Contador von spanischem Verband rein gewaschen

15. Februar 2011, 20:26
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Dreifacher Toursieger vom Dopingverdacht freigesprochen und ab sofort wieder startberechtigt - Ursprünglich war einjährige Sperre gefordert worden

Madrid - Der dreifache Tour-de-France-Sieger Alberto Contador ist von der Disziplinarkommission des spanischen Radsport-Verbandes (RFEC ) vom Dopingvorwurf freigesprochen worden. Der Spanier ist damit ab sofort wieder startberechtigt. Dies teilte der Anwalt des Radprofis, Andy Ramos, am Dienstag mit. Der Weltverband (UCI) sowie die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) können innerhalb eines Monates gegen diese Entscheidung beim Internationalen Sportgericht (CAS) in Lausanne berufen.

Bei Contador war während der Tour de France 2010 in mehreren Tests die verbotene Substanz Clenbuterol nachgewiesen worden. Der 28-Jährige berief sich darauf, diese sei durch verunreinigtes Rindfleisch ohne sein Wissen in den Körper gelangt. Die jüngste Verteidungsstrategie Contadors hat den RFEC also offenbar von dessen Unschuld überzeugt. In der Urteilsbegründung bezieht sich der Verband auf Artikel 296 der Doping-Regularien, der besagt, dass ein Fahrer freizusprechen ist, wenn er belegen kann, dass ihn bei einem positiven Dopingfall keine Schuld trifft. Zunächst war eine einjährige Sperre für den 28-Jährigen gefordert worden. Zuletzt hatte Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero Contador öffentlich verteidigt. Es gebe keine rechtliche Legitimation für eine Bestrafung, wurde Zapatero auf der Twitter-Interseite der Regierung zitiert.

Ein Schnitzel aus Irun

Laut Angaben der Sporttageszeitung Marca soll es während der Tour drei weitere positive Tests bei Contador gegeben haben. Contador bestritt jegliche Schuld und erklärte den positiven Befund mit dem Verzehr von kontaminiertem Fleisch. Ein Freund des damaligen Astana-Teamkochs habe ein Stück Rindfleisch in der baskischen Stadt Irun gekauft und zur Tour nach Pau mitgebracht, wo es in der Bordküche des Manschaftsbusses zubereitet worden sei. Die Anwälte Contadors hatten zudem angeführt, dass ihnen Dokumente unterschlagen worden seien. So soll ein Brief der UCI an die RFEC mit vier möglichen Erklärungen für den positiven Dopingbefund nicht an das Lager Contadors weitergereicht worden sein.

Der RFEC vergleicht die Angelegenheit mit dem Dopingfall des deutschen Tischtennis-Spielers Dimitrij Ovtcharov, der bei einem Turnier in China ebenfalls positiv auf Clenbuterol getestet worden war. Im Gegensatz zu Contador hatte Ovtcharov aber mittels einer Haaranalyse glaubhaft seine Unschuld darstellen können. "Ich war davon überzeugt, dass es eine Wende geben könnte", sagte Contador nach Bekanntwerden der Entscheidung. "Ich habe im gesamten Fall immer die Wahrheit gesagt", beteuerte er in einer Stellungnahme seines Teams Saxo Bank. "Ich habe dem Team und den Behörden gesagt, dass ich nie betrogen oder absichtlich eine verbotene Substanz genommen habe."

Langer Rechtsstreit möglich

Dem Radsport könnte nun pünktlich zum Start in die neue Saison ein monatelanger Justizmarathon ins Haus stehen. "Die Spanier machen sich lächerlich. Das ist eine Kabarett-Nummer. Die WADA muss vor den CAS ziehen", sagte der deutsche Anti-Doping-Aktivist Werner Franke in einer ersten Reaktion. Ob sie das tun, wollen die Verbände nach Prüfung der Unterlagen entscheiden.

Contador darf aber auf jeden Fall bis zu einer möglichen Entscheidung des CAS wieder Rennen bestreiten. Und dass sich derartige Prozesse in der Schweiz hinziehen können, hat der Fall Alejandro Valverde bewiesen. Der zweimalige Vize-Weltmeister war ebenfalls vom spanischen Verband freigeboxt worden, obwohl er nachweislich auf der Kundenliste des Dopingarztes Eufemiano Fuentes gestanden hatte. Monatelang fuhr "Valv. Piti", so sein Synonym auf den Fuentes-Blutbeuteln, noch einen Sieg nach dem anderen ein, ehe schließlich der CAS eine Sperre bis Ende 2011 aussprach.

Die Spanier jedanfalls bleiben offenbar ihrer Linie treu. McQuaid, Präsident des internationalen Radsportverbands UCI hatte erst bei der WM in Australien die laxe Anti-Doping-Politik gerügt. Bereits 2006 war Contador noch in den ursprünglichen Dokumenten der Operacion Puerto im Zuge der Ermittlungen gegen das Netzwerk um Fuentes mit den Initialien AC aufgeführt worden, ehe sein Name dann aus den Unterlagen verschwand.  (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Alberto Contador könnte schon am Mittwoch bei der Algarve-Rundfahrt wieder im Sattel sitzen.

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