Aufwärtstrend der US-Leitindizes intakt

13. Februar 2011, 16:50
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Hans Engel

Der Aufwärtstrend der US-Leitindizes setzt sich fort. Alle wichtigen US Leitindizes konnten in dieser Woche abermals Zugewinne erzielen. Der S&P 500 stieg um 1,13%, der Dow Jones um 1,4%. Der Volatilitätsindex VIX notiert nun bei 16,1. Dies reflektiert die aktuelle Zuversicht der Investoren, die erfahrungsgemäß nach starken Indexanstiegen am größten ist. Der jüngste Rückgang des Ölpreise (WTI-Öl: -4,3% in der letzten Woche) hat sicherlich ebenso dazu beigetragen, wie die nach wie vor niedrigen Renditen bei US-Staatsanleihen.

Hinsichtlich der Sektorentwicklung zeigten auch zuletzt wieder die zyklischen Aktien eine deutliche
Outperformance. Der größte Anstieg war im Bereich der Automobilzulieferer zu beobachten (+8,54%). Auch Aktien aus den Bereichen Baumaterialien (+5,8%), Einzelhandel (+3,6%) und Computer (+3%) zählten zu den stärksten Gewinnern. Lediglich Energiewerte (-0,5%), Pharmatitel (-0,04%) und Biotechnologie (-0,24%) mussten Verluste hinnehmen.

Eine der wenigen bedeutenden Firmen mit schlechten Unternehmensergebnissen ist wieder einmal  Cisco Systems. Der Netzwerkprodukthersteller leidet aktuell am starken Wettbewerb, der zu Umsatzeinbussen und Margenrückgängen führt. Die Firma berichtet diese Woche Quartals-Verkaufszahlen, die etwa auf dem Niveau vor zwei Jahren lagen (USD 10,4 Mrd.). Die Bruttomarge, aber auch das operativen Ergebnis verschlechterte sich. Erfolgreiche Unternehmen sehen anders aus. Die Aktie kam deshalb nach Veröffentlichung der Quartalsbilanz stark unter Druck (-14%) und dürfte in den kommenden Wochen mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre relative Schwäche zum S&P 500 Index fortsetzen.

Weitaus besser laufen die Geschäfte hingegen aktuell bei den Mitbewerbern Juniper Networks, Alcatel-Lucent aber auch bei Hewlett Packard. HP ist nämlich nach der erfolgreichen Übernahme von 3Com ebenfalls zu einem wichtigen Konkurrenten von Cisco Systems geworden.

Auch im Lebensmittelsektor wird der Wettbewerb härter. Kraft Foods kämpft mit gestiegenen
Einkaufspreisen für die Rohstoffe (Kaffee, Käse, Fleisch etc.). Bei fast allen in Europa verkauften Produkten bzw. bei etwa der Hälfte der in den USA abgesetzten Waren wurden bereits Preiserhöhungen durchgeführt. Weitere Preiserhöhungen sind geplant. Auf die von der FED ausgewiesene US-Inflationsrate haben Preisanstiege bei Lebensmitteln und auch bei Energie übrigens keinen (!) Einfluss, weil das bei der Berechnung der Kerninflationsrate schlichtweg nicht berücksichtigt wird. Konsumenten und Unternehmen wissen, dass die ausgewiesene Inflation mit der Realität nur wenig zu tun hat, zumal Ernährung und Energie üblicherweise wichtige Kostenfaktoren darstellen. Für Kraft Foods stellt das eine große Herausforderung dar, weil die Käufer tendenziell zu billigeren Produkten ausweichen. Aus diesem Grund hat der Konzern die Erwartungen für das Gewinnwachstum für dieses Jahr herabgesetzt. Während Rohstoffaktien derzeit von steigenden Preisen profitieren, sind die Lebensmittelfirmen aktuell immer stärkerem Kostendruck ausgesetzt.

Der geplante Zusammenschluss der Deutschen Börse AG mit der New York Stock Exchange dürfte
voraussichtlich erfolgreich sein, zumal es aktuell wenig Widerstände dagegen gibt. Der klare technologische Vorsprung der Deutschen Börse bei der Handelsabwicklung sollte mittelfristig eine deutliche Qualitätsverbesserung bei Orderausführungen der NYSE-Euronext bringen. Die schwachen operativen Ergebnisse der NYSE-Euronext könnten voraussichtlich durch die geplante Fusion deutlich verbessert werden. Das ist offenkundig eine der wenigen Situationen, in denen ein Unternehmenszusammenschluss wirklich das Potenzial hat, für die Aktionäre nachhaltigen Mehrwert zu schaffen.

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