Mehr Klein-Kredite für KMUs

13. Februar 2011, 16:42
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KMUs geben ihre Wartehaltung auf und investieren wieder mehr. Das Geld dafür holen sich viele von den Banken

Österreichische KMUs, also Unternehmen mit maximal 250 Beschäftigten, greifen wieder in die Tasche und investieren. "Anders als etwa in den USA, ist Österreich bei Finanzierungen kreditorientiert", heißt es aus der Wirtschaftskammer Wien. "Es ist eine simple und vergleichsweise billige Sache. 2009 und zum Teil auch noch 2010 waren die Betriebe bei Investitionen noch zurückhaltend, haben sich angeschaut, wie sich die Wirtschaft entwickelt. Inzwischen ist die Investitionsneigung gestiegen, Betriebe modernisieren und erweitern – geförderte Kredite werden stärker nachgefragt."

Ein Blick hinter die Kulissen der Bank Austria zeichnet ein ähnliches Bild. Sie hat 2010 deutlich mehr geförderte Kredite an kleine und mittlere Unternehmen vergeben als im Jahr davor. Dabei hat sich das Volumen im Jahresabstand um 78 Prozent auf 47,6 Millionen Euro erhöht. "Die Zahl der Verträge ist um 85 Prozent gestiegen. Jedes fünfte Darlehen umfasst höchstens 100.000 Euro, jedes zehnte weniger als 55.000 Euro", heißt es in einer Aussendung der Bank Austria.

Auch die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien erkennt eine deutliche Steigerung an geförderten Krediten, "und damit ist auch das Gesamt-Volumen gewachsen."

Unternehmen agieren selektiver

Robert Kovar, Bereichsleiter für "Geschäftskunden und Freiberufler" bei der Bawag P.S.K. Bank, sieht einen weiteren Trend: "Firmen nehmen zwar mehr Kredite in Anspruch – wir verzeichnen eine Zunahme bei den Finanzierungen von rund 20 Prozent und einen Zuwachs im Kreditgeschäft von 25 Prozent –, aber die Unternehmen agieren dabei viel selektiver." Auch Kovar erkennt, dass viele Unternehmer die Position verändert haben, aus der Wartehaltung ausbrechen und sich wieder mehr trauen: "Mit den Krediten werden Maschinen gekauft, Landwirte finanzieren damit ihren neuen Traktor, oder legen sich Investitionsgüter zu."

Den massiven Zuwachs bei den geförderten Krediten führt die Bank Austria auf ihre Beratungsoffensive zurück. "Die Förderungen der öffentlichen Hand für die KMU-Kredite gab es auch bereits 2009, nur wussten viele Unternehmen offenbar nicht ausreichend darüber Bescheid, welche Angebote für sie infrage kommen."

Stolpersteine bei der Kreditvergabe

Ganz anders sieht man das in der Wirtschaftskammer Wien. "Wir hatten 2009 sehr viele Beschwerden, weil keine Kredite vergeben wurden. Die Unternehmen glaubten, dass sie ohne Planungsrechnung und Liquiditätsplan einen Kredit einreichen können. Inzwischen ist das Verhältnis zwischen Banken und Betrieben besser geworden, doch die Abwicklung der geförderten Kredite ist extrem kompliziert. Die Förderungen sind zwar gut gemeint, müssen aber für Banken und Unternehmer administrierbar sein, sonst werfen die Unternehmer die Flinte ins Korn und verzichten auf die ein oder zwei Prozentpunkte Vergünstigung."

Die Schwierigkeit, Kredite zu bekommen, sieht Robert Kovar von der Bawag P.S.K. Bank in einem neuen Regelwerk: "Wegen neuer Auflagen werden die Kredite genauer geprüft. Die Kunden gehen jetzt bewusster mit Finanzierungen um. Ich sehe darin eine gesunde Entwicklung." Die Gründe, warum Kredite nicht vergeben werden können, sind für Kovar klare: "Für uns ist wichtig: Ist der Kredit leistbar? Also müssen Business- und Liquiditätsplan stimmen. Wenn gar keine Eigenmittel vorhanden sind, ist es aber immer schwer, eine Finanzierung zu bekommen."

Vorbereitung ist immens wichtig

"Wir gehen davon aus – und auch Untersuchungen von Wirtschaftsforschungsinstituten zeigen das –, dass die Investitionen weiter steigen werden. Das Vertrauen und die Zuversicht sind gewachsen", heißt es aus der Wirtschaftskammer Wien. "Das Wichtigste ist, mit Unterlagen ausgerüstet zu sein, die der Bank oder einem Fördergeber die Plausibilität und die Sinnhaftigkeit des Vorhabens klar machen. Man muss als Unternehmer bestimmte Dinge verschriftlichen, und wie man ein Schaufenster dekoriert, muss man auch bei einem Finanzierungswunsch gut präsentieren. Prognosen über die Geschäftsentwicklung und Hinweise darauf, wie man mit der einen oder anderen Abweichung der Planzahl umgeht, hilft dem Finanzier, den Eindruck zu gewinnen, dass sich der Unternehmer im Marktumfeld auskennt." Unterstützung dabei bietet die Wirtschaftskammer an breiter Front an. "Banken wollen ja das Geschäft machen. Nur wenn sie keine Zahlen vom Unternehmen haben, müssen sie oft sagen, dass sie den Kredit nicht geben können."

Mit der Wiener Kleinkredite-Aktion heftet sich die Wirtschaftskammer Wien einen Erfolg auf die eigenen Fahnen. "Wir konnten die Banken davon überzeugen, wie wichtig es für kleine Unternehmen ist, dass ihnen mit bis zu 5.000 Euro schnell und unbürokratisch geholfen wird. Da agieren die Banken jetzt großzügiger, auch wenn sie dabei, wegen des großen Aufwandes, kaum einen bis keinen Verdienst haben. Aber mit diesem Commitment verbessern die Banken ihr Image und beleben die Wiener Wirtschaft." (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 13.2.2011)

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    Banken haben 2010 deutlich mehr geförderte Kredite an kleine und mittlere Unternehmen vergeben als im Jahr davor. "Die Zahl der Verträge ist um 85 Prozent gestiegen. Jedes fünfte Darlehen umfasst höchstens 100.000 Euro, jedes zehnte weniger als 55.000 Euro", heißt es in einer Aussendung der Bank Austria.

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