Italien hofft auf Draghi in EZB

13. Februar 2011, 17:44
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Rom nominiert für Trichet-Nachfolge - Heikle Balance

Brüssel/Berlin/Rom - Nach dem Verzicht des deutschen Bundesbankchefs Axel Weber ("Fühlte mich isoliert") auf die mögliche Nachfolge von Jean-Claude Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) sieht Rom eine gute Chance für Mario Draghi, den Chef der Banca d'Italia. Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi gab am Wochenende grünes Licht für seine Kandidatur.

Draghi - wie Weber ein Vertreter strikter Hartwährungspolitik - wird seit Monaten als chancenreich gehandelt für einen Wechsel nach Frankfurt. Der 63-Jährige steht für eine Wirtschaftspolitik, die seine Akzeptanz durch die deutsche Regierung im Notfall garantieren könnte, sollte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel einen eigenen Kandidaten nicht durchbringen.

Draghi steht seit sechs Jahren an der Spitze der italienischen Notenbank, zuvor war er Direktor bei Goldman Sachs, Exekutiv-Direktor der Weltbank und Berater des italienischen Schatzamtes.

Die deutsche Regierung will nun zuerst rasch für eine Nachfolge Webers an der Bundesbankspitze sorgen. Der Anspruch auf die EZB-Führung besteht weiter. Neben Klaus Regling, dem Chef des Euro-Rettungsfonds, käme Jürgen Stark, der als Chefökonom seit 2006 in der EZB sitzt, infrage.

Regling hat keine Notenbankerfahrung. Der frühere SPD-Finanzminister Peter Steinbrück hat abgesagt. Stark würde die heikle Balance zwischen den großen Euroländern erleichtern, indem Frankreich dann einen Franzosen nachnominiert. Das EZB-Direktorium besteht aus sechs Mitgliedern.

Ende Mai muss die Österreicherin Gertrude Tumpel-Gugerell ausscheiden. Der Belgier Peter Praet und die Slowakin Elena Kohutikova, beide Notenbanker, haben gute Chancen. Fix sind sie nicht. (tom, tkb, DER STANDARD, Printausgabe, 14.2.2011)

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