Stillschweigend Ski fahren

14. Februar 2011, 17:10
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ie brutto halbstündige Sendung steht für Körpereinsatz, von der Wohnzimmercouch aus betrachtet

Irgendwann geht auch dieser Winter - trotz seiner Hartnäckigkeit - zu Ende. Und es wird Zeit, die monatelange Anspannung, in die uns die Wintersportarten und ihre mit großem Tamtam vermittelten Wettbewerbe versetzt haben (Gar! misch!), wieder zu lockern. Weniger Aufregung schadet ja generell nicht.

Auf Puls 4 kann man sogar beides auf einmal haben: Spannung und Kontemplation. Die brutto halbstündige Sendung "in action" steht für Körpereinsatz, von der Wohnzimmercouch aus betrachtet. Die bisherigen Folgen hießen etwa Wild Sau Dirt Run oder Hacken, Schwitzen, Sägen! Am Sonntagabend (22.05 Uhr) waren bei der aktuellen Folge Up and Down waghalsige Freeskier bei der Ausübung ihres todesverachtenden Vergnügens zu beobachten.

Drei junge Männer in bunten Skianzügen ließen sich von einem Hubschrauber auf schneeweiße Berggipfel fliegen, von denen sie dann in kühnen Sturzfahrten und unter Ausführung halsbrecherischer Klippensprünge mehr oder weniger glimpflich zu Tal fuhren. Dass dabei gequetschte Bandscheiben und Nasenbeinbrüche entstehen, wird zwar nicht verschwiegen, aber mit angenehmer Stimmungsmusik unterspielt.

"in action" - Up and Down ist keine übliche Dokumentation, sondern (auch in Anbetracht der Sendezeit) ein Meditationsbeitrag, fast ohne Sprechstimme, der Momente der Höchstspannung erzeugt (Sprung ins Nichts) und sie zugleich (mit Musik) maximal abfedert. Silent skiing, könnte man sagen - eine Idee, für die ich mich schlagartig begeistern konnte. Ski fahren muss ja nicht immer gleich mitjohlen bedeuten. Wozu auch? Sportler machen ja sowieso, was sie wollen. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD; Printausgabe, 15.2.2011)

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