"Und überhaupt ist alles ein Wahnsinn"

13. Februar 2011, 12:12
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Elisabeth Görgl besorgt sich die zweite und Österreichs Skifahrt die dritte Goldmedaille bei der 41. WM, gewinnt den Abfahrtslauf vor Lindsey Vonn und Maria Riesch

Elisabeth Görgl hat schlecht geschlafen, war extrem angespannt am Start. Görgl erzählte das, also glaubt man es, denn von der Außensicht war nichts Unrundes zu bemerken. Die Steirerin brauste wie schon anlässlich des Super-G die Kandahar hinab wie keine andere, stets in Position, stets auf Zug, stets knapp am Limit, aber stets diesseits des Limits, schnell, sicher, vergleichsweise fehlerfrei. Mit dem respektablen Vorsprung von 44 Hundertstel verwies sie Lindsey Vonn auf den Silberplatz, die bei ihrer Heim-WM schwer geprüfte Maria "Influenza" Riesch lag als Bronzene schon sechs Zehntel zurück.

Womit Görgl aber schon "insgeheim spekuliert" hatte, wurde wahr. Was Vonn vor zwei Jahren in Val d'Isère gelungen war, schaffte Görgl in Garmisch-Partenkirchen, sie gewann das sogenannte Speed-Double, nämlich Goldmedaillen im Super-G und in der Abfahrt. Dieses Double brachte Michaela Dorfmeister von den Olympischen Spielen 2006 in Turin nach Hause.

Das bisher letzte ÖSV-Mitglied, welches diese beiden Taten bei einer WM ausführte, heißt Hermann Maier, er nahm die Goldenen 1999 aus Vail mit. Dort gewann Alexandra Meissnitzer den Super-G und den Riesenslalom.

Der Wahnsinn

"Während der Fahrt habe ich mich wohlgefühlt. Und ich wollte eigentlich nur, dass ich mir im Ziel nichts vorwerfen muss. Ich habe mich einfach auf mich selbst konzentriert", sagte Görgl, die ihre beiden WM-Titel nicht werten wollte. "Die erste Medaille war ein Wahnsinn, die zweite ist ein Wahnsinn, und überhaupt ist alles ein Wahnsinn." Beide Goldenen errang sie übrigens mit Startnummer 16.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel war so richtig fröhlich über die insgesamt vierte Medaille, die ihn über die medaillenlose Abfahrt der Herren hinwegtröstete, und er stellte fest: "Nicht ich als Präsident, sondern unsere Athleten und die Trainer haben die Führung im Medaillenspiegel ausgebaut. Gratulation an alle, vor allem an die Lizz. Wenn einem so was nicht mehr nahegeht, ist alles zu spät. Wir haben eine gute Stimmung im Team trotz der schweren Zeit mit den vielen Verletzungen. Ich hoffe, wir hören unsere Hymne noch öfter. Unser Ziel waren zumindest sechs Medaillen, dabei bleibt es." ÖSV-Sportdirektor Hans Pum gestand: "Wir haben gewusst, dass die Mädchen technisch und kämpferisch sehr gut sind. Dass es so aufgeht, war aber nicht zu erwarten." Da sprach er auch von Anna Fenninger, die sich am Freitag die Superkombi gesichert hatte.

Görgl, die im Weltcup noch keine Abfahrt gewann, ist der Superstar dieser WM. Und sie kann ihre Bilanz sogar noch ausbauen. Zunächst im Teambewerb am Mittwoch, der allerdings wegen der nachlassenden Piste von der Absage bedroht ist, dann im Riesenslalom am Donnerstag. In dieser Übung gewann sie in Vancouver wie auch in der Abfahrt Bronze - mit Startnummer 16.

Die designierten WM-Superstars, Lindsey Vonn und Hausherrin Maria Riesch, hatten es bisher schwer, aber dafür kann Görgl wirklich nichts. Vonn baute vor der WM einen Trainingssturz, der ihr Gehirn erschütterte, Riesch wurde von einer Grippe heimgesucht, hustete auch gestern noch vernehmlich. "Lizzy hatte einen Superlauf, ich gratuliere, sie hat sich diese Goldmedaille wirklich verdient", sagte Vonn, "und ich bin stolz, dass ich überhaupt fahren konnte, mit Silber bin ich mehr als zufrieden. "

Riesch, die trotz Schwächung auch in der Superkombination Bronze gewann: "Ich habe alles gegeben, und es ist mir einiger- maßen gelungen. Eine Grippe verschwindet halt nicht von einem Tag auf den anderen. Aber die Leute zahlen viel Geld, damit sie mich sehen, da gehört es sich einfach, dass man an den Start geht. Und was ich sicher nicht will, ist jammern." (Benno Zelsacher aus Garmisch-Partenkirche, DER STANDARD Printausgabe 14.02.2011)

Die bisherigen Speed-Doubles in der WM-Geschichte:

DAMEN:
1987 - Crans Montana: Maria Walliser (SUI)
2007 - Aare: Anja Pärson (SWE)
2009 - Val d'Isere: Lindsey Vonn (USA)
2011 - Garmisch-Partenkirchen: Elisabeth Görgl (AUT)

HERREN:
1999 - Vail: Hermann Maier (AUT)
2005 - Bormio: Bode Miller (USA)

  • Die Goldenen für das Speed-Double.
    foto: epa/erich spiess

    Die Goldenen für das Speed-Double.

  • Elisabeth Görgl war "total am Limit".
    foto: epa/stephan jansen

    Elisabeth Görgl war "total am Limit".

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