Italienerinnen sagen Basta

Frauen demonstrieren gegen Berlusconi

13. Februar 2011, 12:24

Protestkundgebungen in über 100 Städten gegen das von Medien und Politik vermittelte Frauenbild

Rom - Die Italienerinnen sagen Basta: Nachdem seit Monaten die Sexaffären um Regierungschef Silvio Berlusconi das politische Leben und die Medien dominieren, sind die italienischen Frauen am Sonntag auf die Straße gegangen, um gegen den Premierminister und das der Politik und dem Fernsehen vermittelte Frauenbild zu demonstrieren. "Ora basta!" (Jetzt reicht's!) skandierten die Demonstrantinnen, die von Mailand bis Palermo auf die Straße gingen, um mehr Respekt für die Frauen zu verlangen. In Mailand trugen die Demonstrantinnen einen weißen Schal als Symbol ihres Protests, in der süditalienischen Stadt Andria hielten sie eine Blume in der Hand. "Diese Blume steht für den Respekt und die Würde der Frauen, Worte die Berlusconi längst vergessen hat", betonte eine Organisatorin des Protests.

Dass Premier Berlusconi in seiner Privatresidenz wie ein alter Sultan ausschweifende Partys mit minderjährigen Callgirls organisierte, wie die Mailänder Staatsanwaltschaft behauptet, hat bei vielen Italienerinnen das Fass zum Überlaufen gebracht. Normale Bürgerinnen, Künstlerinnen, Politikerinnen und Schriftstellerinnen riefen im Internet dazu auf, ein Zeichen zu setzen und organisierten die landesweite Protestaktion. Mehr als 100.000 Mädchen und Frauen unterzeichneten ein Manifest gegen das frauenverachtende Bild in den Medien und in der Politik. Tausende Frauen schlossen sich spontan der landesweiten Mobilisierungsaktion an. "Italien ist kein Bordell" und "Wenn nicht jetzt, wann dann?" lauten Slogans der Frauenorganisationen. Zur Teilnahme an der Demonstration wurden auch Männer aufgerufen, die "Freunde der Frauen" sind.

Bei der Protestkundgebung in Rom, an der sich Frauen aus allen politischen Lagern beteiligten, war auch die Chefin des stärksten italienischen Gewerkschaftsverbands CGIL, Susanna Camusso, anwesend. "Wir protestieren gegen eine Führungselite, die alle Regeln missachtet. Die italienischen Frauen fühlen sich von diesem Premierminister beleidigt und degradiert", betonten die Initiatorinnen der parteiübergreifenden Protestkundgebungen. "Nach dem Skandal wegen der minderjährigen Prostituierten im Hause Berlusconis kann man nicht mehr wegschauen. Die Würde der Frauen ist in Italien ein Problem, das uns alle betrifft", sagte die Rechtsparlamentarierin Giulia Bongiorno.

Politische Forderungen

Die Demonstrantinnen stellten auch politische Forderungen: Sie klagen über Diskriminierungen auf dem Arbeitsmarkt und einen Mangel an Kinderbetreuung, fordern mehr Halbtagsjobs und Unterstützung für Familien. Von den Protesten erhoffen sie sich auch, dass sich die zersplitterten Frauenorganisationen in Zukunft besser vernetzen können.

Italien zählt europaweit zu den Ländern mit der niedrigsten Zahl an Frauen in der Politik. Mit 9,2 Prozent Frauen im Parlament ist Italien europaweit das Schlusslicht. Jede zweite Frau hat keinen Arbeitsplatz und hat auch die Suche danach aufgegeben. Italien ist mit Malta Europas schwarzes Schaf, was Frauenbeschäftigung betrifft. 48,9 Prozent aller Frauen haben in Italien keinen Job, geht aus dem neu veröffentlichten Dossier des nationalen Statistikamts Istat hervor. (APA)

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13 Postings
h 90
00
16.2.2011, 11:21

Sicher falsch uebersetzt. Die Demonstrieren weil sie nicht zu den Parties eingeladen wurden.

Bunga Bunga
00
17.2.2011, 14:54
genau

diese frauen repräsentieren nicht italien. ich schäme mich!

Steinbock1959
00
15.2.2011, 18:37

Recht haben sie!

Jürgen Rembremerding
00
14.2.2011, 12:18
Nur noch empörend!

In Zeiten des Frauenwahlrechts ist damit nicht nur das aktive, sondern auch das passive Wahlrecht gemeint!

Wenn Berlusconi sich Frauen erwählt, die zentrale Funktionen in seiner präsidialen Umgebung wahrnehmen, so will er damit nur und ausschließlich seinen tiefen Respekt von genau jenem Frauenwahlrecht in seiner passiven Form zum Ausdruck bringen. Ohne Hintergedanken - ohne Falschheit.

Nie zuvor in der Menschheitsgeschichte wurde eine noble und uneigennützige Geste mit mehr Undank vergolten!

Das gilt übrigens auch für seinen tapferen Einsatz zum Schutz maghrebinischer Migrantinnen vor Polizeiwillkür!

David Zot
01
14.2.2011, 07:30

Die Opposition gewinnt die Protestmärsche und Berlusconi die Wahlen....

Frauenzimmer
14
13.2.2011, 19:16

Endlich wehren sich die Frauen Italiens gegen die Pornographisierung der italienischen Gesllschaft und Verächtlichmachung des Parlaments mit Prostituierten als Abgeordnete. Dieser unsäglich geschmacklose, mafios agierende Regierungschef ist eine Beleidung für Italien und auch für die EU. Auch die österreichischen Politker-innen sollten einmal ein deutliches Wort über den italienischen Gesandten ausrichten lassen.

David Zot
00
14.2.2011, 08:38

SexarbeiterInnen haben auch passives Wahlrecht.

e g c
13
13.2.2011, 17:09
Endlich ...

... scheint die Zivilgesellschaft aufzuwachen ...

Poldi Fesch
00
15.2.2011, 01:49
aber Italiens Justiz tut

was sie kann
http://www.sanremonews.it/2011/02/1... biggi.html

damit geht er ganz locker vor die Presse, richter desavoiert

Giancarlo T.
01
13.2.2011, 21:58
Siehst du?

Millionen Menschen waren auf den Strassen heute, ohne Parteienfahnen, um gegen den kulturellen Abgrund des Berlusconismo zu demonstrieren.
Silvio ist Minderheit jetzt, Italien ist wach. Ich erwarte mir jetzt einen Schlag den Oppositionen.

fridakeynes
03
13.2.2011, 15:38
hat aber sehr lange gedauert, bis sich die frauen in italien

endlich zu einem landesweiten protest gegen das widerwärtige frauenbild der italiener aufraffen konnten! alleine die unsäglich dümmlichen tv-shows der letzten jahre hätten schon vor längerem einen proteststurm hervorrufen müssen....

usual suspect
00
14.2.2011, 22:24

nur der letzten jahre? ;-)

Toni Meister
20
13.2.2011, 12:43
Frauen :"Wir protestieren gegen eine Führunselite, die alle Regeln missachtet ".

Ist ja O.K. , aber protestiert auch gegen Euch selbst ( sonst könnte der Berusconi keine Wahlen gewinnen ) und gegen Eure Männer. Grund : Die Männer sehen mit Berlusconi simple Gemeinsamkeiten die sich reduzieren lassen auf : Vögeln und Steuern hinterziehen.

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