Mubarak war bei den Schiiten unbeliebt

13. Februar 2011, 18:19
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Irakische Regierung zeigt wie Iran offen Freude am Sturz - Symboldatum 11. Februar

Obwohl die ägyptische Revolte mit dem Thema in keiner Weise etwas zu tun hatte, offenbart sich in den Reaktionen auf den Sturz Mubaraks eine Bruchlinie in der arabischen Welt: die sunnitisch-schiitische. Zwar haben sich die Staatskanzleien der sunnitisch-arabischen Staaten Statements über den "Willen des ägyptischen Brudervolkes" abgerungen. Aber offen freudig begrüßt hat den Fall Mubaraks jedoch nur der irakische Premier Nuri al-Maliki, ein Schiit.

Dabei hat er mit der Peinlichkeit zu kämpfen, dass im Irak ebenfalls tunesisch-ägyptisch inspirierte Kundgebungen stattfinden - obwohl der Irak seit 2003 befreit ist und eine gewählte Regierung hat (die jedoch auch elf Monate nach den Wahlen nicht komplett ist). Aber viele Iraker halten sie für korrupt und inkompetent.

Auch schiitische Geistliche im Irak sowie die schiitische Hisbollah im Libanon lobten den ägyptischen Umsturz. In der irakischen Politikerkaste war Mubarak allein schon deshalb unbeliebt, weil er 2006 den arabischen Schiiten im Allgemeinen und den irakischen im Besonderen unterstellte, sie würden quasi keine echten Araber sein, sondern Teheran gehorchen. Erst langsam verbesserten sich danach die wegen alter hegemonialer Hahnenkämpfe schon immer schwierigen irakisch-ägyptischen Beziehungen wieder.

Nicht jetzt, ihr Bahrainer!

Im kleinen Inselstaat Bahrain, in dem eine sunnitische Minderheit eine schiitische Mehrheit regiert, sind für Montag ebenfalls Proteste geplant - was den Kommentator der regierungstreuen Al-Watan zum Appell "Nicht jetzt, ihr Bahrainer!" veranlasste: Nach der Instrumentalisierung der ägyptischen Ereignisse durch Teheran (siehe Artikel oben) würden bahrainische Demonstranten nur dem Iran in die Hände spielen. Teheran sieht ja Bahrain, in dem es 1981 noch dazu einen schiitisch-islamistischen Putschversuch gab, gerne durch eine revisionistische Brille, denn es war früher Teil des persischen Reichs.

Ein Pech ist, dass die ägyptische Revolution am iranischen Revolutionstag, dem 11. Februar, stattgefunden hat: So mancher iranische Regimeangehöriger wird darin die Hand Gottes erkennen. Früh wurde in Kairo das Gerücht gestreut, dass der Iran an der Mobilisierung der Massen beteiligt war (das wurde, abseits jeder politischen Logik, auch über Israel behauptet). König Abdullah von Saudi-Arabien hatte die USA auch im Hinblick darauf vor einem Fallenlassen Mubaraks gewarnt, dass die auf der Seite der USA stehende arabische Front gegen das iranische Atomprogramm geschwächt würde, wenn Ägypten fällt.

Kairo und Teheran hatten nach der Revolution 1979 äußerst schlechte Beziehungen: Der Schah fand Asyl in Ägypten, sein Grab ist Anziehungsstätte für iranische monarchistische Wallfahrer. In Teheran wurde im Gegenzug 1981 eine Straße nach Khalid Islambuli genannt, dem Mörder von Anwar al-Sadat, der 1979 mit Israel Frieden geschlossen hatte. Die iranische Revolution war Inspiration für alle islamistischen Gruppierungen, schiitisch und sunnitisch. Und der Militärputsch in Ägypten wird nun ebenfalls von allen Islamisten bejubelt. (Gudrun Harrer, STANDARD-Printausgabe, 14.02.2011)

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