Damit beim Flirten der ABS-Rucksack zubleibt

    14. Februar 2011, 16:50
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    Freeriden ist für manche das Höchste der Gefühle. Vorsicht und Rücksicht sollten immer mitfahren

    Wer mit der Farbe Weiß ein Problem hat, sollte sich eine andere Freizeitbeschäftigung suchen. Weiß, das streng genommen gar keine Farbe ist, gehört zum Tiefschneefahren wie die Farbe Blau zum Wasser: Erst dann macht Schwimmen richtig Spaß. Das viele Weiß der Schneekristalle sorgt umgekehrt für erhöhten Pulsschlag bei Tiefschneefahrer.

    Mit Schwimmen hat Freeriden, wie Tiefschneefahren auch heißt, einiges gemeinsam. Auch wenn es meist schwerer ist, tiefweiß verschneite Hänge zu finden als passendes Nass für einen Kopfsprung: die überbreiten Latten, die wir uns auf Empfehlung von Stefan im Skiverleih greifen, werden uns später ein Gefühl vermitteln, als ob wir uns schwimmend durch den Schnee bewegen würden.

    Zum Glück gibt es Gegenden, die das begehrte Weiß einigermaßen verlässlich bieten. Das Tiroler Fieberbrunn gehört dazu. Der Name des Ortes klingt zwar nach Krankheit, steht aber für das Gegenteil. Die Gemeinde, die 4100 Einwohner zählt und auf halbem Weg zwischen St. Johann (Tirol) und Saalfelden (Salzburg) liegt, ist von alters her bekannt als Schneeloch. Diesen Ruf verdankt Fieberbrunn, wie übrigens auch die Nachbargemeinde Hochfilzen, einem speziellen Mikroklima.

    Der Nordstau lässt im Sommer viel Wasser abregnen; im Winter lagert sich der üppige Niederschlag in Form von Milliarden und Abermilliarden feinster Schneekristalle auf Gipfeln und Berghängen der Gegend ab. Dann scheint Fieberbrunn, das sich selbst als bestverstecktes Skigebiet in den Kitzbüheler Alpen vermarktet, die etwas kleinere, dafür weniger überlaufene Ausgabe des großen Arlbergs zu sein.

    Stefan, mit Familiennamen Harasser, kennt sich dort aus wie in seiner Westentasche. Die Weste freilich trägt er höchstens beim Après-Ski nach getaner Arbeit. Stefan ist Skilehrer und Guide. Und wenn er nicht gerade im Gelände unterwegs ist mit Gästen, arbeitet er auch noch in einem Technischen Büro - seinem eigenen. Konventionelles Pistenfahren ist nicht seine Sache. Richtig fiebrig wird er, wenn es schneit und die Spuren vom Vortag allmählich verwischen. Dann ist er bereit zum Flirt in Weiß.

    Was dabei niemals fehlen darf, ist ein Rucksack mit ABS. Ob jemand eine Lawine überlebe, das hänge in erster Linie davon ab, inwieweit es gelinge, während des Lawinenabgangs obenauf zu bleiben, bläut Stefan der vierköpfigen Gruppe ein. Vor dem Start ins Abenteuer erklärt er noch, was zu tun ist: "Den Airbag lieber einmal zu früh auslösen als zu spät."

    Das Auftriebsvolumen der Luftkammern soll gewährleisten, dass die betroffene Person in fließenden Schneemassen an der Oberfläche bleibt und nicht verschüttgeht. Die Überlebenschancen erhöhten sich dadurch dramatisch.

    Das Schicksal wollen wir denn doch nicht herausfordern und verhalten uns so, dass beim Flirt mit dem Schnee der ABS-Rucksack in seiner Ausgangsform bleibt.

    "Immer senkrecht losfahren, auch wenn es steil bergab geht", empfiehlt Stefan. "Dann den ersten Schwung setzen, der zweite folgt automatisch." Es staubt, dass es eine Freude ist. Die Hüften tanzen langsam Samba. Schnee wirbelt über beide Ohren, während die Skier fleißig pflügen.

    Heiß hergehen dürfte es vom 10. bis 17. März, wenn Fieberbrunn erstmals Austragungsort der "Freeride World Tour" sein wird. Diese umfasst nur fünf Stationen, darunter Chamonix und St. Moritz. Mit dem "Scott Big Mountain" war Fieberbrunn zuvor fünfmal Austragungsort eines der bekanntesten Freeride-Bewerbe.

    Das Gros der Teilnehmer wird im Alpine Resort Fieberbrunn logieren. Dann werden die Freerider zumindest im Hotel in der Überzahl sein. Das zur Premium Edition der Austria Trend Hotels zählende, 144 Zimmer umfassende Viersternehaus ist das zweite der Verkehrsbüro-Gruppe in Fieberbrunn und liegt praktischerweise direkt an der Piste.

    Am Lift stellen noch die Carver die Mehrheit. Doch die Tiefschneefahrer holen auf. Im Skiverleih erreicht der Freeride-Anteil an manchen Tagen bereits 15 Prozent. (Günther Strobl/DER STANDARD/Printausgabe/12.02.2011)

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      Immer mehr Skifahrer sind der präparierten Pisten überdrüssig und gehen ins Gelände. Fieberbrunn ist im März Zentrum der Freeride-Welt.

      Info:
      Skiverleih: www.ssaf.at
      www.austria-trend.at/doi

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