Ein Mythos und sein Preis

13. Februar 2011, 18:16
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Offiziere und Soldaten dürfen ihre Hand- und Faustfeuerwaffen (wenn auch ohne Munition) weiter mit nach Hause nehmen

Rund 300 Todesopfer durch Schusswaffen jährlich und die relativ höchste Zahl von Selbstmorden mit solchen Waffen in Europa: Diese harten Fakten waren chancenlos gegen den Mythos, den Mythos vom selbstbestimmten Eidgenossen, der seine und seiner Heimat Freiheit notfalls mit der Waffe in der Hand verteidigt und sie deshalb stets griffbereit zu Hause haben muss. 

Die Volksinitiative „Schutz vor Waffengewalt" fand weder eine Mehrheit unter den Stimmbürgern noch eine der Kantone. Offiziere und Soldaten dürfen ihre Hand- und Faustfeuerwaffen (wenn auch ohne Munition) weiter mit nach Hause nehmen, der private Erwerb von Schusswaffen wird nicht weiter erschwert.

Die Stimmenmehrheit gegen ein schärferes Waffengesetz fiel mit 57 Prozent deutlich aus. Noch weit höher war sie in vielen ländlichen Gebieten vor allem der östlichen Schweiz. „Das Schweizer Volk lässt sich nicht so einfach entwaffnen, die Schweizer Werte werden in diesem Land hochgehalten", meinte ein prominenter Gegner der Initiative, der christdemokratische Abgeordnete Jakob Büchler.

Daran ist zweierlei bemerkenswert: dass freier Schusswaffenbesitz zum Wert einer Gesellschaft hochstilisiert wird (was man sonst nur aus den USA kennt); und dass dieser Wert etwas mit christlicher Ethik zu tun haben soll - trotz des Faktums, dass umso mehr Menschen durch Schusswaffen sterben, je mehr davon im Umlauf sind. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, Printausgabe, 14.2.2011)

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