Wieder 1.000 Flüchtlinge gelandet

13. Februar 2011, 13:18
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Migrantenwelle aus Tunesien reißt nicht ab - Italien fordert von EU und UNO Marshall-Plan für Nordafrika

Rom - Der Massenansturm nordafrikanischer Flüchtlinge in Richtung Süditalien reißt nicht ab. In der Nacht auf Sonntag erreichten etwa 1.000 illegale Einwanderer die Küsten der Insel Lampedusa südlich von Sizilien. Dabei handelt es sich mehrheitlich um tunesische Flüchtlinge. Zwei weitere Boote mit Dutzenden Migranten wurden von der italienischen Küstenwache unweit der Insel gesichtet. In vier Tagen erreichten 4.000 Menschen die nur 20 Quadratkilometer große Insel.

Die italienische Regierung hat angesichts der starken Flüchtlingswelle am Samstag den humanitären Notstand ausgerufen. Sondermaßnahmen sollen ergriffen werden, um dem Massenzustrom von Migranten aus Nordafrika Einhalt zu gebieten.

Die Regierung hat angesichts der starken Flüchtlingswelle die EU scharf kritisiert und sie beschuldigt, das Land bei der Bewältigung des Flüchtlingsansturms aus Nordafrika sich selbst überlassen zu haben. "Nordafrika explodiert und die EU tut nicht. Brüssel hat Italien alleingelassen. Ich habe Brüssel um Hilfe gebeten und man hat mir geantwortet, dass Anfragen zwei Wochen im Voraus eingereicht werden müssen. Ich bin über diese bürokratische Einstellung sprachlos", erklärte Innenminister Roberto Maroni in einem TV-Interview am Sonntag.

Calderoli: Problem für ganz Europa

"Ganz Europa wird sich bald mit einer riesigen humanitären Notstandslage auseinandersetzen müssen", warnte der Minister. Er werde Tunesien bitten, italienische Soldaten zur Patrouillierung der Küsten entsenden zu können.

Italiens Sozialminister Maurizio Sacconi bemängelte, dass die EU bisher zu wenig unternommen habe, um die Massenabfahrt von Flüchtlingen zu verhindern. "Wir werden bald sehen, ob es wirklich eine einheitliche europäische Politik gibt, oder ob Europa nur ein Wirtschaftstraum mit einer gemeinsamen Währung ist", kommentierte der Minister der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord, Roberto Calderoli.

Bootsunglücke befürchtet

Die italienische Regierung bangt vor Flüchtlingstragödien im Meer. Ein Boot mit mehreren Migranten an Bord ist am Samstagnachmittag unweit des Golfs von Gabes in Tunesien untergegangen. Ein junger Flüchtling kam ums Leben, ein weiterer ist verschollen, zehn Personen konnten gerettet werden, berichteten italienische Medien.

Der italienische Flüchtlingsrat CIR rief die Regierung Berlusconi auf, sofort das Auffanglager auf der süditalienischen Insel Lampedusa wieder zu öffnen, das vor zwei Jahren geschlossen worden war. Etwa 3.000 nordafrikanische Migranten erreichten in den vergangenen drei Tagen die Insel zwischen Sizilien und Tunesien.(APA)

 

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