Wellness-Wetten

13. Februar 2011, 20:17
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Überraschung! In der ersten Sendung nach dem verhängnisvollen Unfall wurde nicht mit Kettensägen jongliert

Noch überraschender war, wie sehr eine neue Zurückhaltung zelebriert und wie wenig dabei dem Zufall überlassen wurde. Kulisse, Dialoge und Show-Acts zeugten von professionell inszeniertem Understatement und formten sich zu wohldosierter, brav-biederer Abendunterhaltung.

Wie um ein heimeliges Lagerfeuer reihte sich die Showfamilie auf der Couch. Das züchtig dekorierte Moderatorenpärchen präsentierte belesene Kinder mit ihrem Lieblingsbuch und Frisbeekünstler, die friedlich Kerzen auswehten. Irgendjemand sagte: "Hinterm Horizont geht's weiter." Und Michelle Hunziker erzählte von ihrem ersten Kuss. Naomi Campbell spendete ihre Anwesenheit und wurde mit rührender Parfumwerbung belohnt. Sie und Robbie Williams, der inmitten von Take That auch nicht mehr ist, was er war, ragten aus dem sonst nicht allzu prominenten Gästeensemble heraus. Um neue Wettkandidaten buhlte ein schüchterner Retrospot, bevor ein junger Mann, der im Handstand Glühbirnen mit seinen Zehen wechselte, noch andeutete, dass die Möglichkeit von Akrobatik in Wetten, dass ..? nicht vollends gestorben ist.

Thomas Gottschalks Eingangsrede, in der er verkündete, dass er den Unfall zum Anlass für einen sanften Abschied von der Show nimmt, machte die Inszenierung eines verantwortungsbewussten Unterhaltungsbetriebs perfekt. Schließlich drängte sich fast das Gefühl auf, dass Wetten, dass..? nach dem tragischen Vorfall nicht nur die Kurve gekratzt hat, sondern in der Neuerfindung als Biedermeier-Show beinahe übers Ziel hinausgeschossen ist. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 14.2.2011)

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    Der "Wettkoenig" Andreas Runkel. Der Schüler hat im Handstand Glühbirnen mit seinen Füßen eingeschraubt.

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