Sicherheitskräfte verhindern Marsch in Algier

Das algerische Regime ließ es gar nicht darauf ankommen: In Algier wurde das Zentrum abgeriegelt, bis zu 15.000 Demonstranten drangen dennoch in dieses vor und verlangten den Rücktritt Präsident Bouteflikas

Die erste Runde geht an das Regime von Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika. Ein starkes Polizeiaufgebot verhinderte am Samstag eine Demonstration in der Hauptstadt Algiers für die Aufhebung des seit 19 Jahren gültigen Ausnahmezustandes und demokratische Reformen. Mobilisiert hatte die Nationale Koordination für den Wandel und die Demokratie (CNCD), ein Bündnis aus unabhängigen Gewerkschaften, Oppositionsparteien, Menschenrechts- und Jugendorganisationen sowie Intellektuellen.

Bereits in der Nacht auf Samstag war es in Algier zu ersten Auseinandersetzungen zwischen Oppositionellen und der Polizei gekommen, als sich spontan mehrere hundert Menschen im Stadtzentrum trafen, um die Revolution in Ägypten zu feiern. "Nach Mubarak jetzt Bouteflika", riefen sie. Am Morgen glich Algier einen Heerlager. Bis zu 30.000 Polizisten hatten das Zentrum besetzt und die Zufahrtsstraßen so wie die Bahn abgeriegelt. Auf der geplanten vier Kilometer langen Demonstrationsroute vom Platz des 1. Mai zum Platz der Märtyrer standen überall Sondereinsatzkommandos.

Mehrere hundert mutmaßliche Demonstranten wurden festgenommen, unter ihnen auch der 90-jährige Ehrenvorsitzende der algerischen Menschenrechtsliga, Ali Yahia Abdenour. Dennoch wuchs die Menge auf 10. 000 bis 15.000 Menschen an. Namhafte Künstler aus der Rapszene wurden mit Applaus begrüßt. Nicht so die Nummer zwei der verbotenen Islamischen Heilsfront (FIS), Ali Belhadj. "Bärtige raus!", schallte es ihm entgegen.

Die Menge skandierte die bekannte Parole "Das Volk wird das Regime zum Einsturz bringen" sowie "One: Tunisie! Two: Egypte! Three: Vive l'Algérie!". Ein Ausbruch von etwa 2000 Protestierenden aus dem Kessel war von kurzer Dauer. Die Veranstalter erklärten den Marsch für beendet, als eine Gruppe von Provokateuren auftauchten, "die wie in Ägypten vor wenigen Tagen aggressiv den Präsidenten verteidigten", wie der Vorsitzende der Menschenrechtsliga, Mustafa Bouchachi, am Telefon berichtete: "Wir werden es solange versuchen, bis wir endlich marschieren können." (Reiner Wandler, STANDARD-Printausgabe, 14.02.2011)

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