Elisabeth Görgl besorgt sich die zweite und Österreichs Skifahrt die dritte Goldmedaille bei der 41. WM, gewinnt den Abfahrtslauf vor Lindsey Vonn und Maria Riesch
Elisabeth Görgl hat schlecht
geschlafen, war extrem angespannt am Start.
Görgl erzählte das, also glaubt man es,
denn von der Außensicht war
nichts Unrundes zu bemerken. Die Steirerin brauste wie schon anlässlich
des Super-G die Kandahar hinab wie keine andere, stets in Position,
stets auf Zug, stets knapp am Limit, aber stets diesseits des Limits,
schnell, sicher, vergleichsweise fehlerfrei. Mit dem respektablen
Vorsprung von 44 Hundertstel verwies sie Lindsey Vonn auf den
Silberplatz, die bei ihrer Heim-WM schwer geprüfte Maria "Influenza"
Riesch lag als Bronzene schon sechs Zehntel zurück.
Womit Görgl aber schon "insgeheim
spekuliert" hatte, wurde wahr. Was
Vonn vor zwei Jahren in Val d'Isère gelungen war, schaffte Görgl in
Garmisch-Partenkirchen, sie gewann das sogenannte Speed-Double, nämlich
Goldmedaillen im Super-G und in der Abfahrt. Dieses Double brachte
Michaela Dorfmeister von den Olympischen Spielen 2006 in Turin nach
Hause.
Das bisher letzte ÖSV-Mitglied, welches diese beiden Taten bei einer
WM
ausführte, heißt Hermann Maier, er nahm die Goldenen 1999 aus Vail mit.
Dort gewann Alexandra Meissnitzer den Super-G und den Riesenslalom.
Der Wahnsinn
"Während der Fahrt habe ich mich wohlgefühlt. Und ich wollte
eigentlich
nur, dass ich mir im Ziel nichts vorwerfen muss. Ich habe mich einfach
auf mich selbst konzentriert", sagte Görgl,
die ihre beiden WM-Titel
nicht werten wollte. "Die erste Medaille war ein Wahnsinn, die zweite
ist ein Wahnsinn, und überhaupt ist alles ein Wahnsinn." Beide Goldenen
errang sie übrigens mit Startnummer 16.
ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel war so richtig fröhlich über die
insgesamt vierte Medaille, die ihn über die medaillenlose Abfahrt der
Herren hinwegtröstete, und er stellte fest: "Nicht ich als Präsident,
sondern unsere Athleten und die Trainer haben die Führung im
Medaillenspiegel ausgebaut. Gratulation an alle, vor allem an die Lizz.
Wenn einem so was nicht mehr nahegeht, ist alles zu spät. Wir haben eine
gute Stimmung im Team trotz der schweren Zeit mit den vielen
Verletzungen. Ich hoffe, wir hören unsere Hymne noch öfter. Unser Ziel
waren zumindest sechs Medaillen, dabei bleibt es." ÖSV-Sportdirektor
Hans Pum gestand: "Wir haben gewusst, dass die Mädchen technisch und
kämpferisch sehr gut sind. Dass es so aufgeht, war aber nicht zu
erwarten." Da sprach er auch von Anna Fenninger, die sich am Freitag die
Superkombi gesichert hatte.
Görgl, die im Weltcup noch keine
Abfahrt gewann, ist der Superstar
dieser WM. Und sie kann ihre Bilanz sogar noch ausbauen. Zunächst im
Teambewerb am Mittwoch, der allerdings wegen der nachlassenden Piste von
der Absage bedroht ist, dann im Riesenslalom am Donnerstag. In dieser
Übung gewann sie in Vancouver wie auch in der Abfahrt Bronze - mit
Startnummer 16.
Die designierten WM-Superstars, Lindsey Vonn und Hausherrin Maria
Riesch, hatten es bisher schwer, aber dafür kann Görgl wirklich nichts.
Vonn baute vor der WM einen Trainingssturz, der ihr Gehirn erschütterte,
Riesch wurde von einer Grippe heimgesucht, hustete auch gestern noch
vernehmlich. "Lizzy hatte einen Superlauf, ich gratuliere, sie hat sich
diese Goldmedaille wirklich verdient", sagte Vonn, "und ich bin stolz,
dass ich überhaupt fahren konnte, mit Silber bin ich mehr als zufrieden.
"
Riesch, die trotz Schwächung auch in der Superkombination Bronze
gewann:
"Ich habe alles gegeben, und es ist mir einiger- maßen gelungen. Eine
Grippe verschwindet halt nicht von einem Tag auf den anderen. Aber die
Leute zahlen viel Geld, damit sie mich sehen, da gehört es sich einfach,
dass man an den Start geht. Und was ich sicher nicht will, ist jammern." (Benno Zelsacher aus Garmisch-Partenkirche, DER STANDARD Printausgabe 14.02.2011)
Die bisherigen Speed-Doubles in der WM-Geschichte:
DAMEN:
1987 - Crans Montana: Maria Walliser (SUI)
2007 - Aare: Anja Pärson (SWE)
2009 - Val d'Isere: Lindsey Vonn (USA)
2011 - Garmisch-Partenkirchen: Elisabeth Görgl (AUT)
HERREN:
1999 - Vail: Hermann Maier (AUT)
2005 - Bormio: Bode Miller (USA)