Tierschützerprozess

"Justiz sieht sich immer noch als sakrosankt an"

14. Februar 2011, 17:43
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    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Petra Velten macht sich anlässlich des Tierschützerprozesses in Wiener Neustadt Sorgen um den modernen Rechtsstaat.

Gegen Petra Velten, Kritikerin der Richterin im Tierschützerprozess, werde man auf alle Fälle rechtlich vorgehen, bekräftigt die Richtervereinigung. Velten wiederum unterstreicht im Standard-Gespräch ihre Einwände

Linz - Petra Velten schreitet zur Gegenwehr. Sollte es nach ihrer Kritik an der Verhandlungsführung im Tierschützerprozess gegen sie zu einem Verfahren wegen "verbotener Einflussnahme" laut Paragraf 23 Mediengesetz kommen, "dann wird man um eine Zeugenbefragung von Tierschützer-Richterin Sonja Arleth nicht herumkommen", kündigt die Strafrechtswissenschafterin im STANDARD-Gespräch an.

Velten hatte Arleth in einem Kleine Zeitung-Interview indirekt vorgeworfen, beim Prozess gegen 13 Tierschutzaktivisten in Wiener Neustadt bei Zeugenbefragungen das Fragerecht der Verteidigung zu beschneiden. Eine weit tiefgehendere Kritik hatte sie im Dezember 2010 im Journal für Strafrecht veröffentlicht.

Vizepräsident der Richtervereinigung "regte an"

Nun prüft die zuständige Staatsanwaltschaft Klagenfurt, ob wegen des Interviews medienrechtlicher Handlungsbedarf besteht. Die diesbezügliche "Anregung" sei am 8. Februar in Form einer E-Mail vom Vizepräsidenten der österreichischen Richtervereinigung, Manfred Herrnhofer, gekommen, teilte die dortige Pressesprecherin am Montag mit. Die Klageankündigung gegen die Linzer Rechtsexpertin wird von Kritikern als Eingriff in das Recht auf freie wissenschaftliche Meinungsäußerung abgelehnt.

Velten selbst hatte nach ihren Einwänden im Tierschützerverfahren "durchaus mit einer scharfen Reaktion gerechnet". Doch sie hatte gleichzeitig "auf sachliche Erwägung meiner Argumente gehofft". Mit Kritik am Verhalten von Richtern und Staatsanwälten vor Gericht tue man sich in Österreich schwer, meint die ehemalige deutsche Strafverteidigerin, die seit 2005 an der Uni Linz forscht und lehrt. "Die Justiz sieht sich immer noch als sakrosankt an."

Das in Österreich vielgepriesene Prinzip der richterlichen Unabhängigkeit sei wichtig, habe aber eine andere Bedeutung als in der Zeit Maria Theresias, die als Kaiserin in Verfahren direkt intervenieren konnte. Die Kehrseite der Unabhängigkeit sei die "Freiheit zur Willkür". Und, so Velten: "Unabhängigkeit darf nicht zur Immunisierung vor öffentlicher Kritik führen."

Kein Fritz-Teufel-Effekt

Hier unterscheide sich Österreich etwa von Deutschland, wo es unter dem Einfluss der 1968er-Bewegung zu einer Demokratisierung der Regeln vor Gericht gekommen sei. Und zwar im Sinne des Aktivisten Fritz Teufel, der 1967 als Angeklagter wegen eines Steinwurfs bei einer Anti-Schah-Demo vom Richter aufgefordert wurde, sich zu erheben.

Mit der Bemerkung: "Wenn es der Wahrheitsfindung dient", habe Teufel der Aufforderung Folge geleistet: Laut Velten keine Despektierlichkeit, sondern ein Hinweis auf eine "zeitgemäße Gerichtsbarkeit, mit Angeklagten als Subjekten statt, wie derzeit, Objekten". (Irene Brickner, DER STANDARD-Printausgabe, 15.2.2011)

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manto bamminger
01
20.2.2011, 15:52
österreichische richterinn wollte letztes jahr eine SChweinegrippeimpfgegnerin entmündigen lassen

reihen wir dies bitte mit ein.
und kommen hoffentlich bald zu dem schluss.
die tun was sie wollen (wofür sie bezahlt werden,..illegal)

Abin_Sur
 
00
18.2.2011, 14:42
lang stelle ich mir die frage:

wozu überhaupt juristen.
ein problem, drei juristen, drei unterschiedliche meinungen.

jedi knightr
03
16.2.2011, 14:29

Das wirklich schlimme ist das leider nichts passiert. Leider haben wir Österreicher auch nicht die Revoluter-Mentalität wie z.b. die Franzosen, die immer auf den Strassen marschieren wenn ihnen was nicht passt. Von den Politikern braucht man sich erst recht nichts zu erwarten weil die insegeheim eine gläserne Bevölkerung als wünschenswert sehen (es mag einige Ausnahmen geben). Ich bin aber sehr froh das man hier im Forum sieht das es genug gibt die sich mit der Thematik auseinandersetzen.

