Sammelwut

EU will stärkeren Datenschutz für Private

14. Februar 2011, 11:41

Kommission überarbeitet Richtlinie zur Datenspeicherung - Ergebnis in einigen Wochen

Die EU-Kommission dürfte in den nächsten Wochen ihren Vorschlag für eine Überarbeitung der Richtlinie zur Datenspeicherung aus dem Jahr 2006 vorlegen. EU-Justizkommissarin Viviane Reding hatte zuletzt vor allem in Bezug auf die Vorratsdatenspeicherung vor einer pauschalen Datensammelwut gewarnt. Sie werde untersuchen, inwiefern die Speicherung verschiedenster Datensätze notwendig sei, ob die Speicherzeit für Daten angemessen ist und ob nicht andere Maßnahmen dem gleichen Ziel dienen könnten. Österreich ist kurz davor, die derzeitige Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung umzusetzen.

Datenminimierung

Ein wichtiger Grundsatz ist für Reding die Datenminimierung. Sie unterstrich die Bedeutung der Wahrung der Grundrechte, zu denen auch der Schutz personenbezogener Daten gehört. Insgesamt will die Kommission fünf Bereiche prüfen. Dazu zählt eine Überarbeitung der Datenschutzbestimmungen im Bereich der Zusammenarbeit der Polizei- und Justizbehörden. In diesem Zusammenhang werde auch die Vorratsdatenspeicherung von Daten überprüft, nach der Unternehmen Kommunikationsdaten zwischen einem halben und zwei Jahren speichern müssen. Darüber hinaus soll ein hohes Schutzniveau bei außerhalb der EU übermittelten Daten gewährleistet werden. Dafür sollen Verfahren für den internationalen Datentransfer erleichtert werden. Schließlich ist eine wirksamere Durchsetzung der Vorschriften durch die Stärkung und weitere Harmonisierung der Aufgaben und Befugnisse der Datenschutzbehörden vorgesehen.

"Wir machen kein Rennen gegen Technologien, es geht um allgemeine und solidarische Prinzipien und faire Wettbewerbsbedingungen für alle"

Außerdem gehe es um die Anpassung der Gesetze an die Herausforderungen durch neue Technologien und die Globalisierung. Wichtig sei deshalb auch die Zusammenarbeit mit Drittstaaten, es müsse einen "gemeinsamen Ansatz" auch mit den Ländern außerhalb der EU geben. Von Bedeutung sei der Datenschutz auch für das Geschäftsleben. "Wir machen kein Rennen gegen Technologien, es geht um allgemeine und solidarische Prinzipien und faire Wettbewerbsbedingungen für alle", betont die Kommission. Dies werde auch in bilaterale Verträge sowie in die Verhandlungen mit den USA einfließen.

Bei der Stärkung der Rechte des Einzelnen soll die Sammlung und Nutzung personenbezogener Daten auf das erforderliche Mindestmaß beschränkt werden. Jeder sollte klar und in transparenter Weise darüber informiert werden, wie, warum, von wem und wie lange seine Daten gesammelt und verwendet werden. Alle müssten die Möglichkeit haben, der Verarbeitung eigener Daten nach vorheriger Aufklärung freiwillig zuzustimmen, beispielsweise beim Online-Surfen.

Verringerung des Verwaltungsaufwands

Darüber hinaus gehe es um die Verringerung des Verwaltungsaufwands für Unternehmen und die Gewährleistung gleicher Rahmenschutzbedingungen. Derzeit gebe es Unterschiede bei der Umsetzung der Datenschutzbestimmungen der EU - es sei nicht immer klar, wessen Vorschriften gelten. Dies wiederum beeinträchtige den freien Verkehr personenbezogener Daten und bewirke höhere Kosten.

Die österreichische Regierung, die bereits wegen Säumigkeit bei der Umsetzung vom EuGH verurteilt worden ist, ist derzeit drauf und dran, die Vorratsdatenspeicherung Realität werden zu lassen. Das Thema steht auf dem Programm des Ministerrats am Dienstag. Infrastrukturministerin Doris Bures (S) hat eine minimale Umsetzung der Richtlinie im Telekommunikationsgesetz geplant. Justiz- und Innenministerium beharren allerdings schon längere Zeit auf mehr Möglichkeiten bei der Nutzung der gespeicherten Daten. Eine Einigung könnte noch Montagabend zustande kommen. (APA)

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12 Postings
Woodpecker
00
14.2.2011, 20:03
"Alle müssten die Möglichkeit haben, der Verarbeitung eigener Daten nach vorheriger Aufklärung freiwillig zuzustimmen, beispielsweise beim Online-Surfen."

