Opernstatik auf hoher Wagner-See

13. Februar 2011, 18:15
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Richard Wagners "Fliegender Holländer" an der Wiener Staatsoper

Wien - Auf und ab geht es in dieser ersten Staatsopernsaison von Dominique Meyer mit den Sängerleistungen (abseits der Premieren) - in den recht kurzfristigen, oft mit Krankheit begründeten Umbesetzungen drückt es sich aus. Mozart war kürzlich davon betroffen (Così) und auch Charles Gounod: Bei dessen Romeo und Julia sprang Alexandra Reinprecht (noch am 14. 2.) für Jaël Azzaretti ein.

Da die gesundheitsbedingten Ausfälle auffällig oft mit der schlechten Resonanz Hand in Hand gehen, die Sängerleistungen auslösen, ist schwer zu entscheiden: Soll man der Staatsoper wünschen, endlich vom etwaigen Grippefluch befreit zu werden, oder doch eher, die Treffsicherheit bei der Sängerauswahl zu erhöhen? Man wünscht natürlich beides und prognostiziert, dass es zumindest bei diesem Fliegenden Holländer keinen Anlass gibt, schnell Partien umzubesetzen.

Nicht dass die Holländer-Aufführung an jene szenisch-musikalische Qualität herangekommen wäre, die zuletzt bei Billy Budd zu erleben war. Vor allem die erratische Präsenz der gewichtigen Herren dieser zwischen putzig und putzig-gruselig changierenden Inszenierung von Christine Mielitz wirkte etwas einschläfernd.

Immerhin aber würzte Stephen Gould (als Erik) seine Bühnenstatik mit durchdringender vokaler Robustheit. Da konnten Walter Fink (etwas kraftlos als Daland) und Albert Dohmen (klanglich etwas rau als Holländer) nur wirklich mithalten, so es um schablonenhafte Spielkunst ging.

Da waren allerdings auch noch der sehr elegant klingende Norbert Ernst (als Steuermann) und natürlich Adrianne Pieczonka (als Senta): An den extrovertierten Stellen vermochte sie durchaus so etwas wie glaubwürdiges Musiktheater herbeizugestalten (solide Aura Twarowska als Mary).

Und da auch Peter Schneider und das Staatsopernorchester meistens erfolgreich versuchten, Intensität nicht nur durch Lautstärke zu erwirken, wurde das Ganze zu mehr als der Summe seiner nicht immer formidablen Teile. (Ljubisa Tosic / DER STANDARD, Printausgabe, 14.2.2011)

 

Am 15., 18., 22., 25. 2., 19.30

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