Volksinitiative

"Das Schweizer Volk lässt sich nicht entwaffnen"

Klaus Bonanomi aus Bern, 13. Februar 2011, 17:54
  • Artikelbild
    foto: reuters/hartmann

    Die Gegner der Initiative für eine Verschärfung des Waffenrechts in der Schweiz kämpften in den letzten Wochen mit einer umfangreichen Plakatkampagne um Nein-Stimmen - mit Erfolg.

Die Schweizer haben sich bei einem Volksbegehren am Sonntag klar gegen ein schärferes Waffenrecht ausgesprochen: 57 Prozent stimmten gegen strengere Gesetze - In den Landkantonen war die Ablehnung besonders hoch

Das Schweizer Volk hat sich am Sonntag überraschend deutlich gegen ein verschärftes Waffenrecht ausgesprochen. Das Volksbegehren "Für den Schutz vor Waffengewalt" wurde mit rund 57 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Dies bedeutet: Auch künftig werden die Schweizer Wehrmänner ihre Armeewaffe zuhause aufbewahren können; es wird kein nationales Waffenregister eingeführt, und eine Waffe kann auch künftig ohne Bedarfsnachweis und Fähigkeitszeugnis erworben werden.

"Das Schweizer Volk lässt sich nicht entwaffnen." So kommentierte der christdemokratische Abgeordnete Jakob Büchler die Ablehnung der Waffeninitiative. Die Gegner des Begehrens hatten in der Tat immer von der "Entwaffnungs-Initiative" gesprochen und davor gewarnt, ein Ja zu dem Begehren würde nicht mehr, sondern weniger Sicherheit bringen.

Der Vorsitzende des Nein-Komitees, Hans Grunder von der Bürgerlich-Demokratischen Partei, zeigte sich im Schweizer Rundfunk zufrieden: "Das Volk will keine Abschaffung der Armee in Raten." Zudem habe der Staat in den letzten Jahren bereits einiges getan, um die Sicherheit zu erhöhen: So werde Wehrmännern die Munition nicht mehr nach Hause abgegeben und die kantonalen Waffenregister verlinkt, was etwa die selbe Wirkung habe wie ein nationales Waffenregister. "Die Waffeninitiative war so gesehen eine Zwängerei, die nicht viel gebracht hätte. Das haben die Leute eingesehen."

Enttäuscht war man auf linker und grüner Seite. Die sozialdemokratische Abgeordnete Evi Allemann sagte, offenbar nehme die Mehrheit weiter in Kauf, dass jedes Jahr 250 Menschen durch Armeewaffen ums Leben kämen. "Dagegen werden wir weiter ankämpfen, nun eben mit anderen Mitteln." Die Gegner des Begehrens hätten zudem mehr Geld zur Verfügung gehabt und in den letzten Wochen noch unentschlossene Stimmbürger mit einer Angstkampagne überzeugt. Auf einem Plakat war etwa ein hämisch grinsender Gangster mit Sonnenbrille und Pistole zu sehen - der Slogan: "Waffenmonopol für Verbrecher? Entwaffnungs-Initiative Nein!" Und dies, obwohl in einem demokratischen Rechtsstaat der Kampf gegen bewaffnete Verbrecher eine Sache der Polizei ist und kein Fall für Bürgerwehren.

Auffällig war, dass das Volksbegehren zum Waffenschutz vor allem in den Landkantonen massiv abgelehnt wurde, während die Städte mehrheitlich dafür stimmten. Dies dürfte nicht nur daran liegen, dass die Schweizer Städte mehrheitlich rot-grün regiert werden, sondern auch daran, dass das Schießwesen und die Schützenvereine in den Dörfern traditionell noch viel stärker verwurzelt sind als in den Städten.

Trend zu AKW-Neubauten

Aufsehen erregte weiter eine Abstimmung im Kanton Bern zu Thema Atomenergie. In einer Kosultativ-Abstimmung sprach sich eine ganz knappe Mehrheit dafür aus, dass das Atomkraftwerk Mühleberg bei Bern nach dessen Ablauf durch ein neues AKW ersetzt werden kann. In den nächsten Jahren stehen in der Schweiz weitere Entscheide über AKW-Neubauten an. Das knappe Ja aus dem Kanton Bern dürfte deshalb von den Promotoren der Atomenergie als positives Signal aufgefasst werden. Freilich ist zu bemerken, dass der Kanton Bern in der Vergangenheit atomfreundlicher abgestimmt hat als der Rest der Schweiz. So lässt sich aus dem gestrigen Ergebnis wohl nur ablesen, dass die Frage "Atomkraft Ja oder Nein" die Schweizer Bevölkerung spaltet und dass weitere harte Abstimmungskämpfe anstehen. (Klaus Bonanomi aus Bern, STANDARD-Printausgabe, 14.02.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 706
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
denke
00

