Fast ein Mubarak

13. Februar 2011, 18:23
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Schlechter Gesundheitszustand, verzweigte Stützen und nichts davon nützt

Algerien hat mit (dem vorrevolutionären) Ägypten gemeinsam, dass es einen Präsidenten mit Dinosaurier-Qualitäten hat, dass es ebenfalls schon viel zu lange unter Ausnahmezustand steht und dass es eine große wirtschaftlich und politisch unzufriedene, junge Bevölkerung hat. Abdelaziz Bouteflika, seit 1999 im Amt, ließ 2009 die Verfassung ändern, um Präsident bleiben zu können. Mit Mubarak hat er den schlechten Gesundheitszustand gemein und dass er ein Mann des Militärs ist, mit zahlreichen anderen verzweigten Stützen seiner Macht - die jedoch im Fall Mubarak letztlich nichts genützt haben.

Anders als bei Mubarak liegt das, was Teile der Bevölkerung an ihn bindet, bei Bouteflika aber noch nicht so lange zurück: die Versöhnungspolitik nach den Bürgerkriegsjahren der 1990er, in denen 200. 000 Algerier getötet wurden. Die Angst vor Gewalt und Zerstörung ist angesichts dieser Erinnerung im Land groß.

Ob sie größer ist als der Leidensdruck derer, die die Fassade eines politischen Pluralismus, hinter dem sich ja doch nur blanker Autoritarismus versteckt, nicht mehr ertragen wollen, getraut man sich nicht mehr vorherzusagen. Es wird traditionell viel demonstriert in Algerien, aber jetzt geht es eben nicht mehr nur um Zucker und Speiseöl. Wobei die algerische Regierung die materielle Seite leichter in den Griff bekommen kann als die ägyptische: Sie hat Erdöleinnahmen und um 50 Millionen Menschen weniger. (Gudrun Harrer, STANDARD-Printausgabe, 14.02.2011)

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