Nanofasern schützen altägyptische Papyri

14. Februar 2011, 15:21
2 Postings

Deutsch-ägyptisches Forschungsteam erprobt antimikrobielle Fasern als Schutz altägyptischer Schätze

Antike Textilien, Papyrusschriften und Malereien auf Papyrus zählen zu den Prunkstücken vieler Sammlungen in Bibliotheken, Archiven und Museen. Allerdings bestehen sie aus natürlichen Polymeren wie Zellulose, Flachs oder Wolle, und sind daher durch den Angriff von Mikroorganismen, Insekten und Pilzen stark gefährdet. Wissenschafter der Martin-Luther-Universität Halle-WittenbergW untersuchen derzeit im Ägyptischen Museum in Kairo eine neue Methode, mit der elektrogesponnene Nanofasern altägyptische Schätze schützen können.

Der unkonventionelle Ansatz dazu wurde in einem Projekt zwischen Halle und Kairo entwickelt. Der ägyptische Chemiker Ashraf Asran befasste sich im halleschen Institut für Physik (Allgemeine Werkstoffwissenschaften) mit einer Nanotechnologie zur Herstellung von Nanofasern mittels Elektrospinnen. "Nanofasern sind 100 bis 1000 Mal dünner als ein menschliches Haar und besitzen damit eine extrem vergrößerte Oberfläche bezogen auf das Volumen", sagt Goerg H. Michler vom halleschen Institut für Physik, der das Projekt wissenschaftlich begleitete. "Als Nanoteilchen können auch antibakteriell wirksame Partikel verwendet werden."

Gehemmtes Wachsum von Mikroorganismen

Zur Ermittlung der antibakteriellen und fungiziden Wirkung der Nanofaserbeschichtung wurden Nanofasermatten mit unterschiedlichem prozentualen Gehalt von Silber-Nanoteilchen und Raschit (seit langem als fungizider Wirkstoff in der Konservierung und Restauration von Büchern und Handschriften eingesetzt) in Kulturen von Bakterien und Schimmelpilzen auf ihre Wirksamkeit geprüft. Die mikrobiologischen Untersuchungen fanden unter Leitung von Matthias Dürr am Institut für Hygiene der MLU statt. "Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten zeigen, dass polymere Nanofasermaterialien durch Dotierung mit geeigneten Wirkstoffen in der Lage sind, das Wachstum von Mikroorganismen zu hemmen, die organische Substrate bedrohen", fasst Michler zusammen.

"Damit erscheint es möglich, wertvolle kulturelle Überlieferungen auf Papyrus, Wolle oder Leder bereits vorab mit einer Schutzschicht gegen den Angriff von Mikroorganismen zu versehen und nicht wie bisher, erst dann konservatorisch tätig zu werden, wenn bereits Schäden an den häufig einmaligen Kunstwerken eingetreten sind", betont Goerg Michler. Polymere Nanofasern können so dünn aufgesponnen werden, dass sie für den Betrachter unsichtbar bleiben und trotzdem ihre Wirksamkeit zum Schutz der antiken Kunstwerke entfalten.

Weitere Untersuchungen zur Haltbarkeit

Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die Haltbarkeit der Polymerbeschichtung, die Dauer der antimikrobiellen Wirkung und die Eignung des Verfahrens für verschiedene Kunstgegenstände unter Beweis zu stellen.

Außerdem gilt es zu prüfen, ob alle Keime, die Schäden an Büchern, Handschriften und tierischen Materialien wie Wolle oder Leder hervorrufen, von den hier erwähnten antimikrobiell wirksamen Substanzen erfasst und wirksam bekämpft werden können. (red)

  • Mumienabdeckung einer jungen Dame im Ägyptischen Museum in Kairo, Leinen und Stuck mit vielfarbiger Verzierung.
    foto: institut für physik der mlu

    Mumienabdeckung einer jungen Dame im Ägyptischen Museum in Kairo, Leinen und Stuck mit vielfarbiger Verzierung.

Share if you care.