Frau W.
07
16.2.2011, 13:30
...

bravo petra.

mit fällt dazu eine episode bei einem beratungsgespräch der wr. anwaltskammer ein. ich bat um sachliche auskunft, ob die vom hausverwalter (+anwalt) in rechnung gestellte und nicht unerhebliche vertragserrichtungsgebühr für meinen mietvertrag rechtlich haltbar sei, worauf hin der ältere herr einen cholerischen schreianfall bekam (keine übertreibung!) und erst nach dessen abklingen meinte, der betreffende anwalt sei ein ÄUSSERST KORREKTER KOLLEGE, den kenne er noch vom studium.

sprachlos suchte ich das weite und war kurz davor klein beizugeben. zum glück war die beratung bei der mietervereinigung fundierter mit hinweisen auf dementsprechende rechtssprechungen. die rechnung habe ich ignoriert und nie eine mahnung erhalten.

blubb66
00
18.2.2011, 16:10

klingt so als wäre dieser beratende Anwalt derartigen Honorarforderungen bei seinen sonstigen Tätigkeiten auch nicht abgeneigt...

E.M. Cequadrat
40
17.2.2011, 08:21
Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Sie an

Ihrem persönlichen Auftritt arbeiten sollten. So eine Szene (Anwaltskammer, routinierter älterer Anwalt, der was gewöhnt ist) ist nur möglich, wenn Sie wegen einer popligen Rechnung gleich "Betrug" oder dergleichen herumposaunt haben. Wie man in den Wald hineinruft ...

Frau W.
01
17.2.2011, 12:52
pps

nach lesen der replik von dr. zinkl sind durchaus entlarvende parallelen zwischen der reaktion der richtervereinigung und ihrer festzustellen. ohne selbst dabei gewesen zu sein und ohne prüfung der sachlage wird kritisiert, wer auf missstände hinweist, sein/ihr verhalten als unangemessen dargestellt.

juristen, und erst recht, wenn sie fortgeschrittenen alters sind (der besagte herr dürfte seine ausbildung noch vor 1945 genossen haben), sind also per definitionem korrekte menschen, die über aller kritik stehen?

wobei meine anekdote aus der studienzeit mit der debatte um den TS-prozess natürlich nicht im entferntesten vergleichbar is

Frau W.
00
17.2.2011, 10:45
ps

für diese herren die keine skrupel haben andere abzucashen, oder sie selbst, mag der betrag (von damals 6000 schilling) popelig sein, für mich als studentin war er damals horrend und hat schlichtweg mein budget überstiegen, weshalb ich mir überhaupt die mühe gemacht habe, mich zu erkundigen.

aber ist schon klar dass es einfacher ist, jemanden, der es wagt nachzufragen (ich betone nochmal: höflich und ohne jemandem etwas unterstellt zu haben) als hysterisch hinzustellen als zuzugeben, dass eine praxis gesetzlich nicht gedeckt ist.

Frau W.
00
17.2.2011, 10:39
ach ja?

sie kennen den "routinierten älteren herrn" wohl auch persönlich als außerst korrekten kollegen?

1. hat es aus dem beratungszimmer auch während ich wartete merkwürdiges geschrei gegeben. 2. habe ich niemandem betrug unterstellt sondern höflich um eine rechtsauskunft gebeten. und drittens beurteilt die rechtssprechung das vorgehen des hausverwalters sehr wohl als unrechtmäßg und keinesfalls ehrenhaft: als weit verbreitete praxis, den mieter für einen service, der in die zuständigkeit der hausverwaltung, die er ja zahlt, fällt, zusätzlich zahlen zu lassen. diese ehrenwerten herren wissen genau, dass sie damit vor gericht nicht durchkommen, aber versuchen halt.

www.Fehlurteil.at
04
16.2.2011, 13:07
Schein und Sein

Selten so gelacht, als ich vor kurzem das Märchen "Ethikerklärung der Richtervereinigung" las:
http://www.richtervereinigung.at/content/v... ew/260/37/

Ubaldo
03
16.2.2011, 14:42
Z.B. Artikel VI

sollte man der Arleth under die Nase halten! (-:

sunking
05
16.2.2011, 10:06
metternichs erbe

justitz und polizei scheinen amok zu laufen. Ich weiß nicht wieviel geld die republik sich so offensichtlich zweifelhafte gutachten kosten hat lassen. Mit den jahrelangen ergebnislosen verdeckten ermittlungen, wo immerhin einmal "böse blicke" festgestellt wurden, dürften sich die kosten auf 4 mio euro belaufen.

