Schneller zu den Schnecken

15. Februar 2011, 18:23
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Osterie d'Italia 2011/12 erspart dem Fidler Stunden Strategiearbeit - Vini'Italia gleicht das freilich auf Kosten der Hirnzellen wieder aus

Ein kleiner Schritt für Slowfood, aber ein großer Schritt für den Schneckensucher, also mich: In der neuen deutschsprachigen Ausgabe von Osterie d'Italia, wie gewohnt herausgegeben von Hallwag, brauche ich nicht länger zwischen Karte und Einträgen hin- und herblättern und in mühsamer Kleinarbeit die Schnecken zu den passenden Orten zu krakeln, um möglichst viel und möglichst gutes Essen und Trinken in möglichst überschaubarer Zeit mit möglichst wenig Hinundherfahren unterzubringen. Ab sofort stehen die Schneckensymbole auch in der Karte bei den passenden Orten. Sehr praktisch.

Ebenso hilfreich: Bei Orientierung und Vergleich mit erwachsenen Karten schadet nicht, dass die Pläne nun über richtigen Karten mit ein bisschen Geografie, Tektonik, Orten ohne in dem Jahr empfohlene Wirte und vor allem Verkehrswegen unterlegt sind. Und wo wir schon beim Service sind: Das seit ein paar Jahren wieder in die deutsche Ausgabe übernommene Speisenlexikon am Ende des Buches lob ich seither jedes Jahr, und mit positiven Traditionen soll man nicht übereilt brechen. 

Aber auch ohne all das machte der Osteriaführer (hier rot, in Italien gelb) den Fidler nicht nur satt, sondern (oft) glücklich. Ich sage nur: Mehr als 1700 Wirtshäuser. Vermutlich hunderte, jedenfalls aberdutzende Schnecken. Und längst noch nicht alle durchprobiert. Ich fürchte, es wird wieder einmal Zeit für einen Ausflug.

Hallwag übersetzt natürlich nicht nur traditionell den Osteriaführer, sondern auch "Vini d'Italia" von Gambero Rosso, zuletzt in der 2011-er Ausgabe. Der wirft eine ernste Frage auf: Winzer des Jahres ist Walter Massa im Piemont - wieso waren wir da eigentlich noch nicht? Wie konnte das passieren?

Ruhiger referiere ich die übrigen Auszeichnungen, weil nicht im dauerfrequentierten Piemont:

  • Biondi Santi (Toskana) lieferte den "Rotwein des Jahres": Brunello di Montalcino Riserva 2004
  • Köfererhof (Südtirol) den "Weißwein des Jahres": Sylvaner 2009 R
  • Aus der Franciacorta, naturgemäß, der "Schaumwein des Jahres" von Le Marchesine (Lombardei) Franciacorta Brut 2005
  • Die Fattoria Zerbina (Emilia Romagna) produzierte nach Ansicht der Juroren den besten Süßwein Italiens: Albana di Romagna Passito AR Riserva 2006
  • Bestes Preis/Leistungsverhältnis, was für mich, biete Pievalta in den Marken mit dem Verdicchio dei Castelli di Jesi Classico Superiore 2009 (viel Name für wenig Geld, zudem)
  • Weingut des Jahres ist Eduardo Valentini in den Abruzzen, findet Gambero Rosso
  • Önologe des Jahres Ruben Laurentis von Ferrari im Trentino, nicht gerade eine kleine Quetschn
  • Der Aufsteiger des Jahres ist die Cantina Polverana aus Apulien
  • Und den Preis für nachhaltigen Weinbau bekam Sandi Skerk, klar, Friaul

Beim Studium der Vini d'Italia beschleicht mich der Verdacht: Beim Durchprobieren gehen zumindest soviele graue Zellen verloren, wie ich bisher zum strategischen Schneckenübertragen brauchte. Ein Nullsummenspiel. Es gibt unangenehmere. (fid)

  • Osterie d'Italia 2011/12Verlag: Hallwag912 Seiten, 29,90 EuroISBN: 9783833822537
    cover: verlag

    Osterie d'Italia 2011/12
    Verlag: Hallwag
    912 Seiten, 29,90 Euro
    ISBN: 9783833822537

  • Vini d'ItaliaVerlag: Hallwag1024 Seiten, 29,90 EuroISBN: 9783833822544
    cover: verlag

    Vini d'Italia
    Verlag: Hallwag
    1024 Seiten, 29,90 Euro
    ISBN: 9783833822544

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