Kanadas Glück und Pech

13. Februar 2011, 16:56
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Der Abfahrtstriumph von Erik Guay hellt die Zukunft seines Verbandes etwas auf

Garmisch-Partenkirchen - Patrick Riml zeigt auf seine Brust und also auf den Teampullover des kanadischen Skiverbandes. "Der ist weg, der ist weg, der ist weg, der ist weg." Er zeigt auf die aufgenähten Logos, die für die Sponsoren des Verbandes stehen. Die Verträge laufen zu Saisonende aus.

Der Tiroler Riml macht den Sportdirektor der ACA (Alpine Canada Alpin), und er sagte das ein paar Stunden nach dem eher überraschenden Triumph von Erik Guay (29), der sich Abfahrts-Gold vor dem Schweizer Didier Cuche und Christof Innerhofer, dem Super-G-Weltmeister aus Italien, genommen hatte. Der Sieg verbessert die Verhandlungsposition. Was den Oberösterreicher Max Gartner freut, den Präsidenten der ACA, der noch drüben weilt in Kanada, um über die Zukunft zu feilschen, und erst am Mittwoch nach Bayern kommt.

Der lange Schatten der olympischen Spiele

Den Kanadiern ist es gutgegangen. Schuld daran waren die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver. In den Jahren davor steckten Firmen und Gönner richtig viel Geld in die kanadische Skifahrt. Und so toll Guay auf der Kandahar arbeitete, so blöd ist es, global gesehen, dennoch gelaufen. John Kucera wurde 2009 in Val d'Isère Abfahrtsweltmeister, ehe er sich schwer verletzte. Just bei den Heimspielen blieben die Kanadier medaillenlos. "Sie waren übermotiviert. Und mit Gewalt geht gar nichts", stellt Riml rückblickend fest. Guay schaffte in Abfahrt und Super-G jeweils einen fünften Platz.

"Skifahren ist ein feiner Sport, es muss so viel zusammenpassen. Manchmal sind die Hundertstel auf deiner Seite, manchmal nicht", kommentiert Guay. Bei ihm passte heuer bis zum großen Tag wenig zusammen. Er litt unter Rückenschmerzen, musste einige Rennen, darunter Garmisch und Bormio, auslassen.

Guay: "Es war ein hartes Jahr. Alle Augen schauten auf die olympischen Medaillengewinner. Die Kristallkugel, die ich im Super-G gewonnen habe, lag unterhalb des Radars. Wie das jetzt mit der Goldenen ist, ist mir egal. Ich bin stolz darauf. Ich weiß, wie viel die wert ist, wie viel Arbeit dahintersteckt." Jedenfalls konnte jeder Kanadier, der wollte, sich Guays große Tat live im Fernsehen anschauen. In Quebec, wo der frankofone Guay herkommt, lief das Rennen um fünf Uhr früh, in Calgary, dem Sitz des Verbandes und Standort des Trainingszentrums, wo sich Guay im vergangenen Jahr ein Haus gekauft hat, um drei in der Früh.

Guay und Garmisch

Garmisch-Partenkirchen ist jedenfalls ein guter Boden für Guay, dort gewann er 2007 die erste Weltcupabfahrt seines Lebens, mit einem Sieg im Vorjahr beim Weltcupfinale sicherte er sich die Gesamtwertung im Super-G. Ein guter Boden ist auch Kirchberg in Tirol, wo die Kanadier winters logieren. Und dass sie mit den Norwegern seit drei Jahren in Trainingsgemeinschaft leben, passt Guay nicht nur trainingstechnisch gut ins Konzept. "Meine Großmutter ist Norwegerin."

Guays Tat beglückt nicht nur die spezifisch interessierten Kanadier, sie beglückt auch den Tiroler Robert Trenkwalder. Denn ehemalige ÖSV-Abfahrtstrainer ist Leiter des Red Bull Athletes Special Projects. Und seine Idee war es, vor fünf Jahren Guay in das Projekt mit dem Trainingsstützpunkt in Thalgau aufzunehmen. 480 Sportler zählen dazu, darunter nur drei alpine Skifahrer, neben Guay die US-Amerikanerin Lindsey Vonn und seit dieser Saison der Norweger Aksel Lund Svindal. "Warum gerade der Guay, bin ich immer gefragt worden", erzählt Trenkwalder, "weil ich gewusst habe, dass er es draufhat." (bez, DER STANDARD Printausgabe, 14.2.2011)

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    Der Kanadier Erik Guay feiert seinen WM-Titel.

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