"Trost aller Trümmerfrauen"

    14. Februar 2011, 12:19
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    "Der Mann, der den Deutschen wieder erlaubte, sich selbst, ihre Heimat und ihre Sprache zu lieben"

    Wien - "Tagesanzeiger": "Er war der Trost aller Trümmerfrauen. Er war ihr Sohn, den sie im Krieg verloren hatten und der nun als Peter Alexander wiederkehrte, immer strahlend, immer lieb und an Leib und Seele unversehrt. [...] Ein Wiener Sexualtherapeut sagte dazu: 'Peter Alexander stellt für viele Frauen genau das dar, was der eigene Mann nicht ist. Er ist freundlich, charmant, gewaschen, gut angezogen.' Die 'Bild am Sonntag' schrieb gestern: 'Die gute alte Zeit ist tot.' Man könnte auch sagen: die Zeit der schlichten Gemüter."

    "Tagesspiegel" (Rainer Moritz): "Wie alle Unterhaltungskünstler, die sich den Geschmacksveränderungen zum Trotz über Jahrzehnte behaupten, arbeitete er mit großem Fleiß und ausgeprägtem Professionalismus daran, seine vielfältigen Talente zu variieren und gleichzeitig Wiedererkennbarkeit zu suggerieren. [...] Dass dabei auch Produktionen entstanden, die Peter Alexanders Kapazitäten überstiegen, wundert nicht. Seine Coverversionen von Elvis Presleys 'Are you lonesome tonight' oder Don Williams' 'Some broken hearts never mend' zählen fraglos zu den schrecklichsten deutschen Schlagererzeugnissen und sorgen noch heute für eiskalte Rückenschauer."

    "Neue Zürcher Zeitung" (Michael Wenk): "Sosehr sich Musiktrends und Publikumsgeschmack auch wandelten: Mit liebenswürdigem Charme, Samtstimme und seinem komödiantischen Ausnahmetalent hielt sich der gebürtige Wiener unangefochten an der Spitze des deutschsprachigen Showgeschäfts. Über die Jahrzehnte war der Name Peter Alexander zur zugkräftigen Marke geworden, galt der Entertainer als lebende Showlegende. Im Bewusstsein seiner Bewunderer nahm der öffentlichkeitsscheue Star einen ganz besonderen Platz ein: den eines guten Bekannten und Vertrauten, der quasi mit zur Familie gehörte."

    "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Dieter Bartetzko): "Auch wer Peter Alexander nur noch vom Hörensagen kannte, wird von der Nachricht seines Todes berührt. Ihn deswegen Legende zu nennen wäre eine postume Beleidigung. Denn so wird inzwischen jeder bezeichnet, der einmal einige hunderttausend Tonträger verkauft oder zwei Quotenrekorde aufgestellt hat. Peter Alexander aber ist eine feste Größe im Gedächtnis der Republik."

    "Süddeutsche Zeitung" (Andrian Kreye): "Peter Alexander war der Mann, der den Deutschen wieder erlaubte, sich selbst, ihre Heimat und ihre Sprache zu lieben. Eben weil er kein Deutscher war. Der Wiener Dialekt nahm der deutschen Sprache die Schärfe, die sich so brutal ins kollektive Bewusstsein ihrer Zeit gerammt hatte. Sein spitzfindiger Humor gab seiner sentimentalen Heimatliebe etwas Leichtfüßiges, da durfte einem beim Anblick der majestätischen Berge und lieblichen Sommerlandschaften das Herz aufgehen, ohne dass die grauenerregenden Besitzansprüche an Land, Blut und Boden aufkochten, die aus Europa die Hölle gemacht hatten."

    "Die Welt" (Ilja Richter): "Wieder zu lächeln, nachdem in Goebbels Durchhalte-Kintopp alles immer ein bisschen zu laut belacht worden war, kann eh am besten ein Wiener. Schließlich war der letzte Deutschland prägende Österreicher immer nur dann komisch, wenn ihn Chaplin parodierte."

    "Frankfurter Rundschau" (Felix Helbig): "Peter Alexander war eine reine Kunstfigur, geschaffen, um die Bedürfnisse der Nachkriegszeit nach oberflächlichen Filmkomödien und leichten Schlagern zu befriedigen. [...] Dass Peter Alexander das meiste davon nicht ausstehen konnte, ist in vielen Biografien erzählt worden, es ist sein persönliches Drama. Doch mehr als die Rollen, die man ihm für seine Showbühne schrieb, traute er sich nicht zu. [...] Dabei ist er geblieben. Man kann ihn einen brillanten Entertainer nennen, man kann es aber auch schade finden, dass er nicht mehr gewagt hat."

    "Bild" (Joachim Fuchsberger): "Peter Alexander - das war die Zeit, in der Familie und Geborgenheit das größte Glück waren. In der Tugenden wie Fleiß und Bescheidenheit nach dem schrecklichen Krieg die Motoren des Wiederaufbaus waren. Es ist nicht altmodisch, alte Tugenden zu pflegen. Erinnern wir uns im Angesicht seines Todes häufiger an die Werte, für die Peter Alexander stand. Es würde uns allen guttun."

    "Hamburger Abendblatt" (Alexander Schuller): "Er tanzte, sang, parodierte und war dabei der netteste Entertainer im deutschen Showgeschäft. [...] Seinen Fans gab Peter Alexander immer ein gutes Gefühl, das Gefühl einer heilen Welt. Jetzt, da er gestorben ist, ist er plötzlich wieder präsent. Ganz so, als wäre die 'Peter Alexander Show' erst am vergangenen Sonnabend über den Bildschirm geflimmert."

    "B.Z." (Artur Brauner): "Er hätte jede Frau haben können. Aber er wollte gar nicht. Er liebte nur seine eigene Frau und natürlich das Angeln, wenn er einen großen Fisch fing, war das ein Weltereignis. Aber seine Hilde liebte er so sehr, dass sie fast als eine einzige Person in zwei Körpern erschienen. Sie tat alles für ihn. Machte seine Verträge, richtete ihm die Kleidung, verwaltete das Geld, kümmerte sich um alles. Und richtete immer den Scheinwerfer auf ihn. Für Hilde war er Peter der Wunderbare, Alexander der Große."

    "Stuttgarter Zeitung": "Trotz teurem nachtblauem Anzug, den er blendend zu tragen wusste, entfernte sich Peter Alexander auch in seinen Shows nie entscheidend vom Publikum, dem er den Lausbub und gleichzeitig - ein Wiener, bitte! - den alles verstehenden, formvollendeten Gastgeber gab, öfter mal eine Spur zu servil, aber schließlich war er auch oft der Kellner im Kino gewesen. In jedem Fall blieb er den kleinen Leuten sympathisch." (APA)

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