Universitäre Schrebergärten

13. Februar 2011, 18:05
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Während ausländische Studierende die öffentlichen Unis fluten, baut sich ein Landeshauptmann eine private Med-Uni

Es war bloß eine Randnotiz, aber sie sagt einiges über die bildungspolitische Verfasstheit des Landes aus: Mit der privaten Medizin-Uni in Krems, erklärte Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) stolz, möchte man jungen Niederösterreichern die Chance geben, auch in Niederösterreich zu studieren. Auf den Gedanken, dass junge Leute für das Studium ihre Heimat gar nicht ungern verlassen, scheint man in St. Pölten nicht gekommen zu sein - ebenso wenig wie darauf, dass den Studierenden egal ist, aus welchem Budget-Topf die Unis finanziert werden. 

Denn für tausende junge Leute, die mangels Studienplätzen keine Mediziner werden können, muss das wie ein Hohn klingen: Während ausländische Studierende die (ohnehin aus allen Nähten platzenden) öffentlichen Unis fluten, baut sich ein Landeshauptmann eine private Med-Uni. Glücklich kann sich wähnen, wer Niederösterreicher ist, denn trotz 20 Millionen Euro für die Uni-Infrastruktur soll noch Geld für ein Stipendiensystem für die Landsleute (und nur für die!) bleiben. 

An der Universität selbst ist das Land nicht beteiligt; sogar das ginge aber laut Gesetz. Von Landespolitikern kann man wohl kaum erwarten, sich solche Prestigeprojekte zu sparen. Aber auch die Bundesregierung, die eigentlich das große (finanzielle) Ganze sehen sollte, tut nichts gegen die universitären Schrebergärtner. Sie müsste das rare Geld für Bildung so bündeln, dass jeder etwas davon hat. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 14.2.2011)

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