Der prozess, von vielen auch als politische farce bezeichnet, stiftet ganz allgemein nicht nur immanent, sondern auch durch die hervorragende führung ausgelöst, zum zivilen ungehorsam an.
Wenn richter so unabhängig sind, werden sie dann sagen wir einmal genau so unabhängig besetzt oder berufen, wie lehrer?

Doppelmoral, Reformstau, provinzpossen und korruption kenzeichnen das land.

open combat
05
16.2.2011, 15:01
"..so offensichtlich zweifelhafte gutachten kosten hat lassen."

Ein "Linguistik-Experte" (=pensionierter AHS-Lehrer aus Graz) hat für ein StA-gefälliges Stück Papier, das am 23.2 vermutlich, bildlich gesprochen, geschreddet wird, um die EUR 35.000 kassiert! Über die Honorarnote wurde kaum nachgedacht.

Ein an sich angesehener Veterinärmediziner hat, 2½ Jahre nach dem Ereignis für gutes Geld bestätigt, dass für ein paar nächtliche Stunden auf eine Wiese freigelassene Schweine Tierquälerei ausgesetzt wurden. Die Hauptquellen bei seinen Recherchen waren eine angekündigte Besichtigung des Stalls und Interviews mit dem Schweinezüchter und dem von diesem finanziell abhängigen "Haus-und-Hof"-Tierarzt! Der Gutachter wird am 3.3 auf Herz und Nieren geprüft. Arleth probiert schon den Stahlhelm an. ;o)

Dr. Seltsam
 
01
16.2.2011, 09:44

Legendär ist das Ö1 Interview des Präsidenten der Richtervereinigung (Ab rund 11:35Minuten) - unfassbar!:

http://oe1.orf.at/programm/267152

karl heinz marilyn, supersauber
07
15.2.2011, 22:55
mut kann man nicht kaufen

zu alledem vermisse ich die wohl vernehmbaren sicheren stimmen der dekane und vorstände der juridischwen fakultäten und institute, die unmissverständlich stellung beziehen zu der agenda, die nun mal zur diskussion steht

blubb66
02
19.2.2011, 15:27
Mut nicht ...

... aber eben Unterwürfigkeit. Die alteingesessenen Uni-Leute zittern eben um ihre Jobs, dank der verpolitisierten Uni-Strukturen sitzen überall irgendwelche Parteisoldaten, die sie unter Druck setzen könnten wenn sie aufmucken.

karl heinz marilyn, supersauber
02
15.2.2011, 22:45

ich will ganz einfach eine moderne professionelle justiz nach dem gedanken der aufklärung! ist das im 21. jhdt. zuviel verlangt?

leider ja - offensichtlich

blubb66
04
16.2.2011, 00:50
Österreich ist noch irgendwo in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts...

wahre Lüge
 
06
15.2.2011, 18:52
Österreich ein Land der Dichter und Denker

heute ein Land der Richter und Henker

peter schmidt
 
00
15.2.2011, 18:48
Im Fussball heisst sowas glaube ich

Not gegen Elend.

Sowohl A. als auch V. sind beide schrecklich leicht zu widerlegen. Das wusste man aber auch schon vor diesem Prozeß.

Dr. Freidank
06
15.2.2011, 18:14
Herr Mag. Manfred Herrnhofer: "Wir sind nicht in der Türkei, wir sind nicht im Sudan, wir sind in Österreich"

Wenn sich der Vizepräsident einer „Richtervereinigung“ mit solchen rassistischen Aussagen zitieren lässt, kann man nur anregen: Einen Tahrir-Platz in Wiener Neustadt!

Joe Walker
07
15.2.2011, 19:24
Genau so ist es

Gut, dass Sie das thematisieren; das ist ungefähr der Ton, den die Leute in Dorfgasthäusern pflegen.

Für all das hatte Thomas Bernhard einen Begriff: Staatsschwachsinn und Staatsdummheit.
Nichts ist schlimmer, als wenn sich beide Elemente noch mit Arroganz paaren, das wird ein Drama.

was auch immer...
 
06
15.2.2011, 18:08
Recht und Gerechtigkeit

vielleicht kommt ja durch diese Geschichte Bewegung in unser Strafrecht und, wenn man ganz optimistisch ist, eine Reform (die auch eine Verbesserung ist). Dann ginge das Ereignis in die Geschichte ein, sagen wir als "Velten-Effekt"? oder "Kleiderbauer-Zäsur"? oder andere Vorschläge?

Reform täte jedenfalls dringend not, denn nicht einmal der optimistischte Rechtsphilosoph würde hierzulande noch einen zwingenden Zusammenhang zwischen Recht und Gerechtigkeit erkennen können.

m kubik
01
16.2.2011, 01:34

Das "Balluch-Prognom" (positiv konnotiert!)

Eliaine
02
15.2.2011, 22:10
Reformen täten not

...aber mit Bandion Ortner wird da nichts Sinnvolles zu machen sein

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