Doppelte Lisi und die Freude der Mutter

14. Februar 2011, 16:31
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Es gilt, sich vor der Tagespoesie zu hüten. Nichts läge ja näher, als die Geschichte über Elisabeth Görgl mit dem Wort "Wintermärchen" anzufangen. Aber kein Wort wäre falscher. Denn in den Märchen siegt das Wunder, sozusagen die gute Absicht über die schleißige Welt. Dass aber Elisabeth Görgl seit dem Sonntag Doppelweltmeisterin im Skifahren genannt werden muss, ist kein Wunder, sondern Resultat harter Zielstrebigkeit.

Sie selbst nennt es "Sturheit" oder, weil sie eine Steirerin ist, "Dickschädel". Gäbe es für die Floskel "Steirerbluat is koa Himbeersaft" eine weibliche Form, sie müsste wohl den Namen Görgl tragen. In die Wiege ist ihr, entgegen anders lautenden Meldungen, nichts gelegt worden. Im Gegenteil: Von ihrer Mutter Traudl Hecher, der doppelten Olympia-Bronzenen von 1960 und 1964, musste sie sich erst "befreien". Das hat immerhin fast 30 Jahre lang gedauert. Wahrscheinlich ist das die schönste, wenn nicht eigentliche Geschichte an diesem "Wintermärchen": dass da ein Mädel nach langem Ringen den Ausgang aus dem Schatten der Mutter findet und etwas Eigenes wird.

Ein solcher Schritt macht dann - via ORF durften alle Österreicher daran teilhaben - vor allem die Mutter stolz. Daheim in Parschlug war Traudl Hecher schon nach der Goldenen im Super-G hörbar erleichtert. Parschlug ist dort, wo das Stadt-Konglomerat Kapfenberg-Bruck in die Berge ausfranst, Elisabeth Görgl wuchs also in einer Art Wald-Urbanität auf.

Dort lernte sie, dem um drei Jahre älteren Bruder Stephan nacheifernd, das Skifahren. Vater Anton, gelernter Theologe, dachte ahnungsvoll "wenn die immer so einen Willen hat". Den hat sie. Das eine Mal WM-Bronze (Super-Kombi 2009) und die zwei Mal Olympia-Bronze (Abfahrt und Riesentorlauf 2010) waren ihr eindeutig zu wenig.

Jetzt legte sie nicht nur mit dem doppelten WM-Gold in Super-G und Abfahrt nach. Bei der Eröffnung überzeugte sie auch als Interpretin des offiziellen Liedes wahrscheinlich sogar die Bundestante Angela Merkel, die sich so eine Bühnenpräsenz ja von jeher wünscht. Für die aus Tirol kommende Mutter war das keine Überraschung. Nur eine Aufregung.

Oder eine mütterliche Lebensbilanz. Nach dem Super-G sagte sie etwas, das der aktuellen Bildungdebatte rot ins Stammbuch geschrieben gehört: "Es ist so wunderschön, wenn dein Kind mehr zusammenbringt als die Eltern." (Wolfgang Weisgram; DER STANDARD Printausgabe 14. Februar 2011)

 

 

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    Lizz, doppelt vergoldet.

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