Wollen wir eine Gesellschaft, in der nur mehr das System und der Verbrecher eine Waffe hat, der Bürger aber nicht?
UND:
Es hat wohl seine Gründe, warum die Schweizer noch Volksabstimmungen machen dürfen.
Während etwa in Frankreich und Holland stattgefundene Volksabstimmungen zur EU-Verfassung, die nicht das gewünscht Ergebnis gebracht haben, schlicht und einfach ignoriert werden und das Volk schon so abgestumpft ist das es keinen Widerstand mehr gibt.
Das wäre in der Schweiz undenkbar.

das ist fix
00
17.4.2011, 19:19

"mit rund 57 Prozent Nein-Stimmen "
Nur mit so einer Einstellung konnte die Schweiz das schlimmste Regime des 20. Jahrhunderts auf Distanz halten.

Der Gütige
00
23.2.2011, 11:48
Wäre das in Libyen der Fall - alles wäre schon vorbei!

delysid
05
14.2.2011, 15:07
Sicherheit geht vor!

Darum brauchen wir:
*Transparenzdatenbank
*Pässe mit biometrischen Daten
*Sicherheitspolizeigesetz
(abhören ohne richterlichen Befehl DAVOR einzuhohlen, Speicherung aller Verbindungsdaten von Computer u. Handy, etc.)
*§ 278a (ohne Kommentar...)
*INDECT (Eu weite Vernetzung aller Überwachungsdaten)
*Eu weite Waffenregistrierung

Im Grunde wird so gut auf uns aufgepasst, wer braucht da noch eine Waffe?

BatoutofHell
13
15.2.2011, 12:52
Jetzt wo ich Ihre Auflistung so lese

möcht ich auch eine stg77 im kasten haben.

wrkskrfz
13
14.2.2011, 15:52
Jetzt wo ich Ihre Auflistung so lese

fühle ich mich gleich viel sicherer.

Selfdefense
16
14.2.2011, 14:33
Neutralität ohne Waffen ist unwirksam

Der einzige Grund, warum die Schweiz im 2ten Weltkrieg neutral bleiben konnte, war die Tatsache, das die Schweiz keine Armee hat sonder eine Armee ist. Frage eines deutschen Generals "Was würde ihre halbe Million Soldaten machen, wenn die Wehrmacht mit einer Million Männer in die Schweiz einfiele?". Antwort: "Zweimal schießen und dann heimgehen."

Morney
23
14.2.2011, 18:15

Die Schweizer konnten deshalb neutral bleiben weil sie für Hitler eine Plattform boten auf dem er international handeln konnte und die Nazis ihre Goldreserven sicher in den Schweizer Banken platziert hatten.

Die Schweizer sind wegen ihrer Prostitution verschont geblieben und nicht wegen ihrer Armee, welche gegen die damalige Wehrmacht nicht einmal ansatzweise etwas ausrichten hätte können.
Es hätte höchstens zum Guerillakrieg kommen können wie in Afghanistan.

load "*",8,1
01
16.2.2011, 15:58

exact. und dort hat bis jetzt noch nie eine "wehrmacht" gewonnen. noch nicht mal die russen ...

Trabant Turbo GTI
15
15.2.2011, 09:52
Schweiz mit Dreck bewerfen?

Aber gleichzeitig musste der damalige Schweizer Verteidigungsminister (anstelle seines Generals) zurücktreten, weil der General geheime Gespräche mit Frankreich geführt hat?!

Ja gegenüber wem hat die Schweiz jetzt sich prostituiert?

Warum denn der Bau von ca. 1000 Bunkeranlagen allein im Jahr 1940? Was war mit den abgeschossenen Deutschen Jagdflugzeugen über dem Jura?

Ihnen geht es nur darum, der Schweiz Dreck anzuwerfen.

Mathias
 
04
15.2.2011, 09:29
Deutschland und Italien haben die "Alpenfestung Schweiz" immer gefürchtet!

Denen war das Unternehmen, die Schweiz zu erobern zu schwer und umständlich. Die eigenen Verluste wären viel zu groß gewesen, weil sie wussten, die Schweizer wollten keinen Anschluß!

Es gab aber einen Plan von H.itler und Muss.olini, die Schweiz von zwei Seiten aus anzugreifen!

( http://www.artfilm.ch/suissepen... uerred.php )

( http://www.uek.ch/de/index.htm )

Es gab auch einzelne Luftgefechte mit der deutschen Luftwaffe. Wobei die Schweizer sich mehr als Ebenbürtig erwiesen hatten.

( http://www.woz.ch/artikel/2... 15829.html )

Poldi Fesch
31
14.2.2011, 23:39
das hat mit mein

HJ-geschulter Vater auch immer erzaehlt

Niccolo Machiavelli.
 
010
14.2.2011, 23:22

Ein kleiner Fehler ist in ihrer Aussage:

es war nicht entweder oder, sondern beides.

