Zwei Tote nach "Tag des Zorns"

15. Februar 2011, 13:44
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Opposition boykottiert Parlament nach Polizeigewalt - Schiitische Mehrheit fühlt sich durch sunnitische Elite unterdrückt

Manama - Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften ist am Montag im Golfstaat Bahrain mindestens ein Mensch getötet worden, mindestens 20 weitere wurden verletzt. Das Innenministerium in Manama bestätigte in einer Erklärung, dass ein Demonstrant gestorben sei. Eine Untersuchung solle nun klären, ob die Sicherheitskräfte den Tod durch einen nicht gerechtfertigten Einsatz von Waffen verursacht hätten.

Im Vorfeld der Trauerfeier für den getöteten Demonstranten wurde nach Angaben der Opposition ein weiterer Mensch getötet. Die Sicherheitskräfte hätten am Dienstag die vor einem Krankenhaus in der Hauptstadt Manama versammelte Trauergemeinde gewaltsam auseinandergetrieben und dabei einen Mann durch Schüsse getötet.

Nach den Unruhen in mehreren arabischen Ländern hatten Oppositionelle über das Internet zu einem "Tag des Zorns" in dem Königreich aufgerufen, worauf es in mehreren Orten, insbesondere in Diraz, Proteste gegen die Staatsführung gab. Nach Korrespondentenberichten starb ein junger Mann bei Auseinandersetzungen in einem Vorort der Hauptstadt Manama an schweren Schusswunden. Auch einige der Verletzten seien von Schüssen getroffen worden, andere wiesen Knochenbrüche oder Verletzungen durch Tränengas auf.    Bereits am Sonntag waren bei Zusammenstößen mehrere Menschen verletzt worden. Um weitere Proteste im Keim zu ersticken, ließ die Regierung an strategisch wichtigen Punkten massiv Sicherheitskräfte auffahren. Das arabische Königreich wird von einer sunnitischen Herrscherfamilie regiert, während schiitische Muslime die Bevölkerungsmehrheit stellen. Mehrere politische Gruppierungen der Schiiten unterstützten den Protestaufruf, den Unbekannte im Internet verbreitet hatten.

Opposition boykottiert Parlament nach Polizeigewalt

Aus Protest gegen die gewaltsame Unterdrückung hat ein großer Oppositionsblock im Parlament seine Mitarbeit in der Volksvertretung vorerst ausgesetzt. Die Bewegung Wefaq habe sich für den vorläufigen Boykott wegen der "rüden Reaktion auf Demonstrationen" entschlossen, sagte der dem schiitischen Block angehörende Abgeordnete Khalil Ibrahim al Marzuk am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Der Fraktion gehören 18 der insgesamt 40 Abgeordneten an. In Bahrain leben überwiegend Schiiten, der kleine Golfstaat wird aber von einer sunnitischen Herrscherdynastie geführt.


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Schon in den vergangenen Jahren ist es immer wieder zu Unruhen in Bahrain gekommen, wo sich die Schiiten von der pro-westlichen sunnitischen Führungsschicht benachteiligt fühlen. Der Inselstaat - ein Archipel mit einer großen und 32 kleinen Inseln - ist nur 711 qkm groß. Von 1861 bis 1971 war Bahrain britisches Protektorat. 1981 nach dem Ausbruch des iranisch-irakischen Krieges hatten Bahrain und die anderen pro-westlichen arabischen Golf-Monarchien - Saudi-Arabien, Kuwait, Oman, Katar und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) - den Golfkooperationsrat (GCC) mit dem Ziel gegründet, die Wirtschafts-und Verteidigungspolitik zu koordinieren. Scheich Hamad Bin Issa al-Khalifa bestieg 1999 nach dem Tod seines Vaters Issa den Thron als Emir, wenig später nahm er den Königstitel an.

Der jordanische König Abdullah II., in dessen Land es ebenfalls zu Massenprotesten gekommen ist, hatte wiederholt vor einem "schiitischen Halbmond" gewarnt, der sich vom Iran bis zum Libanon und Bahrain erstrecke und die Sunniten bedrohe. Der Iran kontrolliere bereits den mehrheitlich von Schiiten bewohnten Irak, und im Libanon ist die schiitische Hisbollah mit der Christenpartei von General Michel Aoun gegen die Sunniten verbündet.

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