Verflüchtigte Meisterträume und ein Trainer auf der Flucht

13. Februar 2011, 17:47
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Rapid ist mit einem 0:2 in Wiener Neustadt ins Frühjahr gestartet und schreibt den Titel vorerst einmal ab. Zu viele andere Vereine haben schon viel zu viele Punkte gemacht. Peter Pacult gab sich wortkarg.

Wiener Neustadt - Es gibt Momente, die ziehen sich manchmal über Stunden oder Tage. Da ist es sogar für tollkühne Menschen ratsam, Peter Pacult nicht anzusprechen. Weder blöd noch gescheit. Da zieht er sich zurück in seine innere Einsamkeit, starrt Löcher in die unschuldige Luft, steigt in den grünen Rapid-Bus ein. Kommt wieder raus, wer sitzt schon gerne auf Nadeln. Pacult verschwindet hinter einer Holzbaracke, wechselt die Position, denn zwischen zwei Rettungsautos lässt es sich noch frustrierter sein und angefressener dreinschauen. Das Stadion in Wiener Neustadt, ein Dorfplatz mit Warmwasser in den Kabinen, bietet zwar wenig, aber doch allerlei Verstecke für einen Rapid-Trainer nach einem 0:2.

Dabei soll die Vorbereitung optimal verlaufen sein. Besser als in den Jahren davor, da setzte es zum Frühjahrsauftakt Niederlagen gegen Salzburg beziehungsweise den LASK. Die angestrebten Meistertitel waren praktisch vergeigt, nun droht der Hattrick. "Vom Titel brauchen wir nicht reden, wir haben ein großes Problem. Wenn wir nicht bald einen Lauf hinlegen, wird es noch größer", sagte Steffen Hofmann, der nach monatelanger Verletzungspause ein halbstündiges Comeback gab. Es fiel ganz passabel aus. Der Lauf soll am Sonntag in Salzburg gestartet werden. Noch einmal Hofmann: "Das große Problem ist, dass so viele Teams vor uns liegen. Ried allein wäre ja nicht so arg."

Rapid konnte in Wiener Neustadt rund ein Dutzend Chancen kreieren, man hat also schon kläglicher verloren. Helge Payer durfte wieder im Tor stehen. Pacult teilte das Raimund Hedl zwei Stunden vor Anpfiff ohne Begründung mit, der hat die Entscheidung akzeptiert. "Ich bin nicht der Typ, der in Zeitung stehen muss, wenn er nicht spielt. Das machen andere." Payer ist sich übrigens "zu hundert Prozent sicher gewesen" die neue alte Nummer eins zu sein. An den Gegentoren hatte er maximal eine minimale Teilschuld. "Es war trotzdem ein rabenschwarzer Tag."

Pacult musste doch ein paar Worte granteln, es steht im TV-Vertrag, dass man vor dem Bezahlsender Sky nicht flüchten darf. "Es war immer irgendein Körperteil eines Wiener Neustädters dazwischen. Ärgerlich."

Rapid hat einige Baustellen anzubieten. Die Abwehr versetzt die gegnerischen Stürmer selten in Panik, der Norweger Ragnvald Soma mag zwar ein ordentliches Stellungsspiel haben, das wird aber von seiner beeindruckenden Langsamkeit deklassiert. Vor dem 2:0 wurde er vom großartigen Schützen Guido Burgstaller ("Wir haben uns nicht angemacht") zweimal düpiert. Das Sturmduo Nuhiu/Vennegoor of Hesselink ist nur groß. Die Sorgen der Neustädter sind andere und noch grundsätzlichere, Frank Stronach zieht sich bekanntlich zurück, man will trotzdem eine Lizenz bekommen. Trainer Peter Schöttel sprach "von einem wunderschönen Tag" und davon, "dass dieses Existenzproblem ein Thema ist. Aber nicht in den 90 Minuten eines Spiels."

Rapid-Fans skandierten "Pacult raus" und "Schöttel rein". Pacult: "Wer Eintritt zahlt, darf alles sagen." Schöttel thematisierte eine Rückkehr nach Hütteldorf nicht. "Ich wohne ja im 14. Bezirk, bin eh dort." Pacult hat das nicht gehört. Zwischen zwei Rettungsautos ist die Welt noch in Ordnung. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 14.02.2011)

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    Christopher Drazan hat eigentlich ganz gut gespielt.

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