Einerseits war die CH eben nicht so leicht einzukassieren wie damals zB österreich, interessanterweise ist österreich bequemer weise von Dollfuss entwaffnet worden.

Andererseits musste die CH, eingekreist von Nazis im Norden, Faschisten im Süden, Vichy Frankreich im Westen, irgendetwas gegen seine Isolierung tun. Hätte jeder Staat in der Situation wohl gemacht.

Immer noch ehrenvoller als die Nazis reinlassen und zu tausenden bejubeln am Heldenplatz!

Anton Jesus Poster
102
14.2.2011, 14:28
Paranoia juhu !!!

Es gibt nur ein Land in Europa, dass Oesterreich punkto Xenophobie und Furcht vor Verlust der eigenen Identität (was auch immer das ist) übertrifft: Die Schweiz - je höher die Berge um einen herum, desto begrenzter das Denken.
Eine kleine Statistik:
Waffeneinsatz aggressiver Art: Waffeneinsatz defensiver Art = 900:1
Soviel zum Thema "Die Waffe schützt"

Promille Prolet
00
14.3.2011, 10:12

die statistik haben sie sich genau wo rausgezogen? aus dem allerwertesten wohl.

hlg
02
15.2.2011, 21:18
wann ist zuletzt wer...

in der schweiz erfolgreich einmarschiert?

so schlecht dürfte das verteidigungskonzept also nicht sein...

Selfdefense
01
15.2.2011, 07:18
Defensiver Waffeneinsatz

ist notorisch untererfasst. Erfasst werden nämlich nur jene Fälle, bei denen tatsächlich geschossen wurde (die anderen >95% der Fälle wo "nix passiert" ist werden nicht einmal erfasst - muss doch das Opfer fürchten, von Justiz und Medien verfolgt zu werden).

In der Zeitung steht es nur dann, wenn der Täter tot ist.

Konservative Schätzungen aus Studien in den USA gehen davon aus, dass defensiver Waffeneinsatz (wie schon gesagt, meist nur durch vorzeigen der Waffe) den offensiven Waffeneinsatz etwa 100:1 übertrifft.

Die Statistik im Spiegel ist also etwa so genau, als wollte man aus 1 Sekunde Beobachtung über das Wetter berichten. Die Hälfte der Zeit würde man schließen, dass gestern die Sonne nicht aufgegangen wäre...

veryworried
22
14.2.2011, 17:25
je höher die Berge um einen herum, desto begrenzter das Denken.

einfach zu witzig um es umkommentiert zu lassen ;-)

Aber Paranoia ist leider kein A/CH-Problem sondern in ganz Europa gang und gäbe...

King David
01
14.2.2011, 16:20

"Waffeneinsatz aggressiver Art: Waffeneinsatz defensiver Art = 900:1"

Was soll das aussagen und woher sollen diese Zahlen kommen?

Anton Jesus Poster
00
14.2.2011, 17:58

Leider muss ich Ihnen frevelhafterweise die Quelle schuldig bleiben, habs vor etwa 2 Jahren im Spiegel gelesen.
Die Aussage meint, dass auf einen Waffeneinsatz zur Selbstverteidigung 900 Waffeneinsätze kommen, die nicht der Selbstverteidigung sondern dem Angriff dienen.

5th of november
00
15.2.2011, 01:12

Frei erfundene Statistiken zitieren, genialer Schachzug! Zum Glück scheinen Sie ja extrem differenziert argumentieren zu können. Ich schliess mich ihrem Vorbild an (obwohl ich die Zahlen belegen könnte, aber dazu bin ich - wie Sie - zu faul):
Man könnte auch sagen, angesichts der knapp 10 (geschätzt, ich kann mich nur an wenige Fälle konkret erinnern) Personen, die jährlich durch Armeewaffen in der Schweiz (nicht mitgerechnet die rund 30 Suizide durch Armeewaffen) unfreiwillig zu Tode kommen (sprich: ermordert), scheint mir die Paranoia (vor Waffen) eher bei den Initiaten zu liegen.

Poldi Fesch
00
14.2.2011, 23:41
sagt der

Spiegel, so what

King David
00
14.2.2011, 18:03

Wobei bei dieser Quelle mit Sicherheit wieder mal die illegalen Waffen mit den legalen in einen Topf geschmissen wurden.

Rostbrätel
00
14.2.2011, 14:12
Vergleich

Na, so ein paar Minarette sind eben gefährlicher als Schußwaffen.
Das haben viele Schweizer Stimmberechtigten uns nun schön vor Augen geführt.

Ein Hoch auf den Mythos des wehrhaften Urschweizers. Zumindest der ist gesichert.

Anton Jesus Poster
00
14.2.2011, 14:53

Als Auslands-Oesterreicher in der Schweiz hab ich mich sehr über Ihren Kommentar amüsiert. Leider gilt hierzulande wirklich das Motto: "Ich schiesse, also bin ich"...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 706
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.