Ist ja schön, wenn man dem, was da ohnehin geschieht, auch freiwillig (?) zustimmen darf - das macht sicher ein uuurgutes Gefühl ... bei den Sammlern und Verknüpfern. Und bestärkt sie im Glauben an die Rechtmäßigkeit und Billigung zumindest einiger "jö da kann ich ja was gewinnen, JAJA" - Dauerklicker.
Ich würde es eher so formulieren:
"Alle müssen die Möglichkeit haben, der Verarbeitung persönlicher Daten explizit und nach nachweisbar erfolgter Aufklärung ohne Verknüpfung mit Gewinnversprechen, zuzustimmen, andernfalls darf keine Sammlung erfolgen".

maruh
02
14.2.2011, 16:07

"Dies wiederum beeinträchtige den freien Verkehr personenbezogener Daten…"

??
wie passt das zu datenschutz?
oder versteh ich da was falsch?

Woodpecker
00
14.2.2011, 20:11
Datenschutzbeauftragte im Orwell'schen Sinne eben ...

...die schützen die Freiheit der Daten und nicht die der Bürger, die da öffentlich entblößt werden.
Aber irgendwann hat auch der Kaiser keine Kleider mehr.

Bastian Balthasar Bux
00
14.2.2011, 18:49

ich war schon immer für freien Verkehr! ;)

Reich sein muss sich lohnen!
05
14.2.2011, 16:03
In einem freien Land, mit freien Menschen

wird man nicht überwacht solange man sich nichts zu schulden kommen lassen hat.

Wenn die Regierung vor seinem Volk angst hat und glaubt es deswegen überwachen zu müssen, dann sollte sie überlegen was sie falsch gemacht hat und ob man diese Aufgabe nicht besser anderen überlassen sollte.

Woodpecker
00
14.2.2011, 20:27
Subtile Taktik

... es wird einfach dafür gesorgt, daß (fast) jede(r) sich irgendwo schuldig fühlt, zumindest ein klein wenig. Und wenn es nur das Runterladen eines Songs, das Spucken auf den Bahnsteig vor der Überwachungskamera, einmal Fahrschein entwerten vergessen ist.
Dadurch wird schon in jungen Jahren die Spreu (obrigkeitshörige Durchschnittsbürger) vom ganz gewissensballastfreien ertragreichen Weizen im Format wandelnder Unschuldsvermutungen getrennt.

ü-strichal
19
14.2.2011, 12:44

und selbst wenn die eu morgen eine entscheidung über die vorratsdatenspeicherung fällen würde, würdens diese bei uns auf jeden fall noch und mit aller gewalt beschließen/einführen, da sie eben damit spekulieren, dass die eu den mitgliedsländeren es freistellen könnte, ob die vorratsdatenspeicherung verwendet werden soll oder nicht. denn wenn schon mal daten gesammelt werden, warum dann darauf verzichten ...

jede vernünftige, wirklich für das volk arbeitende, regierung würde genau an diesem punkt entscheiden, dass die entscheidung in brüssel abgewartet wird ... bei uns wird das ganze dann wohl mal wieder in einer nacht- und nebelaktion beschlossen werden ... pfui

orator
00
14.2.2011, 15:28

dann unterleigts aber wieder österreichischen verfassungsrecht

Bastian Balthasar Bux
00
14.2.2011, 18:53

und falls es diesem widersprechen sollte, dann schreiben sie es einfach direkt in die verfassung ...
(wie auch zum beispiel die wehrpflicht, die ja in der derzeitigen fassung mehr als eindeutig dem gleichheitsgrundsatz widersprechen würde, da aber verfassungsrang ...) ...

keinname
02
14.2.2011, 12:33
Jetzt wirds eng

Soviel Zeit vertrödelt, schnell noch umsetzen bevor die, mittlerweile von Anarchisten und Terroristen infiltrierte, EU den Bombenlegern und Fleugzeugentführern durch unzureichende Überwachung ihrer eigenen Bürger freie Hand lässt!

Und weils wahr ist
02
14.2.2011, 11:59
Solange die Schwarzen in der Regierung sind...

...gehts in Richtung Orwellscher Überwachungsstaat. Fekter und Bandion-Ortner haben nicht zufällig so blendende Beliebtheitswerte in Umfragen.

Blumenthal
00
14.2.2011, 18:34

die sozi sind aber auch recht fleißig dabei.

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