchbauers eine beschlossene Sache, und Andritz sei fix mit dabei. Angst ums Image sei ganz unbegründet, sagt der Konzernsprecher. Das schließe Andritz unter anderem daraus, dass sie im Portfolio nachhaltiger Fonds weiterhin gut vertreten sei.

Die Regierung in Brasilia macht mit dem umstrittenen Staudamm Belo Monte am Fluss Xingu ernst. Elf Gigawatt Strom soll das Werk in Spitzenzeiten für 35 Millionen Menschen liefern. 240 Hektar Regenwald werden demnächst gerodet. Zwei Stauseen von der Größe des Bodensees zwingen gut 20.000 Menschen zur Absiedelung. Mehrere indigene Völker verlieren den Lebensraum. Das Projekt im Ausmaß eines Panamakanals zerstöre ein fragiles Ökosystem, sagen Kritiker, auch Klimaforscher warnen.

Für den österreichischen Anlagenbauer Andritz springt bei Belo Monte ein Auftrag von 330 Millionen Euro heraus, ließ der börsennotierte Konzern gestern, Montag, wissen. Er liefert im Konsortium mit der französischen Alstom und deutschen Voith Hydro die nötige elektromechanische Ausrüstung, Generatoren etwa und Turbinen.

Andritz verspricht sich in Brasilien rund um Wasserkraft Folgeaufträge, Analysten geben sich zufrieden. Aus wirtschaftlicher Perspektive sei Belo Monte nur positiv zu sehen, meint ein Börsenexperte, weiche Faktoren wie Reputation ließen sich aber nicht präzise in Konzernbewertungen abbilden, das sei ein heikles Thema.

Erwin Kräutler, der vor kurzem den Alternativen Nobelpreis erhielt, kämpft seit 30 Jahren gegen das Kraftwerk. Der österreichisch-brasilianische Bischof bezeichnet Belo Monte als Dolchstoß ins Herz Amazoniens. Gleich einem Dominoeffekt würden ihm dort dutzende ähnliche Projekte folgen, mit weltweiten Folgen. Kräutler steht wegen Morddrohungen unter permanentem Polizeischutz.

Bisher wurde gewarnt, nun formiere sich in Brasilien physischer Widerstand gegen Belo Monte und werde über Jahre anhalten, sagt Ulrich Eichelmann, Chef des NGOs ECA Watch. Andritz verweist auf ein gut funktionierendes Rechtssystem Brasiliens, alles sei genehmigt. Der Konzern hat einen weiteren Auftrag in trockenen Tüchern, den größten der Firmengeschichte. Die Grazer liefern für ein Zellstoffwerk in Uruguay Technik um bis zu 800 Millionen Euro. Die Aktie legte am Montag im Verlauf um mehr als drei Prozent zu. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2011)

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    Der geplante riesige Staudamm Belo Monte treibt einen Keil durch Brasilien. Die Regierung gibt unbeeindruckt von massiven nationalen und internationalen Protesten grünes Licht. Österreichische Lieferanten profitieren.

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