Das G'riss um die teuren Universitäten

13. Februar 2011, 18:11
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Das rote St. Pölten unterlag im Match um eine private Medizin-Uni in Niederösterreich gegen das schwarze Krems. Ob das Prestigeprojekt des Landes überhaupt notwendig ist, ist freilich umstritten

St. Pölten / Wien - Angehenden Medizinern sollte sie neue Optionen eröffnen, St. Pölten einen Schritt weiter in Richtung Gesundheitsstandort bringen: eine private Medizin-Universität in der Landeshauptstadt. Im Moment ist das Projekt für die rote Stadt aber vor allem eines: ein Kampf mit dem schwarzen Land. Denn das hat andere Pläne. Nur gut zwei Wochen, bevor der Gemeinderat in St. Pölten Ende Jänner eine Resolution zur Errichtung einer Privat-Uni beschloss, hatte Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) bereits seine Pläne für eine private Med-Uni präsentiert - im VP-regierten Krems.

In der Landeshauptstadt wäre ein Ableger der Sigmund-Freud-Uni für rund 600 Studenten und Gebietskrankenkassen-Gebäude geplant. Es gebe einen privaten Investor, Stadt und Land müssten kein Geld in die Hand nehmen. Die große Klinik in der Stadt und die Verkehrsanbindung sind aus St. Pöltner Sicht weitere Argumente, die gegen Krems sprechen. Aber für die Ärzte-Ausbildung braucht es Praktikumsplätze - und die gäbe es im St. Pöltner Landesklinikum nach jetzigem Stand nur für Kremser Studenten, ließ der für die Landesklinikenholding zuständige Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka (VP) ausrichten.

Es bleibt also bei einer privaten Med-Uni in Niederösterreich, und die soll schon im Wintersemester 2013 ihren Betrieb aufnehmen. Wirklich gebraucht wird sie allerdings nicht, wie der Wissenschaftsrat in seinem Papier "Universität Österreich 2025" festhält: "Die Zahl der österreichischen Universitäten sollte keinesfalls erhöht werden. (...) Insbesondere ist ein finanzielles Engagement des Bundes bei der Gründung weiterer Medizinischer Universitäten nicht zu empfehlen und zu verantworten, da bereits jetzt die drei etablierten Medizinischen Universitäten einen erheblichen Anteil an den Gesamtaufwendungen für die Hochschulen haben."

"Öffentliche Unis stärken"

An privaten Unis wie der in Krems darf sich der Bund laut Gesetz nicht beteiligen; auch das Land stellt "nur" 20 Millionen für die Infrastruktur zur Verfügung und fungiert als Partner für eine noch zu gründende Gesellschaft. Für Guido Adler, Mitglied des Wissenschaftsrates und Vizepräsident der Universität Ulm, ist es "grundsätzlich nicht verwerflich, wenn Bundesländer versuchen, bestimmte Bereiche zu stärken. Aus gesamtösterreichischer Sicht ist das aber anders zu bewerten. Es wäre gut, die drei öffentlichen Medizin-Unis zu stärken", sagte Adler dem Standard.

Dass öffentliche Hochschulen - in Krems sind es die Technische Uni und die Med-Uni Wien - mit privaten kooperieren, hält Adler "immer für sinnvoll". Die Ärztekammer ist da schon skeptischer, Präsident Walter Dorner sprach von einem "Schrebergarten für pensionierte Professoren". Hintergrund: Das Medizinstudium ist - nicht zuletzt auf Wunsch der Ärzte - von der Bologna-Architektur ausgenommen; in Krems soll es aber Bachelor- und Master-Studien geben. "Es ist der Versuch, gemeinsam mit den traditionellen Unis ein neues Modell zu kreieren", sagt Joachim Rössl, Leiter der Wissenschaftsabteilung des Landes Niederösterreich.

Wichtigster Beweggrund für die Uni-Gründung ist für Rössl ein drohender Ärztemangel; den wiederum hält Wissenschaftsrat Adler für überbewertet: "Man muss den Arztberuf in Österreich attraktiver machen und über Turnus und Weiterbildung reden, bevor man private Unis baut."

Dass die Qualität an der privaten Uni stimmt, dafür sollen TU und Med-Uni sorgen, sagt Rössl. Zudem muss das Curriculum vom Akkreditierungsrat abgesegnet werden. Derzeit gibt es in Österreich 13 anerkannte Privatuniversitäten. Die Akkreditierung wird für fünf Jahre erteilt und kann jederzeit wieder entzogen werden.

Elite soll ins Burgenland

Niederösterreich ist übrigens nicht das einzige Bundesland, das sich im Hochschulbereich profilieren möchte: Im burgenländischen Schloss Kittsee soll eine Privatuniversität mit Schwerpunkt Sicherheit entstehen, wie Landeshauptmann Hans Niessl (SP) in der Vorwoche bekanntgab. Schon kommendes Sommersemester soll ein eingeschränkter Betrieb in Zusammenarbeit mit ungarischen Unis starten. Bis 2013 soll die Einrichtung den Rang einer Privat-Uni erreichen. (Andrea Heigl, Gudrun Springer, DER STANDARD, Printausgabe, 14.2.2011)

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