Das hohe Risiko der niedrigen Zinsen

14. Februar 2011, 16:54
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Performance der Pensions­kassen war angesichts des vergangenen turbulenten Kapitalmarkt-Jahrzehnts alles andere als sattelfest

2010 konnten die Pensionskassen dank gut laufender Aktien- und Anleihenmärkten wieder eine überdurchschnittliche Rendite erwirtschaften. 6,61 Prozent stehen branchenweit zu Buche. Nach neun Prozent 2009 und minus 12,93 Prozent im Krisenjahr 2008. Das "langjährige Veranlagungsergebnis", also der durchschnittliche Veranlagungserfolg seit 1991, liegt immer noch bei 5,95 Prozent.

Doch diese Zahl zeigt nur einen Teil der Geschichte. Tatsächlich ist die Performance der Pensionskassen angesichts des vergangenen turbulenten Kapitalmarkt-Jahrzehnts alles andere als sattelfest gewesen. In den ersten zehn Jahren (1991-2000) erreichten die Pensionskassen überdurchschnittliche 9,04 Prozent im Schnitt, zwischen 2001 und 2010 aber nur mehr 2,86 Prozent. Das hängt natürlich zum einen mit den hohen Aktienrenditen zusammen, die bis 2000 zu erwirtschaften waren, die nach der Internet- und der US-Immobilienblase in den 2000er Jahren aber negativ ausfielen.

Langfristige Zinsen massiv gefallen

Zum anderen sind es aber auch die Anleihenzinsen, die aus der Performance die Luft nehmen. Daten der Europäischen Zentralbank zeigen deutlich, dass die langfristigen Zinsen etwa in Österreich ganz massiv gefallen sind. Während zu Beginn der 1990er-Jahre noch mehr als sieben Prozent Rendite bei zehnjährigen österreichischen Staatspapieren zu Buche standen, ist es heute nur noch knapp die Hälfte. Viel Rendite ist mit Staatspapieren daher nicht mehr zu holen. Am kurzen Ende, also bei Laufzeiten der Anleihen von weniger als zwei Jahren sind die Zinsen weiterhin in der Nähe des Rekordtiefs. Dabei machen Bonds einen wesentlichen Teil des Pensionskassenvermögens aus. Insgesamt 45 Prozent der Portfolios gehen derzeit in Staatsanleihen, 30 Prozent in Aktien, der Rest in Unternehmensanleihen und alternative Investments, heißt es aus dem Fachverband in der Wirtschaftskammer.

Schlechtes Jahr für Anleihen

Dazu kommt, dass 2011 wohl ein eher schlechtes Jahr für Anleihen werden dürfte. Nach den jüngsten Signalen aus Frankfurt könnte die Europäische Zentralbank 2011 mit den ersten Zinsschritten beginnen. Zusätzlich mit den gestiegenen Leitzinsen haben die höheren Inflationsraten auch bereits die Zinsen für langfristige Papiere seit Jahresbeginn stark erhöht. Damit sind Verluste auf Anleihenpositionen unumgänglich. „Es wird bald zu einem Aha-Erlebnis kommen: denn es kann auch Verluste bei Anleihenpositionen geben," warnt etwa Gerald Moritz, Berater bei Towers Watson. Es sei daher eine große Herausforderung , um in einem solchen Umfeld die Rechnungszinsen zu verdienen.

Der Rechnungszins ist eine technische Größe und gibt an, bei welchen Erträgen der Pensionskasse die Pensionsauszahlungen nominell gleich bleiben. Sie sollten den Kapitalmarktzinsen Rechnung tragen, damit Pensionisten nicht von Kürzungen überrascht werden. Daher hat die österreichische Finanzmarktaufsicht Ende Jänner angekündigt, die höchstzulässigen Rechnungszinssätze für Pensionskassen zu senken. Für beitragsorientierte Pensionszusagen sinkt der maximal erlaubte Satz von 3,5 auf 3,0 Prozent und für leistungsorientierte Pensionszusagen von 5,0 auf ebenfalls 3,0 Prozent, das gilt für Verträge, die ab dem 1. Juli 2011 abgeschlossen werden. Mit den kleineren Rechnungszinsen sollen künftige Beitragskürzungen aus der betrieblichen Pension verhindert werden.

Mit dem Schritt ist die FMA aber bereits sehr spät dran. Denn bereits in den letzten zehn Jahren wurde weniger als drei Prozent pro Jahr verdient.(Lukas Sustala, derStandard.at, 14.02.2011)

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